Niedersachsen

Ehrenamt macht Spaß

Arbeitskreis WeyhezoomDer Arbeitskreis ist in Weyhe sehr beliebt. Foto: Sigi Schritt/Kreiszeitung Syke Weyhe ist eine kleine idyllische Gemeinde in Niedersachsen. Rund 30.000 Einwohner leben hier. Mehrmals im Jahr ist fast der ganze Ort fest in Kindernothilfe-Hand. Dafür sorgt der 2006 gegründete Kindernothilfe-Arbeitskreis mit seinen 20 Mitgliedern. Sie tragen dazu bei, dass sich die Welt für Kinder ein Stück zum Guten verändert. Als Motto haben sie ein Zitat von Peter Ustinov gewählt: „Hilfe für Kinder ist kein Tropfen auf den heißen Stein - sie ist ein Tropfen im Ozean, der nicht verloren geht."

Ehrenamt macht Spaß, und sich für Kinder in anderen Ländern zu engagieren, steckt an. Diesen Eindruck gewinnt man, wenn man Hannelore Leifeld und ihre Truppe in Aktion erlebt. Da sprudeln die Ideen, was man wann, wie und mit wem machen könnte. Der Funke springt über auf andere Leute im Ort, die das Anliegen und die Arbeit der Kindernothilfe überzeugt hat und die unbedingt mitmachen möchten. Und das Ergebnis ist einerseits wieder eine tolle Veranstaltung, über die man in Weyhe und Umgebung noch lange reden wird.

PIC_50911_270x179_1280x853_0x0zoomMädchen aus dem Tennyson House. Foto: Ralf Krämer Andererseits können die Arbeitskreisler wieder eine große Summe für das Straßenmädchen-Projekt Tennyson-House in Durban/Südafrika überweisen. Insgesamt rund 30 000 Euro waren es seit Gründung des Kreises im Januar 2006. Sozialarbeiter und Psychologen des Tennyson House holen Kinder und Jugendliche von der Straße und versuchen, sie wieder mit ihren Familien zusammenzubringen. „Gerade für aidskranke Mädchen und Jungen ist es wichtig, statt in Isolation wieder in einer Familie zu leben", wissen Burkhard Großmann und seine Frau Helene. Außerdem haben die Weyher die Patenschaft für ein südafrikanisches Mädchen übernommen . „Mit unseren 31 Euro pro Monat unterstützen wir Senamile während ihrer gesamten Schul- und Ausbildungszeit", berichtet Marie-Therese Trempel, „und unser Beitrag hilft auch mit, dass sich in ihrem Dorf die Lebensverhältnisse verbessern. Wir bekommen einmal im Jahr einen Bericht aus Südafrika und können so ihre Entwicklung mitverfolgen." Seit kurzer Zeit hat der Arbeitskreis zusätzlich eine Projektpatenschaft in Swasiland übernommen und hilft hier einer Frauengruppe, für sich und ihre Kinder für ihren Lebensunterhalt zu sorgen.

Arbeitskreis WeyhezoomHannelore Leifeld (r.) mit einigen Mitstreitern aus dem Arbeitskreis. Foto: Sigi Schritt/Kreiszeitung Syke „Ein Tropfen im Ozean, der nicht verloren geht"
Die treibende Kraft im Arbeitskreis ist Hannelore Leifeld, pensionierte Kauffrau, die vor drei Jahren zwölf Leute aus dem Ort zusammentrommelte. „Mein Mann und ich hatten damals schon ein Patenkind bei der Kindernothilfe. Und wir wollten unbedingt etwas für Kinder tun." Heute mischen 20 Leute zwischen 18 und 66 Jahren mit. Vier weitere Weyher stehen auf Abruf bereit, wenn die Gruppe Hilfe braucht. Hausfrau, Erzieherin, Schülerin, Fluglotse, Bankkauffrau, Export-Kaufmann, Diplom-Verwaltungswirt - die Berufe und Lebenshintergründe der Mitglieder sind bunt gemischt, aber die engagierte Truppe eint ein Zitat von Peter Ustinov, das sie als Motto für ihre Arbeit gewählt hat: „Hilfe für Kinder ist kein Tropfen auf den heißen Stein - sie ist ein Tropfen im Ozean, der nicht verloren geht." „Wir treten ein für eine Welt, in der kein Kind hungern muss, in der es zur Schule gehen darf und es in Würde und mit Liebe aufwachsen kann", heißt es auf der Homepage des Arbeitskreises. Und um dieser Welt ein Stück näher zu kommen, treffen sich die Mitglieder einmal im Monat, um Aktionen und Veranstaltungen zu planen und vorzubereiten. Arbeitskreis WeyhezoomDer Bücherflohmarkt ist in Weyhe eine feste Institution. Foto: Sigi Schritt/Kreiszeitung Syke

Vom Bücherflohmarkt bis zum „Public Viewing"
Fragt man die Arbeitskreisler nach ihren Aktivitäten an, tritt man geradezu eine Lawine los. „Von April bis Oktober veranstalten wir an jedem ersten Samstag im Monat einen Bücherflohmarkt", berichten Gerda Reiners und Ortrun Jacob, „ der bringt pro Jahr rund 2.500 Euro fürs Projekt."
„Einmal im Jahr profitiert die Kindernothilfe von einer großen Kulturveranstaltung in Weyhe", erzählen Claudia Marcus und Heide Harms. „2008 war es zum Beispiel das Benefizkonzert ‚Romantische Cellosonaten bei Kerzenschein'. Nach dem Konzert haben wir in geselliger Runde mit den Besuchern südafrikanischen Wein getrunken und Werbung für die Kindernothilfe gemacht."

