Kindernothilfe e. V.

Gemeinwesenentwicklung

Kinder in guter Gesellschaft

Die Kindernothilfe fördert in vielen Projekten Patenkinder in Gemeinwesenprojekten. Das sind Projekte, die Kind, Familie und Dorf gemeinsam fördern. Das Patenkind steht weiter im Zentrum der Arbeit.

Junge in einem Gemeinwesenprojekt in Südafrika. Foto: Ralf Krämer Für die ganzheitliche Entwicklung von Mädchen und Jungen ist es wichtig, dass sie einen positiven Bezug zu ihrer Familie und sozialen Gemeinschaft haben. Wenn es der Gemeinschaft gelingt, selbst für ihre Kinder zu sorgen, wirkt die Hilfe auf Dauer: Die Menschen können ihren Lebensunterhalt bestreiten und sind nicht von fremder Hilfe abhängig.

Eltern, die ihren Kindern in einem Slum oder einem Dorf keine ausreichende Ernährung, Bildung und Gesundheit ermöglichen können, suchen Hilfe bei den Partnerorganisationen der Kindernothilfe. Unter Begleitung der Mitarbeiter beginnt ein Prozess, in dem die Erwachsenen gemeinsam mit den Jugendlichen die Gründe für ihre Not analysieren. Sie hinterfragen das eigene Schicksal.

Dazu gehören:

In einem Dialog, der bis zu 12 Monate dauert, entwickelt das Gemeinwesen einen Plan mit Einzelzielen, Kosten, und Prioritäten. Innerhalb von fünf bis acht Jahren soll sich die Lage soweit verbessern, dass die Menschen eigenverantwortlich für ihre Kinder sorgen, auch über das Ende eines Projektes hinaus.

Frauen machen Dorfentwicklung in SüdindienIndische Frauen bauen ihr Dorf nach. Foto: Jens Böthling Auf die eigenen Fähigkeiten vertrauen
Entscheidend ist: Die Menschen müssen von Anfang an auf ihre eigenen Fähigkeiten, ihren Willen und ihre gemeinsame Kraft bauen, ihre Lebenssituation verändern zu können. Denn sie selbst sind die Hauptakteure. Doch dafür benötigen sie finanzielle und technische Hilfe. Die Paten bringen den größeren Teil der Finanzen ein. Sie sind nun nicht mehr ein Pate für ein Kind, sondern Hunderte von Paten einer entsprechende Anzahl von Kindern unterstützen die Befähigung einer Gemeinschaft. Die Menschen im Dorf tragen ihre Arbeitskraft und Zeit, lokale Materialien und angemessene Eigenbeträge, Kindernothilfe und ihre Partner das Wissen und die Erfahrung dazu bei.

Auch in diesen für Kindernothilfe seit 1997 durchgeführten Projekten, stehen die Kinder „in der Mitte“. Jeder Pate unterstützt ein Kind, mit Gesicht und Namen. Dabei bleibt das Kind integriert in seine Familie und seine natürliche soziale Gemeinschaft. Die monatlichen Beträge für die etwa zwei- bis dreihundert Patenkinder in einem solchen Projekt gewährleisten dessen Finanzierung über eine Laufzeit von fünf bis acht Jahren.

Kinder profitieren
Patenkinder und ihre Geschwister werden durch das Projekt direkt gefördert, zum Beispiel durch vom Dorf organisierte Kindergärten oder zusätzliche Ernährung für unterernährte Kinder.
Ihre Lebensbedingungen verbessern sich aber auch indirekt, zum Beispiel durch den Bau von Brunnen für Trinkwasser und Bewässerung, von Latrinen, Abwasser- und Müllbeseitigung und durch andere hygienische Fortschritte.

Junge Frau auf den Philippinen an ihrem mit Kleinkrediten finanzierten Verkaufsstand. Foto: Gerd Klasen

Selbsthilfegruppen für Frauen
Frauen organisieren sich in Selbsthilfegruppen, in denen sie gemeinsam sparen und so über eigene Mittel verfügen. Schon nach kurzer Zeit haben sie soviel gespart, dass sie gemeinsam ein kleines Darlehen zu geringen Zinsen aufnehmen können. Das Geld setzen sie gewinnbringend ein: Sie gründen zum Beispiel kleine Geschäfte oder kaufen Werkzeuge, um ein Handwerk auszuüben. So sind die Frauen nicht mehr den Wucherern ausgeliefert, die Geld nur gegen horrende Zinsforderungen verleihen. Darüber hinaus lernen Frauen angepasste Anbaumethoden mit Saatgutverbesserung, neue Technologien und die Vermarktung ihrer Produkte. Schulungen zu HIV/Aids, genitaler Verstümmelung, Bürger-, Menschen- und Kinderrechten, Alphabetisierung sowie Aus- und Weiterbildungsangebote für Eltern und Jugendliche runden das Programm ab. Durch den Rückhalt in der Gruppe entwickeln sie ein neues Selbstwertgefühl: Die Frauen fühlen sich stärker, als Teil der Gemeinschaft. Ein weiterer wichtiger Schritt ist der Zusammenschluss der Selbsthilfegruppen in übergeordnete Interessenvertretungen, mit deren Hilfe sie politische Veränderungen anstossen und so die strukturellen Ursachen von Armut bekämpfen können.

Die Menschen lernen, ihre Probleme selbst zu lösen
Im Gegensatz zur Einzelförderung eines Kindes in einem Schülerwohnheim oder einer Kindertagesstätte führt die Patenschaft hier zur Entwicklung des Kindes, seiner Geschwister, der Familie, der Gemeinschaft. Zudem befähigt diese Art der Förderung die Gemeinschaft, auch nach Ende des Projektes weiterhin Lösungen für ihre Probleme zu finden, diese gezielt und gemeinsam anzugehen und auch der nächsten Generation Zukunftsperspektiven zu eröffnen.

Auch behinderte Kinder werden nicht mehr in einem Heim gepflegt sondern in ihren Familien gefördert. Diese werden von Fachleuten unterstützt. Eltern und Nachbarn lernen diese Kinder zu akzeptieren, sie zu lieben, sich ihrer nicht zu schämen, Therapieübungen mit ihnen zu machen, sie zu bilden.

Da Kindernothilfe, wo möglich, solche Projekte nicht in einem einzelnen Dorf, sondern in einem Verbund von bis 15 Dörfern fördert, entstehen Synergien. Viel mehr Menschen organisieren sich, um ihre Region zu verändern, ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen und eine ortsgebundene Wirtschaft zu entwickeln.

Copyright © 2012 Kindernothilfe e.V. - Alle Rechte vorbehalten.