Honduras: Patin für das ganze Projekt

Honduras: Patin für das ganze Projekt

Vier Tage lang war Monika Efferenn zu Gast in Choluteca in Honduras. Sie lernte ihren Patensohn Melvin kennen und sah, wie ihre Unterstützung über all die Jahre gewirkt hat.

Von Monika Efferenn, Tübingen

Monika Efferenn/Tübingen besucht ihr Patenkind MelvinMonika Efferenn und Patensohn Melvin. Foto: privat Fünf Wochen Urlaub – die Chance, einen alten Traum wahr zu machen, nämlich mein Patenkind Melvin in Honduras zu besuchen. Das Abenteuer begann...

Mitte Februar erreichte ich Tegucigalpa, die Hauptstadt von Honduras mit über einer Million Einwohner. Ein Kindernothilfe-Mitarbeiter holte mich ab. Nach einem Besuch der Büros stiegen wir in einen Geländewagen, um die Fahrt nach Choluteca im Süden des Landes anzutreten. Zunächst wunderte ich mich, warum ein Geländewagen notwendig war. In Choluteca war es dann klar: Dort gibt es nur wenige befestigte Straßen. Je weiter wir in den Süden kamen, desto heißer wurde es. Rund 40 Grad – eine unglaubliche Hitze! Ich nutzte die Fahrt, um viele Fragen zu stellen: über die Arbeit der Kindernothilfe, das Projekt in Choluteca, die politische und soziale Situation.

Zu Gast bei Melvins Familie
Endlich kamen wir im Projekt "Jesus – Amigo de los Niños" (Projekt 82005) an. Unzählige Kinder versammelten sich sofort um das Auto und beäugten die ungewöhnliche Besucherin. Und plötzlich stand er vor mir – Melvin, mein Patensohn. Ohne große Worte umarmten wir uns erst einmal. Ein sehr emotionsgeladener Moment. Ich war überrascht – Melvin überragte mich um gut eineinhalb Köpfe und war sehr stolz darauf. Später hat er dann gestanden, dass er vor lauter Aufregung schon einige Nächte nicht geschlafen hatte. Es gab eine herzliche Begrüßung durch Señora Silvia, die Direktorin des Projekts, und andere Mitarbeiterinnen. Nach dem Essen nahm mich Melvin mit zu seiner Familie. Es war ein Privileg, vier Tage dort Gast sein zu dürfen, mit der Familie zu leben, zu diskutieren und trotz aller Unterschieden auch Gemeinsames zu entdecken. Es sprach sich sehr schnell herum, dass Melvins Patentante aus Deutschland da war, und so kamen viele Besucher, um mich zu begrüßen.

Monika Efferenn/Tübingen besucht Projekt ihres PatenkindesIn der Kindertagestätte. Foto: privat 450 Kinder in der Tagesstätte
Morgens war Melvin an der Uni, wo er einen Informatikkurs besucht, so dass ich ausgiebig Zeit hatte, die Arbeit in Choluteca kennen zu lernen. 450 Kinder werden in der Tagesstätte betreut. Für jedes Alter vom Kindergartenkind bis zum Jugendlichen gibt es entsprechende Angebote. Ich war von der Liebe, der Hingabe und Kompetenz der Mitarbeiter mehr als positiv überrascht, die mit den wenigen Mitteln, die ihnen zur Verfügung stehen, das Optimum für die Kinder und ihre Familie herausholen. Die Kindgarten- und Vorschulkinder begrüßten mich mit Liedern und hatten Bilder für mich gemalt. Sie sahen zum ersten Mal im Leben eine Patin, und so war ich stellvertretend für alle Paten einfach "ihre" Patin. Die Mädchen und Jungen hatten keine Berührungsängste. Sie stellten mir Fragen und wollten fotografiert werden. Als ich mich dann auch noch mit einigen Jungen auf das Fußballfeld wagte, hatte ich ihre Herzen vollends erobert.

Dem Kreislauf aus Armut und Elend entkommen
Ich hatte noch die Möglichkeit, zwei weitere Projekte mit je 200 Kindern in Choluteca zu besuchen. Es berührte mich sehr, als mir eine der Projektverantwortlichen sozusagen stellvertretend für alle Patinnen und Paten für die vielen Spenden dankte, die diese Arbeit überhaupt möglich machen. Ich möchte den Lesern meines Reiseberichts diesen Dank aus Honduras weitergeben. Die Patenschaften sind notwendig, denn die sozialen Verhältnisse sind schlimm. Viele Familien haben nicht einmal das Geld, um ihren Kindern einen Bleistift für die Schule zu kaufen. Und für viele Mädchen und Jungen ist die eine Mahlzeit, die sie in der Tagesstätte erhalten, die einzige überhaupt! Die Arbeitslosigkeit, vor allem im Süden des Landes, ist sehr hoch, und ohne die Arbeit der Kindernothilfe gibt es für die Kinder praktisch keine Chance, dem Kreislauf aus Armut und Elend zu entkommen. Die vordringlichen Ziele der Kindernothilfe-Honduras sind daher auch Nahrung, Bildung und Kleidung. Es gibt jedoch in Choluteca unzählige Mädchen und Jungen, die nicht am Projekt teilhaben können. Sie haben wenig Hoffnung auf ein besseres Leben, und die Gefahr ist groß, dass sie in die Kriminalität abrutschen. Ein weiteres Ziel des Kindernothilfe-Partners ist es daher, Mittel und Wege zu finden, alle Kinder der Kommune in seine Arbeit einzubeziehen.

Nach vier sehr eindrücklichen Tagen bei Melvins Familie und im Projekt fiel mir der Abschied schwer. Auf beiden Seiten glitzerten Tränen in den Augen.

Was bleibt?
Mit nun einigen Monaten Abstand stellt sich die Frage: Was bleibt nun von diesem Besuch?

Für weitere Fragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung: mefferenn@web.de


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