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Sambia/Fiwila

Der erste Pate zu Besuch in Fiwila

Patenbesuch: Heiner Bredt bei Patenkiind in SambiazoomFoto: privat Im Mai 2006 besucht Heiner Bredt aus Paderborn das Patenkind seiner Familie in Fiwila/Sambia. Er ist der erste Pate überhaupt, der in diese entlegene Gegend kommt. Das Konzept des Kindernothilfe-Partners, nicht nur einzelne Kinder, sondern die ganze Dorfgemeinschaft in die Förderung einzubeziehen, hat ihn überzeugt.

Heiner Bredt

Am Flughafen von Lusaka, der Hauptstadt Sambias wurde ich von zwei HODI-Mitarbeiterinnen der Partnerorganisation der Kindernothilfe freundlich begrüßt. Über E-Mail hatte ich Kontakt aufgenommen und uns für eine gemeinsame Reise zu unserm Patenkind gleich am ersten Tag verabredet. Doch es gab Probleme mit dem Auto, ein Ersatzteil fehlte, und es sollte sich noch zeigen, wie wichtig es war, ein voll funktionsfähiges Geländefahrzeug zu haben! So wurde die Reise um vier Tage verschoben, ich hatte Zeit mich von der Reise zu erholen und mich an das Land und die im Mai sehr angenehmen Temperaturen in Sambia zu gewöhnen.

Pünktlich um 8.30 Uhr wurde ich schließlich am vereinbarten Treffpunkt in Lusaka abgeholt. Ruth Mitimingi, die Projektmanagerin aus Fiwila, und Fahrer Steve begleiteten mich. Von Frau Mitimingi erhielt ich alle möglichen Informationen über das Projekt, in dem 300 Kinder und ihre Familien von der Kindernothilfe unterstützt werden. Steve fuhr schnell und sicher, immer fröhlich, lachend und oft Gospels singend. Nach zwei Stunden hatten wir die erste Pause mit der letzten Einkaufsmöglichkeit in einem Supermarkt, wo ich noch mal meine Wasservorräte ergänzte und ein 2 kg Zuckerpaket für Agathas Mutter kaufte.
Hinter M'Kushi hörte die asphaltierte Straße auf, und wir mussten noch 80 km auf einer Staubstraße nach Fiwila fahren. Die letzte „Stadt" Manawa war eher eine Ansammlung von Markt- und Verkaufsständen, einigen Läden und Restaurants. Hier aßen wir etwas Nshima, Spinat und ein Stückchen Huhn, ein typisch sambisches Essen. Man isst mit den Fingern, und beim Maisbrei Nshima muss man sich vorsehen, damit man sich nicht die ungeübten europäischen Finger verbrennt.

50 Kilometer durch den Busch 
Patenbesuch: Heiner Bredt bei Patenkiind in SambiazoomFoto: Heiner Bredt Nachmittags kamen wir in Fiwila an und trafen die für die Kinder zuständige Mitarbeiterin Mahongo Mazeze. Sie sah wohl meine Enttäuschung, als sie sagte, es wäre zu spät, um Agatha heute noch zu besuchen. Ich war jedoch so gespannt auf die Begegnung, und, als auch Fahrer Steve zustimmte, ließen sich die Mitarbeiter überreden, mich zu ihr zu bringen. Ich hatte ja nicht geahnt, dass die eigentliche Arbeit für Steve jetzt erst begann! Es waren noch 50 km durch den „Busch"! Oftmals mannshohes Gras, keine Straßen, häufig nur Fußwege. Zwischen Bäumen und Buschwerk wäre ich alleine hoffnungslos verloren gegangen! Ab und zu musste auch Steve aussteigen und den Weg überprüfen, besonders wenn es durch Flüsse und über Felsspalten ging. Wir holten noch eine weitere Mitarbeiterin aus einem der Nachbardörfer ab, die den Wohnplatz von Agathas Familie kannte. Endlich bogen wir zwei Stunden später auf den Weg zu den Holzhütten ein.

Patenbesuch: Heiner Bredt bei Patenkiind in SambiazoomFoto: Heiner Bredt Hier gibt es keinen Strom, kein fließendes Wasser, kein Telefon. So hatten wir uns auch nicht anmelden können. Wir erfuhren später, dass Agatha vor vier Tagen ständig auf ein Motorengeräusch gewartet hatte und sehr enttäuscht gewesen war, dass ihr Pate nicht kam. Und nun war ich plötzlich doch da - und Agatha war überrascht und ein wenig verschüchtert. Gleich wurden Hocker geholt, und wir wurden umringt von Kindern und Erwachsenen. Agathas Mutter konnte zum Glück etwas Englisch. Sie ist eine imponierende, lebendige und engagierte Frau, und sie stimmte bald mit ihren Kindern ein Begrüßungslied an. Ich hatte schon vorher aus Agathas Briefen erfahren, dass sie im Kirchenchor mitsingt. Auf meine Nachfrage wurde eine Trommel geholt, denn Agatha spielt auch im Chor die Trommel. Nun war auch bei ihr das Eis gebrochen und weitere Lieder wurden vorgetragen.

