Johan und Heike de Viet aus Emmerich am Rhein haben ihr Patenkind Kanchaporn Japui in Mae Suay besucht.
Die Mädchen und Jungen im Wohnheim leben unter einfachen Bedingungen - die Wäsche wird von Hand gewaschen, es gibt keine Kleiderschränke und Fleisch nur bei besonderen Gelegenheiten. Aber diese Verhältnisse sind die Kinder von zu Hause gewöhnt, und sie werden sich so auch später wieder in ihren Dörfern zurechtfinden, wenn sie die Schule beendet haben. Ehepaar de Viet war beeindruckt, dass das Team im Wohnheim mit so wenigen Mitteln so viel erreicht.

Das Wohnheim in Mae Suay. Foto: de Viet
Relativ kurzfristig ergab sich für uns, Kanchaporn in Thailand zu besuchen. Die 13-Jährige ist die Tochter armer Reisbauern, die zum Bergvolk der "schwarzen Lahu" gehören. Viel Zeit zum Planen blieb nicht. Wir flogen zu Beginn der Monsunzeit über Bangkok nach Chiang Rai im Norden Thailands. Die Kindernothilfe hatte uns die Kontakdaten des Projektkoordinators vor Ort, Herrn Aticom Hasuwan, mitgeteilt. Nach einigen Versuchen erreichten wir ihn am 21. Mai endlich telefonisch. Wir freuten uns sehr, denn wir konnten unser Patenkind noch am selben Tag nach Schulende um 16 Uhr besuchen. Allerdings konnte so kurzfristig kein Dolmetscher anwesend sein. Wir entschieden uns aber dennoch auszukundschaften, wie die Reise zum Wohnheim in Mae Suay von Chiang Rai aus möglich sein könnte. Die Fahrt sollte rund eineinhalb Stunden dauern. Am Busbahnhof konnten wir in Erfahrung bringen, dass der allerletzte Bus von Mae Suay zurück allerdings schon um 16.00 Uhr abfuhr.

Jungen aus dem Wohnheim. Foto: de Viet
Frische Ananas und Reisgebäck
Wir entschieden uns dann doch lieber einen Wagen mit Fahrer zu mieten, was sich hinterher als die richtige Entscheidung herausstellte. Das Wohnheim liegt ziemlich ablegen an einem Seitenweg zur Hauptstraße, und unser thailändischer Fahrer musste sich dorthin durchfragen. Wir wurden herzlich von Frau Thanatcha Jiravanich die alle 41 Mädchen (von insgesamt 73 Kindern im Wohnheim) betreut, empfangen. Es gab für uns frische Ananas und Reisgebäck.

Ehepaar de Viet mit Patenkind Kanchaporn. Foto: privat
Verständigung mit Händen und Füßen
Und dann blickten wir zum ersten Mal Kanchaporn in die Augen. Was ist sie klein.... Auf dem Foto sah sie viel größer aus..... Und jetzt ?.. Da saßen wir nun alle ziemlich verlegen an einem Tisch und trauten uns nicht, etwas von den den angebotenen Leckerneien zu nehmen. Kanchaporn kann kein Englisch und war noch verlegener als wir. Glücklicherweise konnte Frau Thanatcha Jiravanich einige Worte Englisch. Die Verständigung erfolgte mit Händen und Füßen. Gern hätte sie für unseren Besuch mehr vorbereitet, aber uns gefiel es wesentlich besser, das Projekt während eines gewöhnlichen Tages - ohne besondere Vorbereitung - zu besichtigen.

Im Schlafsaal. Foto: de Viet
Alle Arbeiten werden per Hand verrichtet
Die Kinder werden werden von drei Mitarbeiterinnen und einem Mitarbeiter versorgt. Die meisten Mädchen und Jungen gehören zum Bergvolk der Lahu, einge zum Bergvolk der Akkha. Mädchen und Jungen sind streng getrennt in zwei kargen Hallen untergebracht. Nur das Allernötigste steht zur Verfügung. Weit und breit war keine Waschmaschine, geschweige eine Spülmaschine zu sehen. Alle Arbeiten werden mit der Hand verrichtet. Mädchen und Jungen schlafen getrennt in einem gemeinsamen Schlafsaal. Eine Rückzugsmöglichkeit besteht nicht. Die wenigen Kleider hängen vor den Betten auf Bügeln. Schränke gibt es nicht, nur jeweils einen kleinen Spind für die Schulbücher. Im Flur werden die in Thailand vorgeschriebenen Schuluniformen gebügelt.

In einem riesigen Wok wird das Essen zubereitet. Foto: de Viet
Wok und Reiskocher
Die Küche ist einfach eingerichtet. In einem riesigen Wok werden die Speisen zubereitet, und ein Reiskocher darf natürlich nicht fehlen. Gegessen wird in einem gemeinsamen Saal, in dem sich nur Holzbänke und - tische befinden.
Es gibt nur alle paar Wochen Fleisch und eigentlich nur dann, wenn es etwas zum Feiern gibt. Zu diesem Zweck wird dann ein Schwein aus der eigenen Zucht geschlachtet. Im Wohnheim gilt das Prinzip Selbstversorgung: es gibt dort einen Schweinestall, einen zum Zeitpunkt des Besuches leeren Hühnerstall, einen Fischteich und ein Stück Land zum Gemüseanbau.
Begeistert vom Projekt
Zu unserem Besuch haben wir einige Gemeinschaftsspiele und ein Buch für die größeren Kinder mitgebracht sowie einen angemessenen Geldbetrag für das Projekt hinterlassen. Es fiel uns nicht leicht, Kanchaporn kein persönliches Geschenk zu überreichen, aber wir haben die Verhaltensvorschläge der Kindernothilfe befolgt. Kanchaporn möchte nach der Regelschule noch die Highschool besuchen. Dort kann sie einen Beruf erlernen, mit dem sie sich selber versorgen kann. Wir hoffen, dass wir sie so lange unterstützen können.
Falls wir sie nochmal besuchen würden, würden wir uns vorher erkundigen, was im Projekt besonders dringend benötigt wird, und anstelle von Spielen vielleicht einige Hühner o.Ä. mitbringen. Wir sind sehr von der Arbeit im Projekt begeistert und voller Wertschätzung für die Arbeit der vier Menschen vor Ort, die mit so wenig Mitteln so viel leisten.
Spenderservice