Die Mittermayers aus München reisten im November 2004 nach Batticola in Sri Lanka zu ihrem Patenkind Janenthiran. Wenige Wochen später brach der Tsunami über die Region herein.
Rainer Mittermayer, München
Das Ehepaar Mittermayer und ihr Patensohn. Foto: privat
Eigentlich wollten wir ja einen kleinen Bericht über eine wunderschöne Reise nach Sri Lanka schreiben. Eigentlich. Denn diese Reise machten wir im November 2004, und seither ist bekanntlich einiges passiert.
Damals waren wir unter anderem an der Ostküste unterwegs, besuchten unser Patenkind und andere Einrichtungen der Kindernothilfe. In Batticaloa trafen wir im "St. John's" Projekt auf Reverend Jayanesan, der vor Ort wirklich Unglaubliches geleistet hatte und immer noch leistet.
Einfach alle Einrichtungen im Projekt "St. John´s" strahlen eine Wärme, eine harmonische Atmosphäre aus. Die Mädchen und Jungs waren ziemlich aus dem Häuschen, allzu oft scheinen sich Besucher aus Europa noch nicht hierher verlaufen zu haben. Das Vocational Training Center (VTC), erstes seiner Art in Sri Lanka, bereitet Kinder und Jugendliche auf ein späteres Berufsleben vor. In Theorie und Praxis lernen unter anderem zukünftige Schreiner, Elektriker oder Mechaniker hier ihr Handwerk. Eine solide Ausbildung – ein nicht hoch genug einzuschätzendes Gut in Sri Lanka.
Unglaubliche Anstrengungen nach der Katastrophe
Reverend Jayanesan hat uns direkt nach dem schrecklichen Tsunami die erste Mail geschickt, mittlerweile erhalten wir alle zwei bis drei Wochen den neuesten "report". Unglaubliche Anstrengungen sind unternommen worden, unvorstellbare Dinge haben sich zugetragen. Eigentlich zu viel für die Schultern der Überlebenden, die Jungs aus dem VTC arbeiten Tag und Nacht.
Unzählige Essensrationen wurden schon in den ersten Tagen verteilt, Kochgeschirr in Lastwagen-Konvois aus Colombo herangeschafft. Schuluniformen wurden genäht. Ist denn das so wichtig? Zunächst konnten wir nicht nachvollziehen, warum wohl Schuluniformen so dringend benötigt werden. Doch so findet schnellstmöglich der Weg zurück in ein normales Leben statt, Kinder werden wieder zusammen in den Unterricht geschickt – und in Sri Lanka gilt es als große Schande, ohne Uniform in die Schule gehen zu müssen.
Natürlich wollten Anfang Januar viele Pateneltern sofort wissen, ob denn die von ihnen unterstützten Projekte betroffen wären. Teilweise gab es aber längere Zeit weder Telefon- noch Straßenverbindungen, und so betonte Reverend Jayanesean mit Nachdruck, dass er sich jetzt bitte erstmal um die Lebenden vor Ort und später dann um Statistiken kümmern würde. Wenn jemals der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort war - dann Reverend Jayanesan nach dem Tsunami in Batticaloa.
Foto: privat
Unser Patenkind Janenthiran
Aber nun zu unserem Besuch (noch im November 2004) in Kaluwanchikudy, einem Boys´ Home etwas südlich von Batticaloa. Die Einrichtung liegt einige Kilometer abseits der Küste und war somit von der Flutwelle glücklicherweise nicht betroffen. Wir reisen seit vielen Jahren immer wieder nach Asien, doch überrascht uns stets von Neuem, wie glücklich man hier in äußerst bescheidenen Verhältnissen ohne jeden Luxus lebt. Die ca. 40 Jungs in Kaluwanchikudy spielen fröhlich mit Steinen, Ästchen und Schnüren. Was für ein Hallo, als wir zwei richtige Lederbälle, ein Kegelspiel und einige Englischbücher auspacken! Doch gibt es keinen Streit um die heiß begehrten neuen Dinge, jeder wartet, bis er an der Reihe ist. Da könnte sich so mancher hierzulande doch ein Scheibchen abschneiden!
Janenthiran, unser Patenkind, hat sich natürlich über unseren Besuch ebenso gefreut wie wir. Er genoss es sichtlich, unsere besondere Aufmerksamkeit zu bekommen.
Wir haben uns auch sehr wohl gefühlt – danke an den Heimleiter John und seinen Housemaster. Oft denken wir mit großem Respekt an euch. Danke für die Ruhe, Geduld und nicht gerade einfache Arbeit im Boys´ Home.
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