Spielzeug-Ausleihe

Spielend zum Schulerfolg

In Südafrika stellt eine kleine Hilfsorganisation Kindern in Townships Spielzeug zur Verfügung. So lernen die Kinder das, was sie brauchen, um später in der Schule erfolgreich sein zu können.

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Im Spielzentrum ist jede Menge los: Da legen zwei Kinder ein Puzzle zusammen, in einer Ecke wird gerade ein Turm zum Einsturz gebracht und mitten im Zimmer eine Puppenfamilie bekocht. Die jüngsten Kinder sind gerade mal ein Jahr alt, die ältesten kommen bald in die Schule. Drei Vormittage in der Woche hat das Spielzentrum in dem Township vor den Toren der südafrikanischen Universitätsstadt Grahamstown geöffnet. In dem bunt bemalten, großen Raum finden Townshipkinder Spielsachen, die sich ihre Eltern niemals leisten könnten. Denn für so einen „Luxus" wie Spielsachen haben die meisten Menschen in den Townships einfach kein Geld - hier ist jeder froh, wenn er überlebt.

Spielsachen sind kein Luxus, sondern sehr wichtig für die Entwicklung
Dabei sind Spielsachen kein Luxus, sondern sehr wichtig: „Die Kinder entwickeln beim Spielen die Fähigkeiten, die sie später brauchen, um in der Schule Erfolg zu haben. Wer als kleines Kind nicht lernt, seine Finger zu  Foto: Christian NuschSie freuen sich über den Einkauf neuer Spielsachen: Ida Khwababai (l.) und Cathy Gush. Foto: Christian Nusch koordinieren, wird es später schwer haben, einen Stift zu halten und damit zu schreiben", erklärt Cathy Gush den Ansatz des Centre for Social Development. Sie ist die Leiterin der kleinen Hilfsorganisation, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Vorschulkindern zu helfen. „Dies ist die frühste mögliche Stufe, um mit Bildung anzufangen. Und es ist die wichtigste Stufe, denn in dieser Phase werden die Grundlagen gelegt."

Vatiswa Jony zeigt gerade einer jungen Mutter, wie sie ihrer zweijährigen Tochter helfen kann, dreieckige Spielsteine durch dreieckige Löcher zu schieben. Die 35-Jährige hat selber drei Kinder und ist die Vorsitzende der achtköpfigen Frauenselbsthilfegruppe, die das Spielzentrum betreibt. „Wir haben an unseren eigenen Kindern gesehen, wie viel sie über das Spielen gelernt haben und wie viel leichter ihnen nachher in der Schule alles fiel", erzählt sie. „Deshalb fanden wir die Idee, ein Spielzeugzentrum zu betreiben, großartig." Untergebracht ist das Projekt in einem hübsch bunt bemalten Haus, das in dem grauen Township nicht zu übersehen ist. Das Geld für dieses Zentrum kommt von Spendern der Kindernothilfe, die Arbeit darin leisten die Frauen ehrenamtlich. Die Frauen der Selbsthilfegruppe wurden vom Centre for Social Development geschult und übernehmen inzwischen die Verantwortung für das Spielzeugzentrum weitgehend selber.

Spielzeugausleihe in Grahamstown - Centre for Social DevelopmentzoomWeil die Mutter an diesem Tag verhindert war, kam der Vater mit ins Zentrum, um mitzuhelfen. Foto: Christian Nusch Eltern müssen lernen, wie wichtig Spielen für ihre Kinder ist
Vatiswa Jony und den anderen ist das Projekt ein großes Anliegen: „Wir wollen unseren Kinder die Chance geben, in der Schule und damit auch später im Leben erfolgreicher zu sein, als wir es je werden konnten. Deswegen tun wir alles, um sie so gut wie möglich zu fördern." Mit dieser Einstellung sind die Frauen in ihrem Township Pioniere. Sie leben in einer Welt, in der viele durch Arbeitslosigkeit und Alkohol abgestumpft sind. Es ist hier alles andere als selbstverständlich, dass sich Eltern intensiv mit ihren Kindern beschäftigen. Außerdem wissen viele Eltern gar nicht, wie wichtig es ist, dass Kinder mit anregenden Sachen spielen und Dinge ausprobieren können - viele glauben, die Kinder würden später schon alles Wichtige in der Schule lernen. Deshalb richtet sich das Spielzentrum ausdrücklich nicht nur an die Kleinen, sondern auch an ihre Eltern. „Wir ermutigen die Eltern, mit ihren Kindern zu spielen und zu reden um ihre Sprachfähigkeit zu verbessern", erzählt Vatiswa Jony. „Und wir zeigen den Eltern, wie sie kreativ mit den Kindern spielen und wie ihre Kinder spielend wichtige Dinge lernen können." Außerdem werden Workshops veranstaltet, in denen die Eltern lernen, wie sie selber mit einfachen Mitteln Spielzeug basteln können.

Spielzeugausleihe in Grahamstown - Centre for Social DevelopmentzoomFür diese Kinder etwas bisher ganz Ungewohntes: viele schöne, bunte Sachen zum Spielen. Foto: Christian Nusch Durch die Ausleihe profitieren viele Kinder
Die Kinder können mit den Sachen nicht nur im Zentrum spielen. „Weil es sich hier niemand leisten kann, für zu Hause Spielzeug zu kaufen, kamen wir auf die Idee, es zu verleihen", erklärt Vatiswa Jony. „Das funktioniert wie in einer Bücherei. Die Eltern können die Puzzles und Geschicklichkeitsspiele mit nach Hause nehmen und dann zurückbringen, wenn sie für ihre Kinder uninteressant werden. So können sehr viele Kinder von den Spielsachen profitieren."

Die Frauen opfern dem Spielzeugzentrum ihre gesamte Freizeit. Es gibt viel zu tun: Die Spielsachen müssen bei all der intensiven Beanspruchung in Schuss gehalten, der Raum aufgeräumt und geputzt werden, diejenigen, die lesen können, führen Buch darüber, wer gerade welches Spielzeug ausgeliehen hat. Und eine Mutter, die nicht lesen kann, ist fest entschlossen, es gemeinsam mit ihren Kindern zu lernen.

Die Frauen aus dem Township sind stolz auf ihre Arbeit
Die ehrenamtliche Arbeit der Frauengruppe zeigt erste Erfolge: Rund 500 Kinder aus 75 Familien kommen regelmäßig hierher. Sie lernen zählen und malen Bilder, ziehen Puppen an und aus und lassen kleine Autos Wettrennen fahren. „Wir sind sehr stolz darauf, dass wir so vielen Kindern helfen können", meint Vatiswa Jony und kann selber kaum glauben, dass sie, einfache Frauen aus dem Township, so etwas zustande gebracht haben. So hilft das Zentrum nicht nur den Kindern. Es stärkt auch die Mitglieder der Frauengruppe, indem es ihnen das Selbstbewusstsein vermittelt, etwas Wichtiges zu leisten.

Katharina Nickoleit, freie Journalistin

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