Arbeitskreis WeyhezoomPublic Viewing in Weyhe. Foto: Sigi Schritt/Kreiszeitung Syke

„Die Life-Übertragungen der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 und der Europa-Meisterschaft 2008 - auf neudeutsch ‚Public viewing' - in der ev. Felicianus-Gemeinde waren der absolute Hit." Heinz Buse strahlt heute noch, wenn er daran denkt. Arbeitskreis und Kirchengemeinde hatten das Treffen für die Fußball-Fans gemeinsam organisiert. Beim EM-Spiel Deutschland gegen die Türkei zum Beispiel versammelten sich 200 Fußball-Begeisterte in der Kirchweyher Pfarrscheune. Während innen gezittert, auf den Nägeln gekaut, gejubelt und gejammert wurde, brutzelten draußen die „drei Damen vom Grill", nämlich Helene Großmann, Dörte Lau und Gerda Reiners vom Arbeitskreis, Bratwürste für die Halbzeitpause. Andrea Zado organisierte den reibungslosen Biernachschub für die Fans. Nach dem 3:2 Sieg wurde in der Scheune zünftig gefeiert. Die Kindernothilfe-Leute hatten ausreichend für Speisen und Getränke gesorgt. Beim Endspiel der Europameisterschaft sahen sich alle Beteiligten wieder. Der Erlös von 3.760 Euro kam komplett dem Tennyson House zugute. Klar, dass der Arbeitskreis für die WM 2010 in Südafrika wieder in den Startlöchern steht.

AK Weyhe: Weltkindertag 2008zoomWeltkindertag in Weyhe. Foto: Sigi Schritt/Kreiszeitung Syke Im Herbst 2008 sorgten Hannelore Leifeld und ihre Mitstreiter dafür, dass in Weyhe zum ersten Mal der Weltkindertag gefeiert wurde - und dass der Reinerlös von 800 Euro an die Kindernothilfe ging. Der ganze Ort ließ sich von der Begeisterung des Arbeitskreisler anstecken und stellte ein buntes Programm auf die Beine. So zeigte zum Beispiel der Tanzschulen-Nachwuchs sein Können, neun Kindergärten und sechs Grundschulen animierten die Mädchen und Jungen zum Malen und Basteln, sogar Landwirt Brünings Kühe ließen sich geduldig von Laien melken. Raimund Michels, ein Kinderbewegungsliedermacher aus Bremen, begeisterte mit seiner Gitarre die über 800 Kinder und animierte sie zum Mitsingen, der Schützenverein veranstaltete einen Biathlon-Wettbewerb, und die katholische Jugend putzte gegen eine Spende die Schuhe der Besucher.

Arbeitskreis Weyhe: Tütenpacken für die Aktion zoomIn der Produktionswerkstatt der "15 Minuten Advent Tüten". Foto: Sigi Schritt/Kreiszeitung Syke

Ein Renner - die „15 Minuten Advent"-Tüten
Hannelore Leifeld und ihre Gruppe sind selbst immer wieder ganz hingerissen, wie am Ende immer alles wunderbar klappt und wie groß die Beteiligung der Bevölkerung ist. „Entscheidend ist für uns, die Kindernothilfe bekannt zu machen, und das ist uns hier im Ort und im Umkreis gelungen. Wir haben eine tolle Presse, die uns unglaublich unterstützt. Ich könnte noch so viel erzählen - wir haben so viel gemacht..."
„Unsere ‚15 Minuten Advent'-Tüten auf dem Weihnachtsmarkt sind inzwischen eine heiß begehrte Attraktion", wollen Ingrid Ott und Marion Brase unbedingt noch loswerden. „ Jede Tüte enthält eine kurze Geschichte, Tee, Gebäck, eine Kerze und eine Überraschung. 2006 haben wir mit 200 Tüten angefangen, 2007 waren es bereits 500, im vergangenen Jahr haben wir das Angebot auf 1.000 verdoppelt." Füllung und Dekoration der Tüten organisierten 14 Arbeitskreis-Mitglieder wie am Fließband - jeder war für einen Handgriff zuständig und reichte die Tüte weiter an den Nachbarn. In zwei Stunden war alles erledigt! Sylvia Buse und Dieter Leifeld, die am Ende der Produktionskette für das Zukleben der Tüten zuständig waren, fügen noch begeistert hinzu: „Wegen der großen Nachfrage mussten wir sogar noch 250 Tüten nachproduzieren!" Ein Sponsor hat sich bereit erklärt, den Inhalt der Tüten zwei Jahre lang zu bezahlen, so dass der komplette Verkaufserlös von zwei Euro pro Tüte an die Kindernothilfe geht.

Im Mai werden die Weyher den Kindernothilfe-Stand beim Evangelischen Kirchentag in Bremen verstärken. „Mein großer Traum ist außerdem eine Classic-Open-Air-Veranstaltung" bei uns auf dem Marktplatz", gesteht uns Hannelore Leifeld. Dazu will sie mit dem Radiosender Klassik-Radio, dem örtlichen Theater und Sponsoren verhandeln. Es gibt viel zu tun - und die Weyher packen es an!


Copyright © 2012 Kindernothilfe e.V. - Alle Rechte vorbehalten.