Kindernothilfe e. V.

Guatemala: Eine Erdbeertorte für Amabilia

Guatemala: Eine Erdbeertorte für Amabilia

Roland Tismer und seine Patentochter Amabilia aus Guatemala trafen sich zum ersten Mal. Gemeinsam mit Amabilias Familie feierten sie den 12. Geburtstag des Mädchens.

Roland Tismer, Haßloch

Roland Tismer Patenkind feiert seinen 12. GeburtstagAmabilia (l.) an ihrem 12. Geburtstag. Foto: privat Der 7. Februar ist der Tag, nach dem ich mich lange gesehnt habe. Um neun Uhr holt mich Jorge Oliva von der Kindernothilfe-Partnerorganisation ab, denn wir fahren heute nach San Miguel Petapa zu meinem Patenkind Amabilia. Wir parken vor der Schule der Tagesstätte El Buen Sembrador (Projekt 80006). Die Kinder, die gerade Turnunterricht haben, begrüßen uns, als wären wir Stars. Wir gehen ins Büro von Direktorin Senora Duarte. Sie wartet bereits mit Amabilia auf uns. Zum ersten Mal sehen wir uns persönlich. Wir schauen uns an, keiner weiß, was er sagen soll. Dann nehme ich sie in den Arm und begrüße sie. Nun sagt auch sie etwas zu mir. Das Eis ist gebrochen. Ich komme auch mit Senora Duarte ins Gespräch und packe das Geschenk für die Schulbibliothek aus: ein Bilder-Lexikon in vier Sprachen. Senora Duarte freut sich über den dicken Wälzer.

Dann gehen wir ins Klassenzimmer, wo ich Amabilias Klassenlehrerin kennen lerne. Der Empfang der Schülerinnen ist herzlich und überwältigend. Wir besuchen auch andere Klassen. In einer davon ist Amabilias Bruder Giovani. Anschließend gehen wir in die Schulkantine. Die Damen in der Küche bieten den Kindern abwechslungsreiche Kost an. Nach dem Essen fahren wir mit meinem Patenkind und seinem Bruder nach Amatitlan-Ciudad an den Amatitlan-See, auf dem wir eine Bootsfahrt machen.

Ein Ausflug nach Huitan
Am nächsten Tag holt mich Jorge um halb sechs Uhr ab. Heute wollen wir nach Huitan fahren. Unterwegs frühstücken wir in einem Restaurant. Hier lerne ich etwas Neues kennen, nämlich gelbe Tortillas (Amarillos). Danach geht es in die Berge. Das Panorama ist grandios, man kann viele Vulkane sehen. Als wir Quetzaltenango (Xela) erreichen, beginnt das Abenteuer. Wir verlassen die Pan-Americana und fahren nach Huitan. Die Straße dorthin ist in einem schlechten Zustand.

Als wir in der Tagesstätte Casa Feliz (Projekt 80009) erscheinen, werden Jorge und ich jubelnd empfangen. Die Kinder bewerfen uns mit selbst gemachtem Konfetti. Wir haben viel Spaß mit ihnen. Auch für ihre Bibliothek habe ich ein Geschenk dabei: einen viersprachigen Bildband über Deutschland. So können die Schülerinnen und Schüler etwas über unser Land erfahren.

Wir besichtigen die Küche, die Schulkantine und die Klassenräume. Ich sehe, dass die Kinder gutes Essen bekommen und die Lehrerinnen liebevoll mit ihnen umgehen. Als wir gemeinsam zum Auto laufen, werden wir lautstark und mit reichlich Konfetti von den Kindern verabschiedet.

Roland Tismer, Direktorin und Lehrerin im Colegio in HuitanRoland Tismer (l.) in Amabilias Schule. Foto: privat Ein Besuch bei Amabilias Familie
Auf den 10. Februar freue ich mich besonders. Heute werde ich Amabilias Eltern kennen lernen, und wir wollen auch den 12. Geburtstag meines Patenkindes feiern. Jorge holt mich ab. Zuerst fahren wir nach San Miguel Petapa, und dann geht es mit der ganzen Familie zurück nach Guatemala-Ciudad. Nur Amabilias Schwester Juana kommt nicht mit, weil sie in der Fabrik arbeiten muss. In Guate, wie die Einwohner ihre Hauptstadt nennen, gehen wir in den Parque Irta. Es ist ein Luxus-Park mit Zoo, Swimming-Pool, Karussells und Abenteuerspielplätzen. Wir genießen den schönen Tag bei herrlichem Wetter. Mittags im Restaurant gibt es Hähnchen mit Pommes Frites, denn die Kinder sind ganz wild darauf. Am Nachmittag fahren wir wieder zurück nach San Miguel Petapa. Amabilia meint, sie kenne eine tolle Konditorei in der Nachbarstadt Villa Nueva. Sie möchte eine Torte haben. Sie sucht sich eine prächtige Erdbeertorte aus, die wir bei ihr zu Hause essen.

Amabilias Familie besteht aus neun Personen: Großmutter, Vater, Stiefmutter und sechs Kinder. Die Wohnung umfasst zwei Räume von ca. 9 m² und einen kleinen Küchenraum von etwa 5 m². Alle drei Räume stehen getrennt voneinander auf dem Grundstück. Alle Zimmer haben einen Lehmfußboden. Die Wände bestehen aus Holzlatten, das Dach aus Wellblech. Für neun Personen gibt es nur vier Betten. Auf dem Tisch in der Küche liegt das gesamte Geschirr der Familie. Draußen stehen vier Wasserbecken und eine Stange mit einem Brausekopf zum Duschen. Ein einfacher Schlauch dient zur Wasserversorgung. Toiletten gibt es nicht.

Der 14. Februar ist ein besonderer Tag, Cariño, auf Deutsch: Valentinstag. Cariño wird in Guatemala groß gefeiert. Jorge, Victor, ein weiterer Mitarbeiter der Kindernothilfe-Partnerorganisation, und ich fahren mit Amabilia, Giovani und ihrer jüngeren Schwester Ingrid-Madleny nach Antigua. Dort ist es sehr heiß. Wir schauen uns einige Sehenswürdigkeiten an, viele Kirchen und auch die Ruinen von Santa Clara. Wir fahren auch in die Berge und genießen die schöne Aussicht auf die Stadt.

Am 17. Februar sehe ich Amabilia zum letzten Mal. Ich fahre mit Jorge und seiner Frau zu meinem Patenkind. Wir sind zum Essen eingeladen. Dieser Tag ist für mich eine besondere Freude, denn ich lerne endlich Amabilias älteste Schwester Juana kennen. Nach dem Essen gehe ich mit den Kindern in den Bergen spazieren. Ich mache noch etliche Fotos von den Kindern. Am Nachmittag ist die Zeit des Abschieds gekommen. Letzte Umarmungen, Küsschen auf die Wange. Juana und ich haben Tränen in den Augen.

Mein Fazit dieser Reise: Die Kindernothilfe in Duisburg hat für ihre Arbeit in Guatemala das Prädikat "besonders wertvoll" verdient.


Copyright © 2012 Kindernothilfe e.V. - Alle Rechte vorbehalten.