Dr. Michael Ackermann und Ehefrau Kirsten haben ihre Patentochter Fernanda in Brasilien besucht.
„Unser" Brasilien - das waren bisher Salsa- und Forro-Tanzkurs, Daniela Mercury und Tom Jobim, VHS-Kursus „Portugiesisch I und II", Sonne, Lachen, Seele baumeln lassen - aber auch die von unserer Freundin aufgesammelten Straßenkinder im Industrierevier von Belo Horizonte.
Das Brasilien unseres Patenkindes Fernanda im Hinterland würde anders sein. Im Vorfeld unseres Besuches in Bom Jardim („Schöner Garten") im Bundesstaat Pernambuco mischten sich Bedenken und Alegria, Unsicherheit gegenüber der Situation und Liebe zu unserem Patenkind, das immer wieder darum gebeten hatte: „Besucht mich doch mal in Brasilien".

Fernanda, Patentochter der Ackermanns. Foto: privat
Schließlich siegten Neugier und Alegria. Eingestimmt waren wir durch Artur Loetschers intensiven Reisebericht „Wunderwelt", in dem der Schweizer einem verhungerten Mädchen im armen Nordosten Brasiliens ein Denkmal gesetzt hat, ein Mädchen, „das doch Wasserträgerin geworden wäre" (Zitat Loetscher).
Fernanda will Lehrerin werden
Unsere Fernanda hingegen will Lehrerin werden. So wie meine Frau und ich. Fernandas Wunsch besteht jedoch schon länger als unsere Patenschaft!
Und so machten wir uns auf die Reise in das Land der brasilianischen Heiligen und Revolutionäre, der Musiker und Raubritter, in Fernandas Brasilien. Nach vier Stunden Expressbus hatten wir den Anschlussbus in Recife verpasst. Nach langem Suchen fanden wir einen Semi-Express, der uns für weniger als drei Euro in weiteren zweieinhalb Stunden in die nächste Kleinstadt vor Bom Jardim brachte. In der Pension „Wort des Lebens" stiegen nur Fernfahrer und Missionare ab - und wir. Der Umgangston war rau, aber herzlich. Weniger Salsa und Samba.

Die Ackermanns mit Fernanda und ihrer Familie. Foto: privat
Das Projekt (Nr. 94624)
Am folgenden Tag gelangten wir dank Taxi und Motorradtaxi nach Bom Jardim, wo Agroflor als Partner von Kindernothilfe arbeitet. Agroflor hilft den hier lebenden Kleinstbauern mit Anleitungen zum ökologischen Landbau für einen noch zu erschließenden Markt, hilft mit zwei Toyotas, dass Kinder überhaupt zur Schule gehen können, stärkt Jugendliche (die nicht nur „Wasserträgerinnen" werden wollen) in ihrem Selbstbewusstsein über ökologisches und medizinisches Training, über Tanzpräsentationen und Literaturkurse. So kooperiert Agroflor eng mit der nächsten Grund- und Gesamtschule. Die Mitarbeiter sind nicht nur hoch motiviert, sondern auch enorm kompetent: junge Diplombiologen, Agaringenieure, Sonderschulpädagoginnen.
„Eu sou Fernanda"
Und dann waren wir endlich da. Vor uns strahlte der gesamte Vorstand sowie einige weitere Mitarbeiterinnen. Und dahinter ein 150 cm- Wirbelwind, der selbstbewusst sagte: „Eu sou Fernanda." ( „Ich bin Fernanda.") Unser Herz schlug höher.
Fernada zeigte uns ihre Gesamtschule - hier wird jedes einzelne Kind gewürdigt. Außerdem führt sie uns zu ihrer ehemaligen Grundschule und ihrem Zuhause, ein kleines Häuschen auf mühsam beackertem Gebirgsboden. Zum Schluss tanzten wir in einer Hütte an einem Gebirgsbach.
Überzeugende Arbeit
Dank Agroflor und Kindernothilfe wird aus Fernanda weder eine Wasserträgerin noch eine Dienstbotin im Moloch von São Paulo, wo ihre Schwestern als Hausmädchen arbeiten. Agroflor bringt Gemeinwesenarbeit und Jugendarbeit, Ökologie und Ökonomie zusammen. Das hat uns mehr als überzeugt.
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