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Südafrikanische Kinder stehen mit deutschen Paten vor einer buntbemalten Wand. (Quelle: privat)

Südafrika: "Wir wären gern länger geblieben"

„Wir haben einen rundum positiven Eindruck gewonnen.“ Claudia und Martin Stracke ziehen nach einem Projektbesuch in Südafrika Bilanz. Land und Leute haben sie begeistert, und es wird nicht der letzte Besuch dort gewesen sein.

Text: Gunhild Aiyub, Fotos: Ralf Krämer

„Meine Kinder haben gesagt: Mama, wenn dir die Fliegerei nicht gefällt, steigst du in Paris einfach aus dem Flugzeug und fährst per Bahn zurück nach Hause“, lacht Claudia Stracke. „Sie hat mir nicht gefallen, aber ich bin trotzdem nach Südafrika geflogen und hab‘ es keinen Moment bereut!“

Familie Stracke im Projekt des Patenkindes des Kindergottesdienstes Wermelskirchen (Quelle: privat)
Die Paten zeigen den Kindern, wie hoch der Schnee in Deutschland liegen kann

Die 53-Jährige sitzt mit Ehemann Martin (52) im buntdekorierten Jugendraum der evangelischen Kirche in Wermelskirchen und erzählt von ihrer Reise zum Kindernothilfe-Patenkind der Familienkirche. Auch Fotos haben die beiden mitgebracht, die über den Bildschirm ihres Laptops flimmern. Schön eingerichtete Kinderzimmer in einem Übergangsheim für Waisen, eine Schulklasse, Familie Stracke vor einer Schultafel stehend und gestikulierend. „So hoch liegt der Schnee in Deutschland, haben wir ihnen gezeigt „sagt Martin Stracke und zeigt auf ein Foto, „und die Kinder waren starr vor Staunen.“

Mit Leib und Seele in der Gemeinde verankert

Ein Ehepaar sitzt lachend auf farbigen Kissen auf Holztreppenstufen.  (Quelle: Ralf Krämer)
Claudia und Martin Stracke sind fest in der Kirchengemeinde verankert.

Claudia Stracke, gelernte Kinderkrankenschwester, ist seit Jahren ehrenamtlich wie beruflich fast rund um die Uhr in der Stadtkirche engagiert. Anfangs als Gemeindeschwester, später als Diakonin, schließlich sogar als Prädikantin, das heißt, sie darf Taufen, Trauungen und das Abendmahl durchführen. „Begeisterung, Zuverlässigkeit und einen hohen Zeitaufwand", attestierte ihr eine Presbyterin bei der Laudatio zu ihrem Prädikanten-Amt im vergangenen Jahr. Diese Eigenschaften sind auch nötig, um alle Aufgaben unter einen Hut zu bringen – Familienkirche, Presbyterium, Jugendarbeit, Flüchtlingshilfe.

Neue Wege gehen?

In ihrer Funktion als Leitung der Familienkirche erhielt Claudia Stracke im vergangenen Jahr einen Brief aus Duisburg mit der Bitte, nach dem Patenkind aus Uganda jetzt eines aus Südafrika zu fördern. Ihre spontane Reaktion war: „Kommt gar nicht in Frage, wir bleiben bei Uganda.“ Die Gemeinde im Bergischen Land gehört seit 35 Jahren zu den treuen Förderern des Hilfswerks. Sie hatte im Laufe der Zeit so manchem Kind aus Uganda zu einem guten Start ins Leben zu verholfen. Den Gemeindegliedern war die Arbeit in dem Land bekannt, bei Kollektenabkündigungen im Gottesdienst musste sie nicht mehr erklärt werden.

Township bei Durban (Quelle: Ingrid Hach)
Township bei Durban

Frau Stracke rief bei der Kindernothilfe an und bat um einen neuen Patenschaftsvorschlag. Während des Telefonats fiel ihr Blick auf den Kindernothilfe-Brief vor sich auf dem Schreibtisch. Da erinnerte sie sich plötzlich, dass sie und ihr Mann im nächsten Jahr voraussichtlich die zwei Partnergemeinden der Kirchengemeinde in Südafrika besuchen würden. ‚„‘Guck doch mal auf den Ort des Kindernothilfe-Projekts‘, dachte ich. 'Durban? Eine der Partnergemeinden ist auch in Durban.‘“ „Ich muss doch noch einmal darüber nachdenken“, sagte sie der Kindernothilfe-Mitarbeiterin am Telefon, „hier ist gerade eine völlig neue Perspektive aufgetaucht!“

Auf nach Südafrika

Es blieb bei Südafrika, und Claudia Stracke, mit Ehemann und dem damals 17-jährigen Sohn Simon, startete zur ersten Flugreise ihres Lebens. Von der Kindernothilfe-Geschäftsstelle war der Besuch im Projekt angekündigt worden, die Paten hatten wichtige Verhaltensregeln zum Kindesschutz geschickt bekommen und akzeptiert. Kindesschutz wird bei allen Besuchen, egal ob von Mitarbeitern, Journalisten oder Paten, bei der Kindernothilfe und ihren Partnern groß geschrieben.

