Es ist, als ob die Zukunft vor den Augen der Lebenden stirbt: In vielen Dörfern Malawis leben fast nur noch Alte und Kinder. Die Eltern sind an Aids gestorben, 650 000 Aidswaisen im ganzen Land zurückgelassen. Der Kindernothilfe-Partner Stephanos Foundation Trust unterstützt 76 Dörfer im Chileka-Tal. Er setzt dabei auf die Bewohner: Die Gemeinschaft übernimmt nach und nach die Fürsorge für Waisen, Witwen und Kranke. Die Gesundheitsversorgung verbessert sich und viele Menschen können wieder von Ernten und Einkünften leben. Von der Projektarbeit profitieren mehr als 2000 Kinder (Projekt 62150/AA/12).
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Stichwort: Z57200, Malawi, Dorfentwicklung
Situation vor Ort
Das Chileka-Tal liegt nordwestlich der Hauptstadt Blantyre. Die Menschen, die dort leben, kämpfen gegen viele Widerstände. Es regnet kaum. Niemand weiß, ob der Ertrag der Gärten und Felder ausreicht, um nicht hungern zu müssen. Es gibt kaum Krankenhäuser und Schulen - und wenn, dann gelangen die Menschen nur schwer dorthin. Der schlimmste Feind ist jedoch das HI-Virus. In Malawi sind rund 11 Prozent aller Erwachsenen mit dem Virus infiziert. Die Pandemie hat die Dorfgemeinschaften zerstört: Viele Eltern sind gestorben und haben ihre Kinder allein zurückgelassen. Die wenigen Gesunden müssen für immer mehr Kinder, Alte und Kranke sorgen.
Das Projekt
Das wichtigste Element der Arbeit sind die Menschen vor Ort. Mit Unterstützung des Kindernothilfe-Partners schaffen sie es nach und nach, die Situation in ihren Dörfern dauerhaft zu verbessern. In 22 Komitees in der Region haben sich die Bewohner organisiert. Einige Mitglieder bilden jeweils kleinere Gruppen, die sich um einen der Projekt-Schwerpunkte kümmern: Gesundheit, Bildung, Landwirtschaft und Einkommen schaffende Maßnahmen.
Mitarbeiter des Kindernothilfe-Partners schulen die Mitglieder der Gruppen. Das Gesundheits-Unterkomitee erhält Training in erster Hilfe, HIV/Aids Aufklärung und Beratung sowie häuslicher Krankenpflege. Die Mitglieder können danach beurteilen, ob ein Kind krank ist und ob es in ein Krankenhaus muss. Sie überwachen auch die Behandlung der an Aids erkrankten Kinder, die die lebenserhaltende Anti-Retrovirale Therapie bekommen.

Gemeinsam sorgen Frauen eines Dorfes für die Kinder. Foto: Jörg Lichtenberg
Das Landwirtschafts-Unterkomitee lernt, wie die Menschen ihre Felder und Gärten so bewirtschaften können, dass sie trotz des Wassermangels ernten können. In Kursen erfahren die Mitglieder, wie sie Schädlinge bekämpfen, ihr Saatgut vermehren, Felder bewässern und Kleintiere züchten. Außerdem erfahren sie, wie man den Boden nutzt, ohne ihn auszulaugen. Nur so ist sicher, dass einer reichen Ernte nicht ein Jahr mit spärlichem Ertrag folgt.
Die Komiteemitglieder beurteilen, welche Familien Unterstützung benötigen, organisieren die Bestellung der Gemeinschaftsgärten. Außerdem organisieren sie ein Kreditprogramm: Sie vergeben Kleinkredite, mit denen sich Familien Saatgut, Werkzeuge oder Baumaterial kaufen können. Dank des Kredites schaffen es die Menschen, wieder für sich selbst zu sorgen.
Das Bildungs-Unterkomittee fördert die Einrichtung von Kindertagesstätten und setzt freiwillige Lehrer ein, die vor dem Einsatz geschult werden. Die Dorfbewohner bauen unter Anleitung der Komitee-Mitglieder Tagesstätten. Freiwillige kochen MAhlzeiten für besonders Bedürftige.

Auch Jugendliche helfen mit, das Dorfleben zu verbessern. Foto: Jörg Lichtenberg
Jugendliche, die sich für einen Berufsausbildungskurs bei Stephanos eignen, werden vom Komitee ausgewählt. In jedem Dorf werden Jugendgruppen gebildet und in die Komiteeaktivitäten eingebunden. Sie helfen zum Beispiel bei Aufklärung über HIV/ Aids oder bei der häuslichen Krankenpflege. Weitere Freiwillige werden als Lehrer ausgebildet. Sie organisieren dann Kurse, in denen Erwachsene Lesen und Schreiben lernen. Nur wer das kann, bekommt einen Kleinkredit.
Das Ergebnis der Arbeit im Chileka-Tal: Die meisten Kinder gehen zur Schule - darauf achten die Komitee-Mitglieder. Die Gesundheitsvorsorge verbessert sich, Ernte und Einkommen steigen dank der Schulungen und Kreditprogramme. Kleinkinder werden in Tagesstätten sinnvoll betreut, so können die Eltern arbeiten. Die Tagesstätten entwickeln sich zu Dorfzentren, in denen auch die Erwachsenen lernen, zum Beispiel lesen und schreiben.
Und: Die Menschen beginnen, einen Weg aus der Armut zu sehen und übernehmen Verantwortung für ihre Dörfer.
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