
Mädchen im neuen Kindergarten. Foto: Alex Koryakov
(Duisburg, St. Petersburg, 26.September) Die Kindernothilfe hat kürzlich den ersten Kindergarten für Mädchen und Jungen HIV-positiver Mütter in St. Petersburg eröffnet. „Der kleine Prinz" ist eine Ganztages-Einrichtung für bis zu 20 Kinder und wird vom russischen Partner „Innovationen" geführt.
Diashow: Eröffnung des Kindergartens
Die Eröffnung, an der auch Kindernothilfe-Botschafterin und Schauspielerin Natalia Wörner teilnahm, ist durch das große Engagement von rund 2.500 WAZ-Lesern möglich geworden. Vor Weihnachten hatte die Tageszeitung in einer großen Spendenaktion mehrmals auf die Nöte dieser Mädchen und Jungen aufmerksam gemacht und insgesamt 145.000 Euro an Spenden zusammengetrommelt.
HIV und Aids sind in der russischen Gesellschaft noch immer ein Tabu-Thema. Kinder HIV-infizierter Mütter haben keine Chance auf einen regulären Kindergarten-Platz oder den Besuch einer Schule, obwohl sie per Gesetz den Anspruch darauf hätten. Die Vorbehalte gegenüber HIV/ Aids sind groß, weil die Übertragungswege einem Großteil der Gesellschaft noch immer nicht bekannt sind. Erzieher und Lehrer weigern sich in der Regel, Kinder HIV-positiver Mütter zu betreuen - aus Angst vor einer Ansteckung.
„Der kleine Prinz" ist damit ein dringend erforderliches Pilotprojekt in St. Petersburg, das neben Moskau und Kaliningrad zu den Metropolen mit der größten HIV/ Aidsrate in Russland gehört. In der 4,5 Millionen Stadt leben nach Schätzungen internationaler Organisationen rund 300.000 Menschen mit dem Virus.
Die Chefärztin des Kinderkrankenhauses Nummer 3 für HIV/ Aids und Tuberkulose in St. Petersburg, Dr. Galina Tiuleneva, fand bei der Eröffnung des Kindergartens lobende Worte für die Partnerschaft mit den deutschen Helfern: „Unseren offiziellen Zahlen zufolge leben in unserer Stadt alleine 2.700 Mütter mit dem Virus. Und sie alle haben mindestens ein, oft zwei Kinder. Wohin mit diesen Kindern, wenn sie das Kindergartenalter erreichen? Wir sind sehr froh, dass es nun diesen Kindergarten gibt."

Natalia Wörner im Krankahus Nr. 3. Foto: Alex Koryakov
Bereits seit Juni 2003 unterstützt die Kindernothilfe gemeinsam mit dem Partner „Innovationen" das Kinderkrankenhaus. Zur Zeit sind hier 40 Säuglinge und Kleinkinder untergebracht. Durch die Unterstützung der Kindernothilfe wurde vor allem bei dem Personal Aufklärungsarbeit geleistet. Davor war die Angst vor einer Ansteckung so groß, dass die Säuglinge mit Handschuhen gefüttert und gewickelt wurden. Außerdem beschäftigte sich niemand mit den Babys, die deshalb den ganzen Tag in ihrem Gitterbettchen lagen und keinerlei Anreize für ihre Entwicklung geboten wurden.Heute ist die Situation schon viel besser. Pro Station kümmern sich drei Erzieherinnen und eine Krankenschwester um die Versorgung von 20 Kindern.
Bei der Eröffnung des Kindergartens kamen auch die Eltern und Erziehungsberechtigte zu Wort. Nina Shahova, die für ihren Ur-Enkel, den zweieinhalbjährigen Anton Sorge trägt: „Ich bin so glücklich und dankbar, dass Anton jetzt einen Platz zum Leben und Spielen gefunden hat. Hier bin ich mir ganz sicher, dass er nicht gehänselt oder diskriminiert wird." Anton hat Glück, denn er erleidet nicht das Schicksal, dass viele Kinder von HIV-positiven Müttern trifft. Viele werden von ihren Müttern in den Kliniken zurückgelassen. Aus Angst, Scham und der eigenen Armut sehen sich die Mütter nicht in der Lage, ohne jegliche Unterstützung ihr Kind großzuziehen.

WAZ-Leserin Silke Abbing (r.) kam stellvertretend für alle WAZ-Spender mit zur Eröffnung. Foto: Alex Koryakov
Im „Kleinen Prinzen" werden die Kinder liebevoll betreut. Sie werden in der entscheidenden Phase ihres Lebens gefördert und haben die Chance auf eine normale Entwicklung. „Es ist so wichtig, dass es Projekte wie dieses gibt, auch wenn sie ganz klein anfangen. Denn es geht um jedes einzelne Kind, das einen glücklichen Ort verdient, an dem es einfach Kind sein kann," so Natalia Wörner bei der Eröffnung in St. Petersburg. Zusammen mit ihrem Partner „Innovationen" unterstützt die Kindernothilfe auch die Eltern, vor allem die Mütter, in ihrer schwierigen Situation.
Diashow: Eröffnung des Kindergartens
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