Hans Martin Thiel, seit Jahren Pate und ehrenamtlicher Mitarbeiter bei der Kindernothilfe, hat auf einer Reise nach Indien sein Patenkind David zum ersten Mal getroffen. Lesen Sie, was er von der Begenung berichtet.

David ist Hans-Martin Thiels Patensohn. Foto: Hans-Martin Thiel
Als wir in Frankfurt den Flieger nach Indien bestiegen, wusste ich noch nicht, dass Mysore in Südindien mit auf dem Plan steht.
Unsere Gruppe bestand aus zehn ehrenamtlichen und zwie hauptamtlichen Mitarbeitern der Kindernothilfe, die sich aufgemacht hatten, um Kindernothilfe-Projekte in Indien zu sehen. Am letzten Tag der Reise ging es mit dem Bus in das etwa 140 Kilometer entfernt liegende Mysore. Und hier sollten ein Mädchen- und ein Jungenheim unser Ziel sein. Ich wusste, dass in dem Hardwicke Boarding Home mein Patenkind David lebt. Bisher hatte ich von ihm nur ein Passbild auf dem Vorstellungsbrief gesehen.
Herzlich Wilkommen!
Als wir uns dem Heimkomplex näherten, standen bereits Kinder zum Empfang bereit. Auf dem Boden des Weges war mit farbigen Steinen und Sand „WELCOME" gezeichnet. Mein Blick streifte die Gesichter der Jungs und ich konnte nicht entscheiden, ob David unter ihnen war. Schließlich kam Emanuel (ein 26-jähriger Lehrer der Einrichtung) mit einem kleinen Jungen auf mich zu. Unsere erste persönliche Begegnung! Hatte ich ihn mir doch mit seinen 13 Jahren etwas größer vorgestellt. Schüchtern ging er mit dem traditionellen Gastgeschenk auf uns zu, gab uns aber bald auch die Hand und verbrachte so den ganzen Nachmittag und Abend mit uns.

Hans-Martin Thiel mit David und seiner Familie. Foto: Hans-Martin Thiel
David fasst Zutrauen
Anlässlich unseres Besuches hatten die Verantwortlichen des Heimes seine Familie geholt. So lernte ich auch Davids Vater und Mutter, die kleinere Schwester (10) und den größeren Bruder (15) kennen. Nach der offiziellen Begrüßung gingen wir mit David und Familie durch das Haus. Die Verständigung war etwas schwer, da weder David, noch die Eltern und Geschwister englisch sprachen. Mysore liegt im Bundesstaat Karnataka und hier spricht man „Kannada". So mussten wir uns immer wieder mal Hilfe holen und Emanuel half, wenn er gerade nicht anders beschäftigt war, gern mit seinen Englischkenntnissen aus. Aber das Gespräch funktionierte auch mit „Händen und Füßen" und David taute zunehmend auf.
Schwerer Abschied
Stolz führte er uns durch alle Räumlichkeiten. Wir konnten sehen, dass die Jungen eine vielseitige Förderung erhalten. Neben dem normalen Schulunterricht werden auch die praktischen Fähigkeiten ausgebildet. So bauen die Jungen z. B. selbst Unterrichtsmodelle und versehen diese mit elektronischen Schaltungen.
Auch hier fiel der Abschied schwer. Werde ich David wieder sehen?
Auf jeden Fall wird unser brieflicher Kontakt nun häufiger und persönlicher werden. Bis zum Jahresende soll David die zahlreichen Fotos erhalten, die wir von ihm, seiner Familie und dem Heim aufgenommen haben.
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