Was macht die Kindernothilfe aktuell?
Was sind die Ursachen der aktuellen Hungersnot?
Wieso kann die Kindernothilfe in Somalia arbeiten?
Was tun die Regierungen von Somalia, Äthiopien und Kenia, um den Menschen zu helfen?
Warum wird der Bürgerkrieg in Somalia geführt?
Warum reagiert die internationale Staatengemeinschaft erst jetzt?
Wie kann ich helfen?
Kommen die Spenden überhaupt an?
Nimmt die Kindernothilfe Altkleider oder andere Sachspenden an?
Kann ich ein bedürftiges Kind in meiner Familie aufnehmen?
Was macht die Kindernothilfe aktuell?
Hier finden Sie eine Übersicht über aktuelle und geplante Hilfsmaßnahmen.
Was sind die Ursachen der aktuellen Hungersnot?
Das Horn von Afrika wurde in der Vergangenheit immer wieder von Dürreperioden getroffen. Klimatische Veränderungen führen dazu, dass die Regenfälle in dieser Region nur noch sehr unregelmäßig einsetzen und teilweise ganz ausbleiben. Dazu wird das Land in der Region für die wachsende Bevölkerung immer knapper und die Entwicklung der Landwirtschaft hält damit nicht Schritt.
Mittlerweile ist der Regen seit Monaten ausgeblieben. Ganze Ernten werden durch die Trockenheit vernichtet. Doch die klimatischen Veränderungen und die höhere Bevölkerungsdichte sind nur eine Ursache der aktuellen Katastrophe.
Hinzu kommt die zum Teil politisch instabile Lage in den betroffenen Ländern. Besonders kritisch ist die Situation in Somalia. Seit 20 Jahren gibt es dort kein funktionierendes Staatswesen. Es fehlt an Infrastruktur und einer öffentlichen Ordnung. Seit zwei Jahren hält ein schwerer Bürgerkrieg zwischen der radikal-islamischen Al-Shabaab-Miliz, die Teile der Hauptstadt Mogadischu und der zentralen und südlichen Region Somalias kontrolliert, und der von Truppen der Afrikanischen Union gestützten Übergangsregierung an.
Die Bevölkerung und vor allem die Kinder sind der Dürrekatastrophe schutzlos ausgeliefert.
Wieso kann die Kindernothilfe in Somalia arbeiten, obwohl die somalische Al-Shabaab-Miliz vor zwei Jahren ausländische Hilfslieferungen verboten hat?
Die Kindernothilfe arbeitet in ihren Projektländern grundsätzlich nur mit lokalen Partnerorganisationen zusammen. Diese sind im Land als inländische Nichtregierungsorganisationen registriert und werden daher von dem Verbot ausländischer Hilfslieferungen nicht berührt. In Somalia kooperieren wir mit einer schwedischen Organisation, die bereits seit 1991 in Somalia tätig ist und daher die schwierigen Bedingungen vor Ort bestens kennt. In dem Partner-Büro in Mogadishu arbeiten hauptsächlich erfahrene lokale Mitarbeiter. Der Projektmanager vor Ort ist beispielsweise seit 2004 bei unserem Partner und wird momentan von einem Logistikmitarbeiter bei den Hilfsmaßnahmen unterstützt. So ist es möglich, trotz der politisch instabilen Lage die Bedürftigen im Land zu erreichen.
Was tun die Regierungen von Somalia, Äthiopien und Kenia, um den Menschen zu helfen?
Die somalische Regierung ist mehr oder weniger handlungsunfähig bzw. von der militärischen Unterstützung der AU-Truppen abhängig, die sich kürzlich wieder Gefechte mit den Milizen in Mogadischu geliefert haben. Es sind vor allem die Bevölkerung selbst und die wenigen lokalen Hilfsorganisationen, die in einer aufopfernden Weise versuchen, den zuströmenden Flüchtlingen zu helfen. Diese lokalen Kräfte, die die Gegebenheiten sehr genau kennen, unterstützt die Kindernothilfe.
In Kenia und Äthiopien dominiert immer noch die Sorge, dass über die Flüchtlingsströme unkontrolliert islamistische Milizen ins Land eingeschleust werden könnten. Auch ist die Logistik bei der Bewältigung der Flüchtlingsströme eine Herausforderung. Zudem sind große Regionen dieser Länder selbst sehr stark von der Dürre betroffen. In Kenia gibt es bereits Initiativen in der Bevölkerung, die für Kenianer in den Dürreregionen Geld sammeln. Die negativen Auswirkungen der Dürre sind in diesen Ländern durch einen einigermaßen funktionierenden Staat nicht so stark wie in Somalia. Kenia und Äthiopien sind aber seit einiger Zeit auch auf Hilfe von außen angewiesen. Deshalb fördert die Kindernothilfe jetzt auch Hilfsprogramme über lokale Partner in den Dürregebieten Kenias und Äthiopiens.
Warum wird der Bürgerkrieg in Somalia geführt? Was sind die Interessen und Ziele der Beteiligten?
Somalia war nach der ‚Unabhängigkeit' 1961 - wie viele andere afrikanische Staaten - zur Zeit des kalten Krieges von den Supermächten finanziert und als Staat am Leben erhalten worden. Als diese Unterstützung zu Beginn der 90er Jahre aufhörte, begann der Staatszerfall. Rivalisierende Warlords, Clanstrukturen und Milizen kämpften um die Vorherrschaft. Aber auch das angrenzende Äthiopien hat immer wieder versucht Einfluss zu nehmen. Die Interventionsbemühungen westlicher Staaten berücksichtigten nicht diese komplizierte Gemengelage und schadeten eher als dass sie zur Befriedung beitrugen. In schlechter Erinnerung ist die Intervention der USA 1993, die 1994 ergebnislos beendet werden musste und Somalia im Chaos zurückließ. Auch die jetzige militärische Unterstützung der Übergangsregierung durch die Afrikanische Union (AU), UN und den Westen lässt keine neuen Lösungswege erkennen.
