Andrea Zeller in Indien. Foto: privat
Im Februar 2009 reiste Andrea Zeller aus Bozen mit ihrem Mann nach Indien. Dort besuchte sie ihr Patenkind Angel Vincy und das Wohnheim (Projekt 20653), in dem das Mädchen lebt. Die Reise war für alle Beteiligten eine großartige Erfahrung.
Seit März 2007 unterstütze ich Angel Vincy, 19 Jahre, in Südindien und pflege einen sehr regen und herzlichen Briefkontakt. In den ersten Briefen fragte Angel Vincy vorsichtig an, ob wir Indien kennen würden und ob wir denn jemals nach Indien kommen würden. Vielleicht würden wir sie ja einmal besuchen kommen? Schließlich wurde sie ganz konkret und schrieb: „Ich will euch unbedingt sehen und von Angesicht zu Angesicht mit euch sprechen."
Schnell beschlossen wir, sie im Rahmen einer größeren Indienreise zu besuchen, und konnten somit den Traum von Angel Vincy und uns im Februar 2009 erfüllen. Für die Zeit unseres Aufenthaltes wurde Angel Vincy von ihrer Ausbildung zur Krankenschwester frei gestellt. Der Besuch war großartig und ist mit Worten kaum zu beschreiben. Er hat alle unsere Erwartungen übertroffen.
Das erste Kennenlernen
Wir quartierten uns in der Nähe des Heims ein, in dem Angel Vincy wohnt. Am nächsten Tag sollten wir abgeholt werden. Den Abend zuvor verbrachten wir mit Einpacken der Geschenke für alle 62 Kinder! Mein Mann ist Zahnarzt und offerierte Zahnbürsten, Zahnseide und Zahnputzbecher. Die Vorfreude, aber auch die Nervosität und Unsicherheit, stiegen zusehends. Wir wussten ja nicht, was uns erwarten würde. Am nächsten Tag, pünktlich um 10 Uhr, war ein „Empfangskomitee" zur Stelle - Angel Vincy, Ms. Selvathy (Erzieherin) und Mr. Jacob Johnson (Sozialarbeiter). Den Moment, in dem Angel Vincy auf uns zukam, werde ich sicherlich nie vergessen. Das Strahlen in ihren Augen, die ausgebreiteten Arme, der ganze Mensch eine einzige Freude. Nach ein paar Worten der Begrüßung waren die Unsicherheiten auf beiden Seiten beseitigt und schon ging es weiter in einem wunderbaren Taxi, einem Ambassador, in Richtung Eathavilai. Bis dahin waren wir ja noch in gewohnter Umgebung - Hotel, Touristen etc. Nun tauchten wir ins wirkliche Indien ein.
Zuerst besuchten wir Angel Vincy's Eltern in ihrem neuen „Haus". Nachdem ihre Hütte durch die starken Regenfälle im November 2008 weggeschwemmt wurde, konnten sie mit Hilfe des Kindernothilfe-Partners CSI und einem kleinen Kredit ein gemauertes Haus bauen. Das ist keineswegs ein Haus, wie wir das verstehen. Es besteht aus zwei winzigen Räumen, einer Kochstelle und einem WC. Mobiliar gibt es nicht. Dennoch betrachtet es die Familie als großes Glück, ein festes Dach über dem Kopf zu haben. Von den Eltern wurden wir ebenso herzlich empfangen. Obwohl wir uns nicht verständigen konnten, sprachen doch aus ihren Augen eine unglaubliche Freude und Dankbarkeit. Wir wurden wunderbar bewirtet. Der Vater öffnete Kokosnüsse für uns und bot uns Milch an. Wir kosteten rote Bananen und frische Papaya. Wir schauten Fotos und Postkarten aus unserer Heimat an. Mit Gesten und Blicken entstand eine fröhliche Kommunikation.
Hoher Besuch im Mädchenwohnheim
Andrea Zeller im Mädchenheim. Foto: privat
Danach ging es weiter in das CSI Childrens Home for Girls, in dem Angel Vincy aufgewachsen ist. Die Kinder erwarteten uns bereits und boten uns einen Empfang wie bei einem Staatsbesuch! Ein bunter Blumenregen ging über uns nieder, das ganze Heim war reich geschmückt und Willkommensplakate waren angebracht. Es wurde für uns aus der Bibel rezitiert, getanzt und gesungen. Die Mädchen hatten ihre schönsten chudidars (landestypische Kleider) angezogen, und für mich hatten sie eine Girlande aus duftendem Jasmin fürs Haar vorbereitet. Sie klebten mit ihren Blicken förmlich an uns und überhäuften uns mit Fragen. Natürlich wollten sie etwas über unsere Kultur erfahren, und so musste auch ich singen, tanzen und Geschichten erzählen. Wiederum wurden wir mit Köstlichkeiten verwöhnt. Man hat uns ein wahres Festessen bereitet.
Hoffnungsvoller Abschied
In den folgenden zwei Tagen haben uns Angel Vincy, Ms. Selvathy, Dr. Linnet (ehrenamtliche Direktorin des Heims) und Mr. Jacob Johnson die Sehenswürdigkeiten der Umgebung gezeigt. Zu siebt in einem Ambassador unternahmen wir abenteuerliche Fahrten. Wir hatten eine Reihe von tiefgehenden Erlebnissen miteinander. All diese zu erzählen würde den Rahmen des Berichts sprengen. Natürlich verging alles viel zu schnell, und die Zeit erschien uns viel zu kurz. Mit dem Wunsch und der Hoffnung, uns irgendwann wiederzusehen, mussten wir uns, nicht ganz ohne Tränen, verabschieden.
Der Besuch bei Angel Vincy hat uns reicher und zufriedener gemacht. So manche Werte haben wir neu geordnet. Die Sinnhaftigkeit, in die Bildung von benachteiligten Kindern zu investieren, wurde voll und ganz bestätigt.
Hochachtung vor den Mitarbeitern vor Ort
Meine besondere Bewunderung und Hochachtung gilt den Mitarbeitern der Kindernothilfe vor Ort, Ms. Selvaty und Dr. Linnet. Sie haben 46 Kinder zu betreuen! Es ist erstaunlich zu sehen, wie mit den wenigen Mitteln unter den dort herrschenden Umständen mit viel Konsequenz, Kompetenz und Zuneigung aus den Kindern reife, selbständige Personen werden.
Liebe Leser, ich hoffe der Bericht hat Ihnen gefallen. Vielleicht wollen auch Sie ein Kind unterstützen. Ich kann Ihnen versichern, die Spenden sind gut investiert und Sie machen sich selbst die größte Freude damit.
Machen Sie Kinder stark und werden Sie Pate!
Patenschaft