
Äthiopien 2012: Ehepaar Masny reiste vom 11. Januar bis 8. Februar 2012 durch Äthiopien und lässt uns an ihren interessanten und teilweise kuriosen Erlebnissen teilhaben.
2. Februar 2012

Fotos: privat
Was uns mittags beim Besuch unseres Patenkindes in Wosha erwartet, damit haben selbst unsere Begleiter vom Projekt nicht gerechnet. Hinter einem aus Baumzweigen gebogenen „Triumphbogen" steht unser Patenkind Daniel mit den Eltern und dem Bruder, große Blumengestecke in der Hand, dahinter die restliche Familie und zahlreiche Gäste vor einem eigens gemieteten Festzelt der Dorfgemeinschaft. Natürlich werden zur Begrüßung zahllose Fotos gemacht. Dann werden wir auf Ehrenplätze im Festzelt geführt. Für die anderen Gäste sind Bänke und niedrige Tische aufgebaut worden. Trotzdem reicht der Platz nicht für alle Gäste, die sich dann am Zelteingang drängen und später im Austausch für andere einen Sitzplatz und Essen bekommen.

Nach der Begrüßung durch einen Repräsentanten der Dorfgemeinschaft, der aus diesem Anlass die Moderatorenrolle übernommen hat, eröffnet der orthodoxe Priester mit einem Gebet die Veranstaltung. Es wird eine Schüssel herumgereicht, über der den Gästen die Hände gewaschen werden. Dann gibt es Injera und Wot (eine gut gewürzte Soße), dazu geröstete Teff-Körner und Gemüse sowie für die Ehrengäste ein Glas Buttermilch. Davon kosten wir aber sicherheitshalber nur ein wenig. Das Essen schmeckt sehr gut. Für uns gibt es noch je eine Flasche Limonade, was als ausgesprochener Luxus betrachtet werden muss. Die Gäste aus dem Dorf trinken Talla, selbst gebrautes Bier. Unser Patenkind Daniel bewegt sich sehr schüchtern in der ungewohnten Situation. Wir bitten darum, dass wir auch von Daniels beiden Schwestern ein Foto machen dürfen, die so schüchtern sind, dass sie dem Betreuer nicht einmal ihr Alter verraten. Nach dem Essen lassen wir Familienfotos und Ansichtskarten von Detmold herumgehen. Für Herrn Mamush haben wir eine englischsprachige Broschüre über Detmold mitgebracht. Für Daniel selbst gibt es ein Detmold-Memory und für seine Mutter eine Detmold-Tasche.

Nun startet ein weiterer Programmteil. Zwei Jugendliche aus den Kinder- bzw. Jugendclubs verlesen selbst-geschriebene Gedichte, deren Inhalt sich mit der UN-Konvention für Kinder- und Jugendrechte beschäftigt. Es folgen Reden von unterschiedlichen Projektleitern, zwei Dorfältesten, dem Vater von Daniel, von Herrn Mamush und Herrn Zerihun und natürlich auch von uns beiden. Dann erhalten wir beide noch Geschenke, zwei hölzerne geschnitzte Behälter, besetzt mit Glasperlenschmuck und kleinen Kaurimuscheln. Abschließend spricht der Priester noch einmal. Dann gibt es einen Nachtisch aus einer Art ungesüßtem Pudding mit zerlassener Butter und als krönender Abschluss folgt die traditionelle Kaffeezeremonie, bei der die Bohnen vor den Augen der Gäste auf einem kleinen Holzkohlenfeuer geröstet, dann in einem Mörser zerstampft und zu einem starken und gesüßten Kaffee verarbeitet werden.

Ehe wir uns verabschieden, frage ich noch, ob wir eventuell das Haus der Familie betreten dürfen, was uns gern gewährt wird. Es handelt sich um ein geräumiges Tukul (Rundhütte) mit sauberem, fest gestampftem Lehmboden. Auf einer Seite steht das Ehebett der Eltern, abgetrennt durch einen Vorhang. Weitere Möbel gibt es nicht. Die vier Kinder schlafen auf dem Boden. An den Wänden hängen bunte Heiligenbilder. An einer Seite lagern zahlreiche Getreidesäcke. Vor dem Tukul möchten wir gern noch ein Foto von der Familie machen und müssen verhindern, dass gleich die zahlreiche Sippe mit auf dem Foto erscheint. Aber natürlich gibt es dann noch Fotos mit Oma, Tanten und anderen Familienangehörigen. Wir versprechen natürlich, die Fotos zu schicken. Nach einem herzlichen Abschied fahren wir dann zurück nach Adaba.
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