Ein Huhn als Geschenk
Wie schade, dass es in Sambia schon so früh dunkel wird, um kurz nach 18 Uhr. So verabschiedeten wir uns nach einer Stunde mit dem Versprechen, am nächsten Tag wiederzukommen. Mir wurde noch ein lebendes Huhn geschenkt, das dann während der Rückreise in der Dunkelheit bei jedem tiefen Schlagloch gackerte. Erschöpft, aber sehr glücklich und voll Vorfreude, Agatha und ihre Familie wiederzusehen, kamen wir in der Missionsstation von Fiwila an, wo ich in dem schlichten, aber sehr sauberen Guesthouse übernachten konnte. Auch hier gibt es keinen Strom, aber morgens gab es auf der Feuerstelle erwärmtes Wasser zum Waschen und ein einfaches Frühstück.

Patenbesuch: Heiner Bredt bei Patenkiind in SambiazoomFoto: Heiner Bredt Bei dem Wiedersehen mit Agatha fiel mir gleich auf: Heute hatte sie sich chic gemacht! Die Schultasche, die ich ihr mitgebracht hatte, nahm sie überall mit hin! Da sie zu den Kindern gehört, die erst ab 11 Uhr Unterricht haben ( die beiden Lehrer der Grundschule arbeiten in zwei Schichten, und es gibt auch nur zwei Klassenräume) konnte Agatha mir vorher ihre Umgebung zeigen: die Felder der Mutter, auf denen Mais, Sorghum (rote Hirse), Millet (Rispenhirse) und Kassava wuchsen, die Wasserstelle, aus der täglich mindestens zweimal Wasser geschöpft wird, und natürlich die Schule, in der sie mit 35 anderen Kindern rechnen, lesen und schreiben lernt.

Den kleinen Laden, in dem Salz, Zucker, Öl, Seife, Waschpulver etc. verkauft werden, konnten wir uns nicht ansehen, da es bis dorthin ein Fußmarsch von über zwei Stunden gewesen wäre. Auch die Gesundheitsstation ist über 20 km entfernt. Letztes Jahr starb eine Schwester von Agatha, weil das Fieber nicht rechtzeitig behandelt werden konnte. Aber dass es in der Schule Bücher und Hefte gibt, dass die (meisten) Kinder Stifte zum Schreiben haben , dass die Bauern wie Agathas Vater auch in Notzeiten und bei schlechten Ernten an Saatgut kommen und fachliche Beratung erhalten, dass auch die Mütter in Kooperativen zusammengeschlossen sind und somit kleine Einkommensmöglichkeiten haben, ist auch der Kindernothilfe zu verdanken.

Das ganze Dorf wird mit einbezogen
Die sehr engagierten MitarbeiterInnen des Fiwila Development Trust unterstützen nämlich nicht nur die einzelnen Kinder, sondern die ganze Gemeinschaft. Man hat erkannt, dass man die Kinder nur vor der dort noch häufigen Kinderarbeit auf den großen kommerziellen Farmen behüten kann, wenn man den Dorfgemeinschaften und den Familien Einkommensmöglichkeiten gibt. Selbstverantwortung und Mitentscheidung wird groß geschrieben. Mich überzeugte das Konzept der Vernetzung mit allen dörflichen Gruppen und Verantwortlichen. In jedem Dorf gibt es inzwischen Kontaktpersonen für die Kinder und ihre Familien, aber auch Frauengruppen und Beratungstreffen. Glücklich diejenigen, denen ein Fahrrad zur Verfügung steht, um die oft großen Entfernungen zu überwinden...

Patenbesuch: Heiner Bredt bei Patenkiind in SambiazoomFoto: Heiner Bredt Kommunikation und gegenseitiger Austausch sind Schlüssel für den Erfolg. Entscheidungen werden nicht von oben herab, schon gar nicht in Lusaka oder Deutschland getroffen, sondern vor Ort. Aber dass sich Menschen in Deutschland für sie interessieren, war für Agathas Familie, für die Dorfgemeinschaft, für die MitarbeiterInnen sehr wichtig und motivierend. Auch wenn ich der erste Pate war, der in diese entlegende Gegend kam, und damit einen persönlichen Bezug herstellen konnte, so werden auch die Briefe der Paten als Zeichen der Anteilnahme und der Begleitung gesehen. Und jeder Brief wird nicht nur von dem jeweiligen Kind gelesen, sondern erreicht mindestens eine Familie und ein Dorf! Dass einige Patenkinder noch keinen Brief erhalten haben, machte sie allerdings auch traurig. So kann ich nur über diesen Bericht die Paten ermutigen, immer wieder kurze Briefe zu schreiben!

Patenbesuch: Heiner Bredt bei Patenkiind in SambiazoomFoto: privat Mir fiel der Abschied von Agatha und ihrer Familie sehr schwer, aber diese Begegnung hat mich reich beschenkt. Als ich zu Hause meinen Kindern von dem Besuch erzählte, wurde der Wunsch meiner Familie sehr deutlich ausgedrückt: Das nächste Mal fahren wir gemeinsam nach Fiwila!


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