
Foto: Frank Peterschröder
Vorstandsmitglied Rolf-Robert Heringer ist seit Mai 1972 bei der Kindernothilfe. Er hat miterlebt, wie aus einer kleinen Organisation eines der größten christlichen Hilfswerke Europas geworden ist.
Rolf-Robert Heringer kennt von allen Kindernothilfe-Mitarbeitern die Arbeit in der Duisburger Geschäftsstelle am besten. Im Mai ist er 37 Jahre hier. Er kann viele Geschichten erzählen von damals - zum Beispiel als die Kindernothilfe noch in zwei Büros in verschiedenen Straßen untergebracht war und man immer hin- und herlaufen musste. Die Kindernothilfe war zu der Zeit noch ein relativ kleines Hilfswerk. Doch Heringer tauschte seine gut bezahlte und gesicherte Stelle bei der Firma Klöckner&Co gegen einen Job bei der Kindernothilfe ein. „Viele meiner Freunde haben damals gesagt: Bist du eigentlich verrückt?", sagt der 60-Jährige schmunzelnd. „Aber ich weiß, dass das genau die richtige Entscheidung war."
Eigentlich wollte er von Klöckner, wo er als kaufmännischer Angestellter im Auslandsbereich tätig war, zu einem ähnlichen Unternehmen wechseln. Er bat den Pfarrer seiner Kirchengemeinde, Ernst Schmidt, um Hilfe, denn der Geschäftsführer der anderen Firma gehörte ebenfalls zu dieser Gemeinde. Pfarrer Schmidt, der damals im Vorstand der Kindernothilfe war, gab ihm die Rückmeldung: „Die Firma kann dich nicht gebrauchen, aber die Kindernothilfe sucht dringend jemanden zur Entlastung des Geschäftsführers. Willst du nicht dort anfangen?" Heringer stellte sich bei der Kindernothilfe vor und wurde eingestellt. Später beichtete ihm Ernst Schmidt, dass er natürlich bei der anderen Firma hätte anfangen können - er selbst hätte ihn aber bei der Kindernothilfe haben wollen...
Rolf-Robert Heringer hat seinem Pfarrer diesen Trick verziehen, denn die neue Arbeitsstelle war genau das Richtige für ihn. Zu Beginn seiner Tätigkeit hatte er den Ehrgeiz, alle Abläufe kennenzulernen, die es in der Geschäftsstelle gab: Er stellte zum Beispiel Spendenbescheinigungen aus, buchte Geldeingänge, vermittelte Patenschaften und brachte die Post weg - mit dem VW-Käfer des Geschäftsführers...
Heute ist Heringer stellvertretender Vorstandsvorsitzender und zuständig für Finanzen, Controlling, Personal, Datenverarbeitung, Organisation und allgemeine Dienste. „Als Finanzchef macht man sich nicht immer nur Freunde", gibt er zu. „Manchmal möchten die Kollegen, dass ich für ihren Bereich zusätzliche Gelder zur Verfügung stelle, und da muss ich auch schon mal nein sagen - auch wenn ich das Anliegen der Kollegen verstehe." Trotzdem hat er zu vielen Kollegen eine gute persönliche Beziehung.
Der 60-Jährige steht mit Leib und Seele hinter der Kindernothilfe. Hier kann er die missionarisch-diakonische Arbeit, die ihm immer schon am Herzen lag, mit der nachhaltigen Hilfe für Kinder und Jugendliche verbinden. Und auch der Stolz auf die Kindernothilfe, wie sie sich heute präsentiert, klingt immer wieder durch. Stolz darauf, dass „aus dem kleinen Pflänzchen Kindernothilfe eines der größten christlichen Hilfswerke Europas geworden ist."