Wichtig wäre die möglichst vorbehaltlose Moderation eines Dialogs aller Beteiligten.
Warum reagiert die internationale Staatengemeinschaft erst jetzt?
Zu dieser Jahreszeit kommt es immer wieder zu Dürreperioden in der Region am Horn von Afrika. Wie sich Dürren entwickeln ist nicht immer leicht einzuschätzen. Die UN ist vor nicht allzu langer Zeit von 6 Millionen Menschen ausgegangen, die versorgt werden müssen. Inzwischen sind es über 12 Millionen. Auch wurde vermutlich unterschätzt, dass die Menschen in Somalia keinerlei Vorräte haben und sich deshalb und auch auf Grund der schwierigen politischen Situation in großer Zahl in die Lager in den Nachbarländern auf den Weg machen. Zudem kamen kurzfristige enorme Preissteigerungen für Lebensmittel, die die Situation für viele Menschen noch verschärft haben. Auch wenn Nomaden ihr Vieh noch rechtzeitig verkauft haben, konnten sie mit dem geringen Erlös die teuren Nahrungsmittel nicht mehr bezahlen.
Sobald sich abzeichnete, dass es zu einer größeren Katastrophe kommen würde, ist Kindernothilfe aktiv geworden. Innerhalb einer Woche konnten mit lokalen Partnern Hilfsprogramme in Höhe von 1 Mio. Euro geplant werden. Zwei Wochen später beträgt dieses Volumen bereits 2,5 Mio. Euro. Von der ersten Million konnten bereits über 800.000 Euro überwiesen werden, um sofort zu helfen.
Wie kann ich helfen?
So hilft Ihre Spende:
20 € kostet das Kochgeschirr für eine Familie.
30 € kostet eine Notunterkunft aus Zeltplanen.
40 € kostet ein großer Wassertank für eine Familie.
300 € kosten 10.000 Liter Wasser.
Sollten mehr Spenden eingehen, als wir für die Hilfe in Nordostafrika benötigen, verwenden wir die Spenden für ähnliche Projekte.
Kommen die Spenden überhaupt an?
In Somalia können derzeit nur einheimische Hilfsorganisationen arbeiten, die lokale Mitarbeiter beschäftigen. Das ist bei dem Kindernothilfe-Partner in Somalia der Fall. Mit ihm haben wir einen erfahrenen Partner, der schon seit 20 Jahren unter den schwierigen Bedingungen in Somalia tätig ist. In der Region um Mogadischu sind keine gravierenden Beeinträchtigungen der Hilfsmaßnahmen zu befürchten.
Die Kindernothilfe kooperiert in ihrer Arbeit immer mit einheimischen Partnern, die die Verhältnisse vor Ort genau kennen. So ist die Hilfe immer auf die kulturellen Eigenheiten und die jeweiligen Erfordernisse abgestimmt. Gemeinsam mit den Partnern setzen wir uns auch über die Projektarbeit hinaus für die Kinderrechte in den jeweiligen Ländern ein. Die Projekte leisten dadurch einen wirksamen Beitrag zur Stärkung der Zivilgesellschaft in unseren Partnerländern. Die Spenden werden niemals über die jeweiligen Regierungen der Länder weitergeleitet. Das gilt für die Arbeit in allen Partnerländern, auch in Äthiopien und Kenia.
Nimmt die Kindernothilfe Altkleider oder andere Sachspenden an?
Die Kindernothilfe nimmt aus Kostengründen keine Altkleidung entgegen. Die Kleidung muss dem Bedarf vor Ort entsprechen, den klimatischen Bedingungen, den kulturellen und religiösen Normen angepasst sein. Dies erfordert Absprachen mit den Partnern vor Ort, aber auch ein ausgefeiltes Sortiersystem vor dem Versand. Dabei sind die Lagerung von Altkleidung und die Entsorgung von Resten ein Problem der Hilfsorganisation, die die Kleidung verschickt. Und selbst wenn gebrauchte Waren kostenlos an Partnerorganisationen weitergegeben werden könnten, können vor Ort Hafen- und Zollgebühren, Steuern, Transport- und Logistikkosten für die Verteilung entstehen. Wir unterstützen das Anliegen des Dachverbandes „Fair-Wertung e.V.", der Kriterien zur Sammlung und Vermarktung von Altkleidern entwickelt hat und ein Gütesiegel vergibt. Mehr Informationen finden Sie unter http://www.fairwertung.de/
Kann ich ein bedürftiges Kind in meiner Familie aufnehmen?
Nein, das ist nicht möglich, und zwar aus verschiedenen Gründen. Erstens: Auslandsadoptionen sind in den meisten Ländern nicht oder nur sehr schwer möglich. Die Staaten legen grundsätzlich Wert darauf, dass Kinder von einheimischen Familien adoptiert werden. Zweitens: Es handelt sich durchweg um traumatisierte Kinder. Sie können ihre Erlebnisse in ihrem eigenen soziokulturellen Umfeld und im Kreis ihrer Verwandtschaft besser verarbeiten, als wenn zu dem entstandenen Trauma noch der Schock eines radikalen Wechsels ihrer Umwelt, ihres Beziehungsfeldes und ihrer Kultur kommt. Drittens: Die Kindernothilfe vermittelt generell keine Adoptionen. Unser Mandat ist es, Kindern in ihrem sozialen Umfeld und ihrer Heimat Lebensperspektiven zu schaffen.
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