"Das war die größte Überraschung meines Lebens", sagt Gisela Liebsch-Nelles. Zum ersten Mal sah die Berlinerin in der ZDF-Sendung „Liebesgrüße mit Marianne & Michael" ihr ehemaliges Patenkind Dr. Gebre Hawaria Araya aus Äthiopien. Sie unterstützte den heute 40-Jährigen über die Kindernothilfe, als er die Hilfe am dringendsten benötigte. Heute ist das ehemalige Patenkind Arzt und hilft in seiner Heimat selbst vielen Menschen. "You are my mom - Du bist meine Mutter", sagte Gebre in der Sendung zu seiner Patin. Die Geschichte zeigt: Eine Patenschaft schenkt einem Kind Zukunft.

Dr. Gebre Araya mit seiner ehemaligen Patin und Marianne. Foto: Oliver Ziebe, ZDF
"Können Sie zu uns ins Studio kommen?"
Als sein Handy klingelte und eine Frauenstimme sagte: „Ich bin vom deutschen Fernsehsender ZDF. Können Sie zu uns nach Berlin ins Studio zu kommen?", war Dr. Gebre Hawaria Araya aus Addis Abeba sprachlos. Der 40-jährige Äthiopier ist das ehemalige Patenkind der Berlinerin Gisela Liebsch-Nelles. Deren Freundin Undine Rößler hatte 31 Jahre lang die Briefe nach und aus Äthiopien übersetzt. Jetzt hatte sie an die Redaktion der Sendung „Liebesgrüße mit Marianne & Michael" geschrieben und vom größtem Wunsch ihrer Freundin erzählt: einmal den Menschen zu treffen, an dessen Leben sie seit 31 Jahren Anteil nahm. Und weil den Fernsehmachern die Geschichte so gut gefiel, holten sie das ehemalige Patenkind - ohne Wissen der früheren Patin - zur Aufzeichnung der Sendung ins Studio.

Dr. Gebre arbeitet heute als Arzt. Fotos (2): privat
"Das sind jetzt deine Paten"
Dr. Araya kam 1975 als Neunjähriger während der Hungersnot in Nordäthiopien ins Kesate Berhan Hostel in Makalle. Erst zu diesem Zeitpunkt konnte er zur Schule gehen. „Ich war sehr glücklich dort. Meine Patin war der erste Mensch, der mir schrieb. Ein Mitarbeiter zeigte mir ein Foto und sagte: Das sind jetzt deine Paten." Der Junge hatte diesen Ausdruck noch nie gehört. Beim ersten Brief war er noch ratlos, was er schreiben sollte. Aber schon bald fand ein reger Austausch statt.
Abschluss in Medizin
Nach der Schule besuchte er die medizinische Fakultät der Universität in Gondar. „Einmal machten wir sieben Wochen lang eine Exkursion." Dr. Araya grinst. „Während dieser Zeit bekam ich natürlich Giselas Briefe nicht. Und weil ich ihr nicht antwortete, schrieb sie an die Kindernothilfe, ich wäre verschwunden und sie müssten mich unbedingt finden." Nach sechs Jahren promovierte er zum Allgemeinmediziner, fand eine Anstellung in einem Krankenhaus und stieg später zum Abteilungsleiter auf. Heute arbeitet er beim HIV/Aids-Programm der United Nations Volunteers in Makalle. Mit den 500 Euro, die er verdient, unterstützt er seine Mutter, seine zwei Schwestern, Kusinen und Neffen, die alle bei ihm leben. Jetzt möchte er noch Dermatologie studieren. „Viele HIV-Infizierte haben Hautkrank-heiten", begründet er diesen Wunsch, „und in meiner Region gibt es bisher keinen Hautarzt."

Dr. Gebre Araya als Junge.
Patin: Das war die größte Überraschung meines Lebens
Im April holte ihn das ZDF nach Berlin. Seine Patin Gisela Liebsch-Nelles saß nichts ahnend im Publikum. „Als der Moderator sie ansprach, wusste sie überhaupt nicht, was los ist", erinnert sich Dr. Araya. Er konnte das Geschehen hinter dem Studio auf dem Bildschirm verfolgen. „Mein Herz machte Sprünge, als ich sie das erste Mal sah." Das Zusammentreffen mit ihr und ihrem Ehemann war sehr bewegend. „Das war die größte Überraschung meines Lebens", sagte die 70-Jährige hinterher. Die anschließenden Tage in Berlin waren für beide Seiten unvergesslich.
Zum Abschluss seines Besuches bedankt sich Dr. Araya bei allen Förder(innen) im Namen aller Patenkinder, die heute für sich selbst sorgen. Er selbst hat mit einigen anderen eine Organisation ehemaliger Patenkinder gegründet, die jetzt ihrerseits Kinder unterstützen will.
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