
Michaela Hirnstein mit´Patentochter Bardani. Fotos: privat
Indien: Die ersten Paten in Turupdega VillageMichaela Hirnstein (31) aus Köln besuchte im Februar 2008 ihr Patenkind Bardani in Indien sowie auch ein Projekt, in dem sie neun Jahre zuvor als freiwillige Helferin gearbeitet hatte.
Alles fing vor neun Jahren in Indien an: Ich war 22 und durfte als freiwillige Helferin für ein halbes Jahr in einem Projekt der Kindernothilfe in Südindien mitarbeiten. Meine Liebe zu dem faszinierenden Land und seinen Menschen war entfacht, ebenso die Gewissheit, dass das, was die Kindernothilfe tut, Sinn macht und wichtig ist. Ich beschloss also, selbst Patin zu werden.
Nachdem die erste Patenschaft auslief, schlug mir die Kindernothilfe 2003 ein Mädchen in Nordindien vor: Bardani Lugun. Sie ist heute elf Jahre alt und hat die Chance, zur Schule zu gehen und zu lernen, weil Schulgeld, Kosten für Uniform und Bücher übernommen werden. Bardani und ihre Familie leben in einer der ärmsten Regionen Indiens und sind noch dazu Angehörige der Mundas. Dieses Volk wird durch die indische Gesellschaft unterdrückt und hat nur wenig Chancen und Rechte. Bardani wird über ein Dorfentwicklungsprogramm (Projekt 22670) gefördert, so profitiert die ganze Gemeinschaft von der Hilfe.

Ehepaar Hirnstein besuchte auch Bardanis Familie.
Total aufgeregt kamen mein Mann und ich in Ranchi, der Hauptstadt von Jharkhand, an. Nach einer vierstündigen Zugfahrt und noch einmal einer Stunde mit dem Minibus erreichten wir das Brothers House, wo wir die erste Nacht verbrachten. Früh am nächsten Morgen ging es los: Mit dem Jeep fuhren wir in das Dorf meines Patenkindes. In diese Gegend verirren sich keine Ausländer und entsprechend interessant waren wir für die Leute (und natürlich umgekehrt).

Nach einer letzten Kurve auf staubigem Pfad waren wir da: Turupdega Village. Ich war völlig von den Socken, das ganze Dorf war versammelt, um uns zu begrüßen. Ganz vorne das Gesicht, das ich von den Fotos kannte: mein Patenkind Bardani. Endlich! Sie kam auf mich zu und legte mir eine Girlande aus Blumen um den Hals, das indische Willkommenszeichen. Ich kniete mich hin, nahm ihre Hand, lächelte sie an und sagte: „Johar" - „Hallo" auf Mundari, ihrer Muttersprache. Zaghaft kam ein unsicheres Lächeln zurück. Klar, sie war es nicht gewohnt, im Mittelpunkt zu stehen, und hatte auch noch nie jemanden mit weißer Haut und blauen Augen gesehen. Trotzdem blieb sie immer an meiner Seite. Ich war glücklich!

Mit traditionellen Volkstänzen und Musik wurden wir zum Haus von Bardanis Eltern geleitet, was allerdings eher eine Hütte war mit Lehmboden und einer Feuerstelle, aufgeteilt in zwei kleine Räume, ohne Möbel, ohne fließend Wasser, ohne Fenster. Hier lebt Bardani also, zusammen mit ihren beiden Geschwistern. Unsere Gastgeber waren begeistert von unseren Mitbringseln und Geschenken. Wir wussten gar nicht, wie viel Freude Kindern einfache Luftballons machen können! Erstaunt waren wir über das Interesse, das Bardanis Familie und die Dorfgemeinschaft an unserem Land zeigten, und wir beantworteten viele Fragen. Es gab Tänze und Lieder, auch wir gaben einen Song zum Besten. Es war eine tolle Atmosphäre, so herzlich und offen.

Nach ein paar Stunden im Kreise unserer neuen Freunde hatten wir die Chance, einige Schwerpunkte der Arbeit des Kharwagarha-Entwicklungsprojekts kennen zu lernen. Bardani war zur Feier des Tages mit von der Partie und begleitete uns zusammen mir einer Freundin den ganzen Tag lang. Wir besuchten Brunnenprojekte, einen Kindergarten, eine Schule und zwei Frauengruppen, die entscheidend zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Volksgruppen beitragen. Erfüllt von wirklich einmaligen Erfahrungen und berührenden Erlebnissen sagten wir schließlich erneut „Johar" - denn das heißt nicht nur „Hallo", sondern auch „Auf Wiedersehen"!!
Einige Tage später und viele, viele Kilometer weiter südlich stand der zweite Höhepunkt auf dem Programm meiner Indienreise: Es gab ein Wiedersehen mit dem Kinderheim, in dem ich vor acht Jahren als Freiwillige der Kindernothilfe gearbeitet hatte. Dort wurde auch mein erstes Patenkind Sooriya erfolgreich gefördert.

Im Bishop Sargent Home für Kinder mit geistigen Behinderungen (Projekt 20622) in Palayamkottai, Tamil Nadu, hatte sich mittlerweile einiges verändert. Das Heim ist baulich gewachsen und auch die Tätigkeitsfelder wurden erweitert. Was aber geblieben ist, ist die bewundernswerte Lebensfreude und der unglaubliche Optimismus der Kinder und Mitarbeiter angesichts ihrer schwierigen Lebenssituation. Stürmisch würde ich begrüßt und fühlte mich sofort wieder ein bisschen wie „zu Hause". Kaum zu glauben, aber wahr: Einige der älteren Kinder kannten mich noch und erinnerten sich sogar an meinen Namen! Das bewies mir wieder einmal, wie viel Potential in den von der Mehrheit der indischen Gesellschaft „abgeschriebenen" Kindern mit geistigen Behinderungen steckt. Und die Kindernothilfe geht mit gutem Beispiel voran!