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Uganda - eine Entdeckungsreise

Uganda - eine Entdeckungsreise mit Kindern

Angela Heitz, Leiterin des Kindernothilfe-Arbeitskreis Gießen und Mitglied im Kindernothilfe-Verwaltungsrat, reiste im Mai 2007 mit ihrer Familie nach Uganda. Dort besuchte sie auch Kindernothilfe-Projekte. 

Familie Heitz (Freundeskreis Essen) in UgandazoomFoto: Familie Heitz Angefangen hat alles damit, dass eine junge Frau aus dem Kindernothilfe-Freundeskreis Frankfurt im vergangenen Jahr eine Stelle in Ugandas Hauptstadt Kampala angetreten hat. Ein Haus mit Garten am Stadtrand der Metropole versprach gewisse Sicherheit auch für eine Reise mit zwei kleinen Kindern. So begann unsere Urlaubsreise ins uns unbekannte Afrika gemeinsam mit unseren Kindern Micha (3 ½) und Samuel (fast zwei Jahre alt).

Motorradtaxis, Matatus, Marabus
Gemeinsam mit den Kindern erkundeten wir zunächst die nähere Umgebung und Kampala. Für die Jungs genau wie für uns war alles unendlich spannend: Motorradtaxis, Matatus, dichte Vegetation und überall die großen Marabus. Eine wichtige Erkenntnis aber sollten wir bereits in den ersten Stunden gewinnen: Kinder kennen von sich aus keinen Rassismus. Micha und Samuel liefen ohne Scheu herum, streichelten die dunkle Haut oder die krausen Haare der ugandischen Kinder, die ihrerseits die blonden Buben beobachteten und berührten.

Familie Heitz (Freundeskreis Essen) in UgandazoomFoto: Familie Heitz Ein neuer Brunnen in Namirembe 
Im Vorfeld hatten wir von der Kindernothilfe Vorschläge für Projektbesuche bekommen. Unseren Familienurlaub wollten wir auch nutzen, um die Arbeit der Kindernothilfe vor Ort besser kennen zu lernen. Unser erster Besuch führte uns nach Namirembe, etwa 40 km nördlich von Kampala gelegen, wo die Kindernothilfe das Namayumba-Gemeinwesenprojekt unterstützt. Zunächst schauten wir uns die Wasserstelle oder vielleicht besser den Tümpel an, an dem sowohl die Dorfbewohner als auch das Vieh Wasser zu holen pflegten. Entsprechend hoch war die Krankheitsrate durch verunreinigtes Wasser. Als wir dann den neu gebauten Brunnen von zwei Kindern vorgeführt bekamen und das frische Wasser im Kanister vor uns stand, wollten Micha und Samuel sofort im warmen Sonnenschein mit dem kühlen Nass spielen. Wir hielten sie zurück und erklärten ihnen nochmals die Bedeutung des Wassers für die Menschen. Gleichzeitig erläuterten wir den erstaunten Dorfbewohnern, dass sauberes Trinkwasser bei uns eben eine Selbstverständlichkeit ist. So fand ein Lernen auf beiden Seiten statt, was Micha später spielerisch umsetzte: Er hielt mir seine Hände hin und forderte mich mit den Worten auf zu trinken: „Mama, trink etwas Wasser. Du kannst es trinken, es ist sauberes Wasser."

Familie Heitz (Freundeskreis Essen) in UgandazoomFoto: Familie Heitz Frauen mit Selbstbewusstsein und Weitsicht
Als nächstes besuchten wir eine Gruppe von Frauen, die verschiedenen Selbsthilfegruppen angehören. Neben den wunderschönen Produkten wie Matten und Körben oder den praktischen Dingen wie selbst hergestellter Hautcreme und einer Art von Kohle mit einer Brenndauer von rund zwölf Stunden, bewegte uns vor allem das Selbstbewusstsein und die Weitsicht der Frauen. Diese Frauen, die in Dörfern leben, wo wir oftmals gar nicht ahnen, dass es dort noch Hütten gibt, baten uns, in Deutschland von ihnen zu berichten. Nachgefragt warum, erwiderten sie, weil dann noch mehr Leute die Arbeit unterstützen würden oder gar kämen und ihre Produkte kauften. Frauen, die vielfach selbst keine Schulbildung erhalten haben, beginnen global zu denken und erzählen stolz, dass all ihre Kinder heute zur Schule gehen.

