Kenia: "The Cradle" - Gegen Kindesmissbrauch

Kindesmissbrauch

Es passiert jeden Tag - es passiert jetzt. Opfer sind Kinder wie Evalyne. Wieder und wieder durchlebt die Elfjährige den Tag, der ihr Leben für immer veränderte. Dass ihre Peiniger vor Gericht gebracht und bestraft werden, dafür kämpft die Kindernothilfe gemeinsam mit der Kinderrechtsorganisation The Cradle.

Foto: R. KrämerHelfen Sie mit - werden Sie Projektpate.

Projekt: The Cradle
Projekt-Nr.: 65201
geförderte Kinder: 950
Projektanteile gesamt: 392

Projektpate
Es geschah auf dem Schulweg
Evalyne (Name geändert) sitzt mit angewinkelten Beinen am Rand ihres Bettes. Das Zimmer ist dunkel. Beschämt schaut sie zu Boden. Ihr Blick ist traurig und leer. Aus dem einst fröhlichen Kind ist ein verschlossenes Mädchen geworden. Die Mutter erzählt von Albträumen. „Es geschah vor ein paar Wochen", sagt sie leise, „am helllichten Tag. Zwei junge Männer aus der Nachbarschaft haben Evalyne sexuell missbraucht. Auf dem Weg zur Schule haben sie ihr aufgelauert. Sie hatte keine Chance zu entkommen."

Evalyne braucht Hilfe
Millie Odhiambo-Mabona ist Direktorin der Kinderrechtsorganisation The Cradle, die sich für missbrauchte und misshandelte Kinder in Nairobi einsetzt. Sie erklärt: „Je auswegloser ein Kind die Situation erlebt, desto gravierender sind die Folgeschäden. Die Erfahrungen von völliger Ohnmacht, Hilflosigkeit und Schwäche zerstören das seelische Gleichgewicht, Selbstwertgefühl und Urvertrauen der Kinder. Betroffene Mädchen wie Evalyne brauchen dringend Hilfe."

Eltern nehmen Schweigegeld
Missbrauch und Gewalt an Kindern nehmen in Kenia stetig zu. Besonders betroffen sind Mädchen und junge Frauen. Die Täter - 98 Prozent sind männlich - stammen häufig aus dem sozialen Umfeld der Opfer: Väter, Brüder, Lehrer, Nachbarn. Die Kinder sind ihren Peinigern oft über Monate und Jahre hinweg hilflos ausgeliefert. „Die Täter nutzen das Vertrauen schamlos aus", sagt Millie. „Kinderseelen sind zart und zerbrechlich. Sie werden auf diese Weise ganz systematisch zerstört."

Von einer Anzeige sehen viele Familien ab. „In Kenia gilt Missbrauch vielerorts immer noch als Kavaliersdelikt", versucht Millie zu erklären. „Die Täter zahlen den Eltern sogar Schweigegeld. Von einer Straftat, einem brutalen Verbrechen, ist hier nicht die Rede." Hinzu kommt die Angst der Familien vor Rache und Vergeltung. „Evalynes Vater bekam sogar Morddrohungen." So bleiben viele Gewalttaten unentdeckt, die Täter auf freiem Fuß, die Opfer allein.
Die Kindernothilfe setzt sich gemeinsam mit der Organisation The Cradle für missbrauchte und misshandelte Kinder ein.

Foto: R. KrämerzoomDie Kinder erhalten direkten Schutz. Foto: Ralf Krämer Täter vor Gericht (Proj. 65201)
The Cradle heißt übersetzt die Wiege. Direktorin Millie Odhiambo-Mabona berichtet: „Nahezu täglich erfahren wir von neuen Missbrauchsfällen. Wir befreien die Kinder aus der Gefahr und bringen sie in Schutzzentren unter. Dort werden sie medizinisch behandelt und - das ist besonders wichtig - psychologisch betreut. Andernfalls", weiß Millie, „können Kinder das Erlebte nicht verarbeiten und durchleben das Martyrium wieder und wieder." The Cradle bringt Fälle wie den von Evalyne vor Gericht: „Wir arbeiten mit erfahrenen Rechtsanwälten, die die Kinder juristisch vertreten. Evalyne wurde ganz behutsam auf die Verhandlung vorbereitet."

Brutales Verbrechen
Um die Öffentlichkeit für das Thema zu sensibilisieren, veranstaltet The Cradle Radiosendungen und Workshops für Eltern, Lehrer und Polizei. Immer häufiger berichten auch die Medien über verurteilte Straftäter. „Das hat warnende Wirkung und verurteilt Kindesmissbrauch endlich als brutales Verbrechen." Langsam findet ein Umdenken statt. Auch in den Familien. Millie: „Damit immer mehr Fälle ans Tageslicht kommen, haben wir in Schulen Briefkästen aufgestellt. Die Kinder schreiben auf, was sie erleben und beobachten."

The Cradle hat im letzten Jahr über 700 Fälle vor Gericht gebracht. Evalynes Peiniger wurden verurteilt. Erfolge, die Mut machen, besonders den Kindern.

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