Patin und Projektmitarbeiterin inmitten von Spielzeug auf einer Wiese vor dem Projekt. (Quelle: privat)
Strackes informierten sich über die Arbeit des Kindernothilfe-Partners.

Und so standen Strackes am zweiten Tag ihrer Reise vor der Tür des Kindernothilfe-Partners iThemba Lethu. Die Leiterin Karen Brokensha erwartete die Besucher bereits und nahm sich Zeit für ein ausführliches Gespräch. Zwei Gruppenleiter begleiten sie auf einer Tour durch das Projektgebiet des Townships Cato Manor, etwa zehn Kilometer von Durban entfernt. „Die Partnerorganisation war klasse, die Mitarbeiter haben uns mit offenen Armen aufgenommen und uns alles gezeigt“, erzählt das Ehepaar, und selbst jetzt noch spürt man ihre Begeisterung. IThemba Lethu veranstaltet ein wöchentliches Aufklärungsprogramm in sieben Schulen in Cato Manor, die Mitarbeiter stärken Mädchen und Jungen in ihrem Selbstwertgefühl und lehren sie Respekt im Umgang untereinander. Mit Erfolg: Die Zahl der neuen HIV-Infektionen scheint zu sinken, dieser Trend gibt Hoffnung. „Die Mitarbeiter sind junge Erwachsene, die aus dem gleichen Milieu kommen wie die Schüler. Das ist das richtige Konzept“, so Claudia Stracke, „denn sie wissen am besten, wie sie andere Jugendliche erreichen können.“

Ein rundum guter Eindruck vom Projekt

Die Familie aus Deutschland fuhr mit Mitarbeitern zu der Schule, in der Patenkind Mnelisi unterrichtet wird. Die Familienkirche hat zwar eine Patenschaft ohne persönlichen Kontakt, aber die Wermelskirchener konnten trotzdem Bilder von der Schulklasse mit nach Hause nehmen, zu der auch Mnelisi gehört.

Strackes geben dem Projekt eine gute Note: „Wir haben einen rundum positiven Eindruck gewonnen“, so Martin Stracke. „Wir haben das gesamte Projekt besichtigt, neben der Aidsprophylaxe der Kindernothilfe hat der Partner noch zwei Übergangsheime für Waisen in Durban. Die Ausstattung der Zimmer, die Zuwendung, die die Kinder bekommen, die Hygiene, es war einfach alles toll! „Man merkt, wenn einem etwas vorgemacht wird“, ergänzt seine Frau, „und wir hatten das Gefühl, hier ist nichts aufgesetzt, die Begeisterung der Mitarbeiter für ihre Arbeit ist echt.“

Dank für 30 Jahre Treue zur Kindernothilfe

Ein Ehepaar im Gespräch.  (Quelle: Ralf Krämer)
Die Paten berichten von ihrem Kindernothilfe-Engagement.

Die Begegnungen in Südafrika haben einen tiefen Eindruck hinterlassen. „Fliegen wird bestimmt nicht mein Hobby“, gibt Claudia Stracke grinsend zu, „aber wir werden ganz sicher noch einmal hinfliegen. Ich habe mich dort so wohlgefühlt, so gut aufgenommen, dass ich gerne länger geblieben und mitgearbeitet hätte. Aber – man kann leider nicht selbst an tausend Ecken helfen, deshalb leisten eben hier in Deutschland unseren Part, in der Gemeinde und in der Unterstützung eigener Patenkinder.“

Auch privat sind Strackes seit 1984 Kindernothilfe-Paten. 2014 wurde sie von der Kindernothilfe ausgezeichnet: „Herzlichen Dank für 30 Jahre Treue und Verbundenheit!“ Das Vorbild der Eltern in puncto ehrenamtliches Engagement ist an ihren Söhnen nicht spurlos vorbeigegangen. Alle drei engagierten oder engagieren sich als Freiwillige im Ausland. „Das Interesse, über den Tellerrand zu schauen, haben wir den Kindern mitgegeben“, ist sich Martin Stracke sicher, „aber dass jemand dann auch wirklich etwas tut, ist nicht selbstverständlich. Ich habe früher auch darüber nachgedacht, Entwicklungshilfe zu leisten. Aber dann konnten sie meine Frau als Kinderkrankenschwester gebrauchen, mich als Schreiner aber nicht, und so sind wir hiergeblieben.“

Das Spenden-Siegel ist wichtig

Der Nachbarraum füllt sich mit jungen Leuten, jemand spielt auf der Gitarre. Das abendliche Gemeindeleben beginnt. Eine letzte Frage zum Schluss: Was ist dem Ehepaar bei der Kindernothilfe besonders wichtig? „Der christliche Hintergrund“, sagt Martin Stracke „und die vernünftig ausgewählten Projekte. „Und dass nur ein kleiner Teil für Verwaltung ausgegeben wird und sie das Spenden-Siegel bekommt“, ergänzt seine Frau. „Das sind Argumente, die eindeutig für die Kindernothilfe sprechen.“