Familie Heitz (Freundeskreis Essen) in UgandazoomFoto: Familie Heitz Im Nile Vocational Institute
Eine weitere Station unserer Reise sollte das Nile Vocational InstituteNVI) in Jinja sein. Nach heftigen Regengüssen, wir befanden uns noch in der Regenzeit, machten wir uns nachmittags zu verschiedenen Dörfern auf. Manchmal stockte mir der Atem, weil ich nicht glaubte, dass wir die rutschigen Wege heil bewältigen würden. Diesmal führte uns der Weg zu einer äußerst spannenden Art von Berufsbildungsausbildung. In verschiedenen Dörfern werden dreimonatige Berufsausbildungen durchgeführt. Dafür treffen sich die Teilnehmer an drei bis vier Nachmittagen in der Woche und erlernen Fertigkeiten, die es ihnen später ermöglichen, eine Anstellung zu finden oder aber durch selbstständige Arbeit ein Einkommen zu erwirtschaften. Die Kurse reichen von Radio- und Moped-Reparaturen bis hin zu Schreinern und Maurern oder Hairdressing für die Frauen. Die jungen Menschen werden ermutigt, später zusammenzubleiben, weil sie gemeinsam ein starkes Team bilden. Nachgefragt sagten sie, dass sie bereits eine Anstellung in Aussicht hätten. Motiviert und engagiert sind sie bei der Sache, um diese für sie einmalige Chance zu nutzen. Und auch unsere Jungs ergriffen sofort Steine, um mitzumauern, oder erkundeten die Umgebung der Hütten. Dies endete auf unserer letzten Projektstation in Masaka bei MAHCOP schon mal mit einem Sturz in den Matsch.

Familie Heitz (Freundeskreis Essen) in UgandazoomFoto: Familie Heitz Bewegende Begegnungen bei MAHCOP
Auch wenn wir nur einen kleinen Ausschnitt von MAHCOP kennen lernten, waren es bewegende und erschütternde Begegnungen. Besonders beeindruckt haben uns einerseits eine Gruppe junger Leute, die bereits vor einigen Jahren eine Farmschule beendet haben und nun ganz selbstständig sind. Durch den Verkauf von Handtaschen und Portemonnaies aus Bananenblättern geben sie die selbst empfangene Hilfe heute weiter, indem sie rund 60 Waisenkinder unterstützen, damit diese die Schule besuchen können.
Andererseits geht uns noch heute ein Gespräch mit Schülern einer Farmschule nach. Wenn man diese jugendlichen Aidswaisen so fröhlich bei der Arbeit sah, konnte man sich nicht vorstellen, was sie bereits durchgemacht haben. Wir erlebten, wie Felder und Gärten angelegt werden, genauso wie äußerst bequeme Stühle, Matten oder Seile für das Vieh hergestellt wurden. Interessiert schaute Micha zu, um dann mit den Kindern einer angrenzenden Grundschule zu spielen. In den Dörfern, wo die vielleicht 14- bis 15-Jährigen für ihre jüngeren Geschwister sorgen, werden sie von unzähligen Problemen eingeholt. Und so stellten sie auch uns die Frage nach HIV/Aids in Deutschland. Nach unseren Ausführungen lasen wir Erstaunen in ihren Augen, bevor eine Schülerin sagte: „Seid froh, dass es nur so ist." Wir bekamen eine Gänsehaut und können nur erahnen, was diese jungen Menschen durchgemacht haben. Umso dankbarer waren wir für die gute Arbeit, die von MAHCOP geleistet wird, und werten jedes Lachen als Erfolg.

Queen Elizabeth National Park 
Neben den Projekten besuchten wir auch den Queen Elizabeth National Park an der kongolesischen Grenze, um Tiere zu sehen. Mit Begeisterung und Freude entdeckten wir mit den Kindern Warzenschweine, Uganda Cops, große Elefantenherden und endlich auch zwei Löwen.

Familie Heitz (Freundeskreis Essen) in UgandazoomFoto: Familie Heitz "Ein Same wurde gelegt"
Zurück in Deutschland erzählt Micha noch oft von Afrika. Wir haben die Reise bewusst mit den Kindern gemeinsam gemacht. „Afrika war für Micha ein rundum positives Erlebnis. Es wurde ein Same gelegt und der ist gut", so die Erzieherin aus dem Kindergarten. Und mit diesem Fazit sind wir dankbar für eine gute und bewegende Zeit mit vielen neuen Erlebnissen und Begegnungen, die uns noch heute nachgehen.

 


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