Im April 2011 unternahm Lisa Siepmann aus Düsseldorf gemeinsam mit meiner Tochter eine 15-tägige Reise nach Äthiopien. Anlass für dieses Reiseziel war ihr lang gehegter Wunsch, endlich einmal - nach 27 Jahren - ihre Patenkinder dort zu besuchen. Über eine im Internet gefundene äthiopische Reiseagentur buchten sie die sogenannte "Historische Route" in der nördlichen Hälfte des Landes. Die Agentur organisierte speziell für die beiden Frauen eine perfekte Besichtigungsreise und ermöglichte ihnen, mit jedem ihrer beiden Patenkinder einen ganzen Tag zu verbringen.

"Mein erstes Patenkind, das die Kindernothilfe mir 1984 vermittelte, war Sisay Beyene, ein damals zehnjähriger Waisenjunge. Er lebte in Debre Marcos in der dort von der christlich-orthodoxen Kirche gegründeten Felege Arz Church School. Er absolvierte bis zum 18. Lebensjahr die Schule, wurde dann aus dem Waisenhaus entlassen, aber weiter von der Kindernothilfe unterstützt. 1998 hatte er eine Ausbildung zum Automechaniker abgeschlossen, womit seine Förderung durch das Patenschaftsprogramm beendet war. Ich habe während der ganzen Zeit brieflichen Kontakt mit ihm gehalten.
1999 bekam er eine Anstellung bei Ethiopian Airways. Er ist jetzt Chef der Flughafenfeuerwehr von Lalibela und kann seine kleine Familie mit einer vierjährigen Tochter ernähren. Wir beide waren sehr glücklich, dass wir uns nach 27-jähriger Patenschaft endlich in den Arm nehmen konnten. Den Kontakt mit ihm werde ich weiter beibehalten.
1998 übernahm ich dann ein neues Waisenkind aus dem Patenschaftsprogramm, den siebenjährigen Muluhabit Nebiy Ayana. Auch er wurde vom Felege Arz Child Care Center in Debre Marcos aufgenommen und versorgt. Lange vor dem Besuch bei ihm hatten wir über die Kindernothilfe Kontakt mit dem Direktor des Projekts aufgenommen und einen Besuchstag vereinbart. Herr Meaza Haregewoiin ist ein sehr freundlicher, hilfsbereiter und wohltätiger Mann, der 155 Waisenkinder betreut, die allerdings nicht mehr in einem Waisenhaus leben, sondern bei Familienangehörigen. So wohnt mein Patenkind Muluhabit zusammen mit einem Bruder bei ihrer 26-jährigen Schwester, die wie eine Mutter für die beiden Jungen sorgt. Meaza verriet mir, dass ich mit meiner monatlichen Spende nicht nur ihn unterstütze, sondern auch seiner Familie den Lebensunterhalt ermögliche.

Fotos: privat
Er selbst macht zurzeit eine Weiterbildung in Metallverarbeitung an einer technischen Schule. Sein Fußweg dorthin beträgt 7 km, jeweils hin und wieder zurück. Zur Erleichterung habe ich ihm ein Fahrrad geschenkt, das wir in Addis Abeba gekauft hatten. Das Foto zeigt, wie glücklich er darüber ist.
Seine Aussichten, nach dem Examen an der technischen Schule einen Job zu bekommen, sind wohl zurzeit nicht gut. Deshalb möchte ich ihm zur Verbesserung seiner Chancen zusätzlich die Möglichkeit geben, den Führerschein zu machen. Ich hoffe, dass auch er, wie mein erstes Patenkind, den Sprung in eine zwar einfache, aber selbständige Lebensführung schafft.
Als Fazit dieser Reise nach Äthiopien habe ich feststellen können, dass meine monatlichen Zuwendungen über das dortige Kindernothilfe-Projekt angekommen sind und zwei Waisenkindern geholfen haben, in diesem bitterarmen Land nicht vor Hunger und Elend umzukommen, sondern ein menschenwürdiges Leben aufzubauen."
Lisa Siepmann
Spenderservice