
Pfarrer Ernst Schmidt musste nich lange überlegen, als er gebeten wurde, bei der Kindernothilfe mitzuarbeiten. Foto: Kindernothilfe
Die Trinitatis-Gemeinde in Duisburg-Buchholz ist die Heimatgemeinde der Kindernothilfe, die ein paar Straßen weiter ihren Sitz hat. Hier feierte sie ihre Jahresfeste, hier wurden anfangs ausländische Gäste beköstigt. Bis heute unterstützen die Buchholzer das Werk mit großem Einsatz und Leidenschaft.
Im April 1967 klingelte eine Delegation der Kindernothilfe an der Tür des Pfarrhauses in Duisburg-Buchholz. Die drei Vorstandsmitglieder waren gekommen, um Pastor Ernst Schmidt zur Mitarbeit zu gewinnen. Schmidt hatte gerade fast alle wichtigen Aufbau-Vorhaben in seiner Gemeinde abgeschlossen: „Die Flüchtlinge, Vertriebenen, Heimatlosen waren integriert, die nötigen Bauten erstellt, ein zweiter Pfarrer angestellt", schrieb er im Rückblick. „Der normale Dienst eines Gemeindepfarrers konnte beginnen. Ich war im besten Alter." Der damals 40-jährige war schnell überzeugt. Er wurde Mitglied im Beirat, im Herbst 1968 geschäftsführender Vorsitzender.
Das Pfarrhaus wurde Anlaufstelle für ausländische Partner und Projektmitarbeiter der Kindernothilfe, die zu Besuch kamen. „Er hat immer Leute mit nach Hause gebracht zum Mittagessen, und seine Frau Wilma hat gekocht", erinnert sich Schmidt- Nachfolger Dietrich Köhler-Miggel (55). „Und hier in diesem Raum des Pfarrhauses wurde dann Kindernothilfe-Politik gemacht."

Jahresfest 1979 in der Buchholzer Gemeinde: Festrednerin war Veronika Carstens, Frau des damaligen Bundespräsidenten. Foto: Kindernothilfe
Ganze Wannen voll Kartoffelsalat beim Kindernothilfe-Jahresfest
Aber nicht nur der Pfarrer, auch seine Gemeindeglieder waren mit der Zeit fest mit der Kindernothilfe verbunden. „Pastor Schmidt hat uns alle aufgerüttelt, so dass wir mitgezogen haben", so Gemeindeglied Charlotte Oßwald. Die verschiedenen kirchlichen Gruppen übernahmen Patenschaften. 1970 wurde das erste Kindernothilfe-Jahresfest in der Jesus-Christus-Kirche gefeiert. „Wir waren wie eine Kindernothilfe-Familie, und das Jahresfest war wie ein Gemeindefest", so Köhler-Miggel. „Da gab's Würstchen und Kartoffelsalat - von dem haben die Leute aus der Gemeinde wirklich ganze Wannen voll hergestellt."
Gemeindeglied Willi Sieben organisierte den reibungsvollen Ablauf von Catering und Übernachtungen. „Ich kann mir nicht vorstellen, wie wir das alles ohne ihn geschafft hatten", lobt Charlotte Oßwald sein Engagement. Die Familien Sieben und Oßwald sowie viele andere Buchholzer boten jahrelang Jahresfestbesuchern über Nacht ein Quartier. „Einmal hatten wir drei Frauen aus Ostfriesland als Übernachtungsgäste bei uns, die Männer waren woanders untergebracht", erzählt Charlotte Oßwald. „Eine Frau sagte: ‚Eigentlich sind wir ja zu viert.' Und ich meinte: ‚Ach, das macht doch nichts, ein Bett kriegen wir noch irgendwo hingestellt.' Und da zeigte sie auf ihren Bauch - sie war hoch in Umständen."

Pfarrer Dietrich Köhler-Miggel vor der Jesus-Christus-Kirche. Foto: Ralf Krämer
Hier trafen Aufgabe und Herz zusammen
1991 ging Ernst Schmidt in den Ruhestand, 2008 verstarb er. Sein Nachfolger erbte das Kindernothilfe-Engagement quasi von ihm. „Manchmal baut ein Vorgänger ja was auf und dann muss man es fortführen, obwohl man eigentlich kein Herz dafür hat", gibt Köhler-Miggel zu. „Aber für mich trafen hier Aufgabe und Herz angenehm zusammen!" Vor seinem Theologiestudium 1979 hatte der heutige Gemeindepfarrer ein halbes Jahr als Fahrer, Hausmeister und Materialverwalter in der Kindernothilfe-Geschäftsstelle gearbeitet. „Das war eine ganz spannende Zeit. Als ich zur Buchholzer Gemeinde kam, kannte ich das Hilfswerk also schon. Die Kindernothilfe ist für mich ein Herzensanliegen."
Teilhabe an der großen weiten Welt
Und so steht das Hilfswerk auch regelmäßig auf dem Kollektenplan der Gottesdienste. 17 Jahre lang unterstützten die Buchholzer gemeinsam mit der katholischen Gemeinde Judas Thadhäus ein Projekt in Arcoverde/Brasilien. Seit das Projekt mit öffentlichen Geldern gefördert wird, engagieren sich die Buchholzer für eine Rehazentrum für behinderte Kinder in Recife/Brasilien. Köhler-Miggel nutzt gern das Kindernothilfe-Gemeindematerial zur Gestaltung der Erntedank-Gottesdienste. Kindernothilfe-Mitarbeiter oder auch ausländische Besucher berichten zum Beispiel bei den Konfirmanden von ihrer Arbeit. „Für mich bedeutet das Teilhabe an der großen weiten Welt", freut sich Dietrich Köhler-Miggel, der auch Mitglied im Kindernthilfe-Verwaltungsrat ist. „Wenn man mit der Kindernothilfe zusammenarbeitet, hat man Anteil am globalen Geschehen, man kann sich einbringen und erweitert seinen Horizont. Über den Tellerrand hinauszuschauen, das ist mir immer ganz wichtig. Ich lebe eigentlich nur hier in meinem Stadtteil, aber durch die Kindernothilfe kommt die ganze Welt nach Buchholz."
TV-Gottesdienst in der Trinitatis-Gemeinde
Am 29. März feiert die Kindernothilfe in der Jesus-Christus-Kirche anlässlich ihres Jubiläums einen Gottesdienst, der im ZDF ausgestrahlt wird. Darüber freuen sich die Buchholzer sehr. „Und wir sehen die Vorbereitung für dieses wie auch für viele andere Feste nicht als Arbeit, nicht als Abrackern. Unser Engagement bereichert unsere Gemeinde", ist sich Köhler-Miggel sicher. „Wir gewinnen unheimlich dadurch."