Selbsthilfegruppen in Äthiopien

Selbsthilfegruppen in Ätiopien für die ärmsten Familien

Starke Mütter - starke Kinder! Foto: Bastian StrauchStarke Mütter - starke Kinder. Foto: Bastian Strauch Obwohl die äthiopische Verfassung Frauen nahezu dieselben Rechte einräumt wie Männern, haben Frauen in der äthiopischen Realität mit großen Benachteiligungen und Verletzungen ihrer Rechte zu kämpfen: Mädchen können seltener zur Schule gehen, sie müssen im Haushalt helfen und werden häufig Opfer von Gewalt. Es wird von ihnen erwartet, sich nicht öffentlich zu äußern und sich den Männern unter zu ordnen. Kindernothilfe setzt sich dafür ein, die Situation der Frauen und Mädchen grundlegend zu verbessern und ihre Rechte zu stärken - ganz im Sinne des Prinzips „Hilfe zur Selbsthilfe". Durch den Zusammenschluss zu Selbsthilfegruppen haben die Frauen endlich die Chance, aktiv zu werden, ihre Lebensumstände eigenständig zu verbessern und gut für ihre Kinder zu sorgen. Mit Ihrer Hilfe kann das möglich werden!

Wie entsteht eine Selbsthilfegruppe?
Ganz gezielt gehen die Mitarbeiter der Kindernothilfe-Partnerorganisationen zumeist auf die ärmsten Frauen eines Dorfes zu und laden sie ein, Mitglied in einer Selbsthilfegruppe zu werden. Bei den ersten Treffen definieren die Frauen selbst das Ziel und die Vision ihrer Gruppe, stellen Regeln auf und legen fest, wann ihre Treffen stattfinden. Zusammen überlegen sie sich einen Namen für ihre Gruppe. Das Gefühl der Zusammengehörigkeit und Gruppenidentität ist für den Erfolg der Projekte essentiell: Die Frauen teilen ihre Ängste und Sorgen miteinander, helfen und besuchen einander und lernen, anderen zu vertrauen. Durch die Unterstützung der Gruppe fühlen sie sich selbstbewusster, als Teil der Gemeinschaft und weniger machtlos. In der Selbsthilfegruppe lernen die Frauen, Geld zu sparen. Welcher Betrag pro Woche gespart werden soll oder wie die Mitgieder sich gegenseitig unterstützen, wenn z.B. eine Frau krank wird und Hilfe braucht, wird während der Treffen besprochen und in einem Protokoll festgehalten. Im Laufe der Zeit nehmen die Frauen an vielfältigen Schulungen teil: Sie lernen verbesserte Anbaumethoden, informieren sich über Ernährung und Gesundheitsvorsorge und werden über Kinderrechte, Erziehung und HIV/Aids aufgeklärt. Workshops zu Themen wie Gruppendynamik, Konfliktlösung und Buchhaltung runden das Programm ab.

Aufbau SelbsthilfegruppenzoomDie Arbeit der Selbsthilfegruppe. Grafik: KNH Wie funktionieren Selbsthilfegruppen? 

Phase 1: aktute Not lindern
Unter Anleitung eines Sozialarbeiters gründen ca. 20 Frauen eine Selbsthilfegruppe. Wöchentlich zahlen sie ihre Ersparnisse in die Gemeinschaftskasse ein. Danach können sie sich gegenseitig Kredite geben. Die Kredite ermöglichen den Frauen, sich eine neue Existenz aufzubauen.

Phase 2: regionale Missstände lösen
Frauen aus mehreren Selbsthilfegruppen schließen sich zu einer überregionalen Gruppe zusammen, zu so genannte CLAs (Cluster Level Associations). Sie kennen die Probleme in ihrer Heimat. Zudem haben diese Frauen das Geld und die Ressourcen, diese Missstände eigenständig zu lösen.

Phase 3: Rechte bei der Regierung einfordern
Zuletzt schließen sich zehn Dachverbände zu einer Föderation zusammen. Eine Föderation vertritt nun über 1.500 Frauen und deren Familien - das heißt eine ganze Region. So kann sich die Föderation bei der Regierung Gehör verschaffen, um Unrecht anzuklagen und Verbesserungen einzufordern.

SHG in Äthiopien. Foto: Dietmar BoosSHG in Äthiopien. Foto: Dietmar Boos Die Arbeit der Kindernothilfe
Im Jahre 2010 waren in Äthiopien 113.957 Frauen in 6.023 Selbsthilfegruppen (SHG) aktiv. Davon profitierten ihre 309.183 Kinder. Lesen Sie hier, wie Sie die Selbsthilfegruppen in Äthiopien unterstützen können.

Mehr Informationen zum Thema Selbsthilfegruppen:

Jede Spende hilft. Herzlichen Dank!


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