
Jesudas Manalan besuchte Lisa Dobrin vor rund 30 Jahren schon einmal. Neben ihr die 14-jährige Mohana, ihr jüngstes Patenkind. Foto: privat
Lisa Dobrin aus Isernhagen besuchte ihre Patenkinder in Indien. Zu Manalan, dessen Patenschaft sie 1976 übernahm, hat sie immer noch Kontakt.
„1976 habe ich meine erste Patenschaft für Jesudas Manalan in Südindien übernommen und damals den Jungen über die Schule hinaus auch während seines Studiums finanziell unterstützt. Der Kontakt zu Manalan ist in all den Jahren bis heute nicht abgerissen.
Vor ca. 30 Jahren habe ich Manalan schon einmal besucht und dabei auch seine Eltern und seine jüngere Schwester kennengelernt. Manalan war damals 16 Jahre alt, und er hat die Chance genutzt, die ihm durch die Kindernothilfe geboten wurde. Er hat die Schule beendet, studiert und leitet heute die sehr umfangreiche Bibliothek im Bishop-Heber-College in Tiruchirapalli. Er ist verheiratet mit Rani, einer Lehrerin, und hat eine neunjährige Tochter, Nameetha. Inzwischen hat er auch ein eigenes Haus gebaut, in das er vor drei Monaten eingezogen ist. Manalan hat also, wie man so schön sagt, „seinen Weg gemacht", und konnte auch seiner jüngeren Schwester Sheeba ein Lehrer-Studium ermöglichen. All das hätte er nicht erreicht ohne die Hilfe aus Deutschland, wie er immer wieder betont.

Die Mädchen im T.E.L.C. Home for Children in Trichy freuten sich über den Besuch der Patin und ihrer Nichte. Foto: privat
Ein Wiedersehen mit Manalan
Ich hatte schon seit Jahren vor, Manalan noch einmal zu besuchen, seine Familie kennenzulernen und auch seine Mutter wiederzusehen (sein Vater ist schon vor vielen Jahren gestorben). Und so bin ich dann mit meiner Nichte nach Indien geflogen. Von unserer Ankunft in Chennai an hatte Manalan alles organisiert, so dass meine Nichte und ich eine wunderschöne Zeit mit ihm und seiner Familie verbringen konnten. Wir konnten im Bishop-Heber-College wohnen und dort in der Kirche auch den Jahreswechsel in einem bewegenden Gottesdienst erleben. Wir wurden von Manalan und Rani mit indischem Essen verwöhnt, haben zusammen Sehenswürdigkeiten in und um Trichy besichtigt und sind gemeinsam nach Valparai zur Teeplantage gefahren, wo Manalan geboren wurde und seine Mutter und ein Bruder zu der Zeit noch lebten.
Ich glaube, es hat ihm wirklich große Freude bereitet, etwas zurückgeben zu können von dem, was er an menschlicher und finanzieller Hilfe bekommen hat. Ich selbst bin nach wie vor sehr glücklich, dass die Verbindung zu Manalan immer noch besteht.

Frau Dobrin lernt auch Mohanas Mutter und Bruder kennen. Foto: privat
"Ich konnte eine strahlende Mohana in die Arme schließen"
Meine Reise galt aber nicht nur Manalan, ich wollte natürlich auch meine derzeitigen Patenkinder in Indien sehen und kennenlernen. Manalan hatte uns für einen Nachmittags-Besuch im T.E.L.C. Home for Children in Trichy angemeldet, in dem mein jüngstes Patenkind, die 14-jährige Mohana, lebt und zur Schule geht. Es gab dort einen sehr herzlichen Empfang, und ich konnte nicht nur eine strahlende Mohana in die Arme schließen, sondern auch ihre Mutter und ihren jüngeren Bruder kennenlernen. Wir hatten ein Gespräch mit der Heimleitung und konnten die Räume besichtigen. Es war alles sehr sauber und ordentlich, und die Mädchen machten einen zufriedenen und fröhlichen Eindruck. Sie haben für uns gesungen und getanzt, und wir haben gemeinsam nicht nur einen sehr schönen und lustigen Nachmittag verbracht, sondern wurden auch noch mit einem sehr guten indischen Abendessen verwöhnt. Es war doch beeindruckend, wie viel herzliche Gastfreundschaft uns entgegen gebracht wurde. Natürlich war die Zeit, die ich mit Mohana verbringen konnte, viel zu kurz, und das Abschiednehmen hat eine ganze Weile gedauert. Mohana machte einen sehr aufgeweckten Eindruck, so dass ich hoffe und wünsche, dass sie die Schule schafft und möglichst auch einen Beruf erlernt oder gar ein Studium absolviert.

Saroja wurde nach Beendigung der Schulzeit von ihren Eltern nach Hause geholt. Ihre Patin setzte sich dafür ein, dass sich ihr Wunsch, Krankenschwester zu werden, jetzt doch noch erfüllt. Foto: privat
Saroja darf jetzt doch Krankenschwester werden
Auch Saroja, mein weiteres Patenkind, wollte ich gerne kennenlernen. Ich hatte Saroja bis zum Ende ihrer Schulzeit 2006 im C.S.I. Methodist Girls' Boarding Home in Trichy unterstützt. Manalan konnte das mithilfe eines Freundes auch arrangieren, und so haben wir uns in Manalans Wohnung getroffen. Die Freude war auf beiden Seiten groß. Saroja war anfangs etwas schüchtern, aber dann konnten wir dank Manalans Hilfe doch über ihre Zukunft sprechen und ihren Wunsch, Krankenschwester zu werden. Die Eltern hatten Saroja nach Beendigung der Schule nach Hause geholt, weil sie arbeiten und auch heiraten sollte. Ich war doch sehr erleichtert, als mir Saroja dann mitteilte, dass sie zwar arbeiten, aber nicht heiraten würde.
Auch hier war die Zeit, die wir miteinander verbringen konnten, natürlich zu kurz, da Saroja vor dem Dunkelwerden mit dem Bus wieder nach Hause fahren musste. Wir haben aber vereinbart, dass ich, mit Manalans Hilfe, alles tun würde, damit sie wieder in die Förderung übernommen wird und die gewünschte Ausbildung machen kann.
Wir haben dann auch das Methodist Girls Boarding Home in Trichy besucht und dort mit der Heim-leitung nach Wegen gesucht, wie Sarojas Wunsch nach einer Ausbildung zur Krankenschwester verwirklicht werden kann. Letztendlich hat es auch geklappt, Saroja wurde über die Kindernothilfe wieder in die Förderung aufgenommen. Seit Juni letzten Jahres macht sie eine Ausbildung zur Krankenschwester im Annai J.K.K. Smapoorani Ammal College of Nursing. Ich bin sehr froh darüber, dass Saroja diese Ausbildung ermöglicht wurde und sie dadurch gerade als Frau mehr Möglichkeiten hat, ihr Leben zu gestalten.