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"Wie Kinder kaputt gemacht werden" – Norbert Blüm trifft arbeitende Kinder in Peru

(Duisburg/Chota, Peru 3. Juli 2009) Die Situation von arbeitenden Kindern zu verbessern - dafür setzt sich der ehemalige deutsche Arbeitsminister Dr. Norbert Blüm, Stiftungsratsvorsitzender der Kindernothilfe-Stiftung, schon seit Jahren ein. Zurzeit besucht er in Peru Projekte, in denen es um das Kindernothilfe-Engagement gegen ausbeuterische Kinderarbeit und die Entwicklung alternativer Einkommensmöglichkeiten geht.

Dr. Norbert Blüm besucht Kinder im Steinbruch von La CanganaDr. Norbert Blüm besucht Kinderarbeiter in einem Steinbruch. Foto: Roller „Bisher hatten wir immer gedacht, dass Kinderarbeit ein Hindernisgrund dafür ist, dass Mädchen und Jungen zur Schule gehen", gibt Norbert Blüm zu. „Heute musste ich lernen, dass es Tausende von Kindern gibt, die sich täglich extremsten Formen ausbeuterischer Kinderarbeit aussetzen müssen, um überhaupt eine Chance zu haben, das Geld für einen Schulbesuch zusammenzubekommen!" Für den Mann, der 16 Jahre lang Arbeitsminister der Bundesrepublik Deutschland war, erscheint das, was ihm die Kinder im Steinbruch La Cangana, oberhalb der nordperuanischen Stadt Chota, berichten, schlicht unfassbar: Für einen Stundenlohn von 5 Cent zertrümmern Acht- bis 14-Jährige an sechs Tagen in der Woche große Steinbrocken, um kleine Schottersteinchen zu produzieren, die als Baumaterial benötigt werden.

Sie riskieren täglich schwere Verletzungen, während an ihrer Schwerstarbeit vor allem andere verdienen: der Zwischenhändler, der die Schottersteine an die Stadtverwaltung von Chota oder Privatkunden verkauft - oder der Steinbruchbesitzer, der sich von den Kindern die Hälfte ihres Verdienstes auszahlen lässt. Die meisten der Mädchen und Jungen kommen jeden Nachmittag vier Stunden lang nach La Cangana und die anderen Steinbrüche von Chota, um sich das Geld für Schulgebühren, Schuluniform und Unterrichtsmaterialien zu verdienen.

Wie die Eltern so die Kinder
„Das ist eine wahrlich teuflische Logik: Wer nicht in die Schule geht, muss auch nicht im Steinbruch arbeiten", so Norbert Blüm, „was wir hier erleben, ist eine besonders schreckliche Form der Zerstörung der Zukunftschancen von Kindern." Die Eltern der meisten Kinder in den Steinbrüchen von Chota haben ebenfalls als „chancadores", Steineklopfer, gearbeitet. Viele der Väter und Mütter leiden heute unter Silikose, Staublungen. Und schon immer waren die Verdienstmöglichkeiten extrem niedrig, so niedrig, dass die Kinder volle 26 Arbeitstage benötigen, um den Kaufpreis für einen kleinen Hammer zusammenzutragen.

Zehn Tage lang besucht der Vorsitzende des Stiftungsrates der Kindernothilfe in Peru Projekte, in denen es um das Kindernothilfe-Engagement gegen ausbeuterische Kinderarbeit und die Entwicklung und Unterstützung alternativer Einkommensmöglichkeiten geht. Im Fall von Chota hat das Team des Kindernothilfe-Partners IINCAP in vier Jahren Arbeit wenigstens erreicht, dass zumindest die Allerjüngsten nicht mehr in den Steinbrüchen arbeiten. Sie züchten zum Beispiel gemeinsam mit ihren Müttern Meerschweinchen, die sie auf dem Markt verkaufen. Und auch bei der Arbeit mit den etwas Älteren geht es darum, realistische Perspektiven jenseits des Steinbruchs zu entwickeln - und den Kindern zu helfen, trotz aller Widrigkeiten, den Schulbesuch durchzuhalten.

Appell an die Internationale Arbeitsorganisation (IAO)
Für Norbert Blüm ist jedoch klar, dass es nur so eine Lösung für die Überwindung derart extremer Formen ausbeuterischer Kinderarbeit gibt: „Wenn ständig neu Druck auf die politisch Verantwortlichen - in diesem Fall bei der Stadtverwaltung von Chota - oder genauso bei der Internationalen Arbeitsorganisation ausgeübt wird. Die IAO", so Blüm, „muss gegenüber Staaten wie Peru endlich die Umsetzung der einschlägigen internationalen Konventionen durchsetzen."

Kontakt:
Jürgen Schübelin, Referatsleiter Lateinamerika und Karibik
juergen.schuebelin@knh.de

Projekte unserer Partner gegen ausbeuterische Kinderarbeit in Peru


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