Kinder im Kampf gegen Hunger

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Die Familien im Masaka-Distrikt in Uganda müssten genug zu Essen haben. Eigentlich. Der Boden ist fruchtbar. Eigentlich. Doch wie man ihn ertragreich bestellt, weiß dort niemand. HIV/Aids hat die Eltern aus dem Leben gerissen. Zurück bleiben die Kinder - verzweifelt, mangelernährt und ohne Wissen darüber, wie sie das kleine Stückchen Land bestellen sollen. Was bleibt, ist der Hunger. (Projektnr. 66111AW)

Mehr als drei Viertel der ugandischen Bevölkerung lebt von der Landwirtschaft. Viele sind Selbstversorger. Doch mit ihren Ernten können sie kaum die eigene Familie ernähren. Die traditionellen Anbaumethoden reichen nicht mehr, um dem Boden noch genügend Erträge abzuringen. Biologische Landwirtschaft oder Wassermanagement kennen die Farmer nicht Einseitiger Anbau von Kochbananen, Mais, Bohnen und Maniok führt zur Auslaugung des Bodens und zur Mangelernährung der Familien. Zusätzlich verschlechtert der Klimawandel die Situation. Die Niederschläge werden immer weniger. Um die Felder zu bewässern fehlt es an gesicherter Wasserversorgung. Ein großes Problem ist, dass viele Männer und Frauen mit HIV infiziert oder an Aids erkrankt sind. Die Krankheit führt zunächst zu einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit und später dazu, dass die Eltern gar nicht mehr arbeiten können. Landwirtschaft und Tierhaltung leiden darunter oder müssen sogar aufgegeben werden. Die Kinder können nicht mehr ausreichend ernährt werden. Sterben die Eltern, bleiben die Kinder meist allein zurück und müssen zusehen, wie sie sich versorgen.

Text folgt. Foto: Alexander Volkmann, Thüringer AllgemeinezoomKinder tragen in Uganda bereits früh viel Verantwortung. Foto: Alexander Volkmann / Thüringer Allgemeine

Schwere Last auf Kinderschultern
Als Rebeccas* Vater an Aids starb, war sie zwölf Jahre alt. Ihre Mutter war ebenfalls erkrankt und nicht mehr in der Lage, ihre Familie zu versorgen. Nun musste Rebecca sich um ihre sieben kleinen Geschwister kümmern. Es lag an ihr, dass etwas zu Essen auf den Tisch kam. Rebecca musste deshalb nach der siebten Klasse die Schule verlassen. Sie war verzweifelt. Das Geld reichte hinten und vorne nicht für vernünftiges Saatgut und richtiges Werkzeug, um das kleine Stück Land der Familie zu bestellen. Rebecca wusste auch nicht, wie das geht. Ihr Vater hatte durch seine Krankheit nicht mehr die Möglichkeit, ihr das notwendige Wissen weiterzugeben. Durch einseitige Bepflanzung wurde der Boden unfruchtbar und bald wuchs kaum noch etwas, dass die Familie ernähren konnte. Der Hunger war von nun an ein alltäglicher Begleiter. Helfen konnte den Geschwistern niemand, denn in ihrem Dorf in der Nähe von Masaka leben fast nur noch Kinder und alte Menschen. Die ein großer Teil der mittlere Generation ist an Aids gestorben. Die Mangelernährung fordert ihren Tribut. Die Abwehrkräfte der Kinder sind extrem geschwächt. Dadurch sind sie krankheitsanfällig und werden immer wieder durch schwere Malaria-Epidemien bedroht. Weit ab von ausgewogener Ernährung und gesicherter Wasserversorgung ist jeder Tag für Rebecca und ihre Geschwister ein Kampf ums Überleben.

Farmschulen-Projekt
15 Dorfgemeinschaften wollen mit Unterstützung der Kindernothilfe die Situation der Kinder und Jugendlichen verbessern. Das Kitovu Mobile Farmschulen-Projekt ermöglicht es, 500 Waisen und Halbwaisen eine Ausbildung in Farmschulen zu machen. Die mobilen Schulen bleiben vier Jahre vor Ort, bis sie ins nächste Dorf ziehen. Die Kinder lernen, wie nachhaltige Landwirtschaft funktioniert. Sie sollen nicht nur sich selbst, sondern auch ihre Gemeinschaft ernähren können.

Farmschüler arbeiten in ihren Schulgärten. Foto: Alexander Volkmann, Thüringer AllgemeinezoomFarmschüler arbeiten in ihren Schulgärten. Foto: Alexander Volkmann, Thüringer Allgemeine Endlich lernen
Rebecca schöpft neuen Mut. Sie darf in die Farmschule gehen. Dort bekommt sie eine vierjährige Ausbildung in biologischer Landwirtschaft. Nun lernt sie alles über Saatgut, Tierzucht und Wassermanagement, bis hin zu Lebensmittellagerung und Hygiene. Es werden Schulgärten angelegt, in denen die Schüler verschieden Anbaumethoden kennenlernen. Außerdem erfahren sie, wie sie Gemüse anbauen können, ohne auf größere technische Hilfsmittel oder chemischen Dünger zurückgreifen zu müssen. Für die Zeit des Blockunterrichts kann Rebecca in der Schule schlafen und bekommt ausreichend zu Essen. Auch Lehrmaterial und Schuluniform werden gestellt. „Mir gefällt besonders, dass die Lehrer uns auch zu Hause besuchen", erzählt Rebecca. „Dann schauen sie, ob wir das Gelernte richtig anwenden und geben uns Ratschläge, wo wir noch etwas verbessern können."

Der Schüler wird zum Lehrer
Zu Hause beginnt Rebecca, Gemüse, Obst und andere Nutzpflanzen anzubauen. Schnell stellen sich Erfolge ein. Die Nachbarn staunen und beginnen, sich für die verbesserten Anbaumethoden zu interessieren. Rebecca und ihre Mitschüler geben ihr Wissen weiter. Andere Dorfbewohner beginnen ebenfalls mit den neuen Methoden. Schon bald wirft der Anbau genug ab, um die Familien zu ernähren.

Nicht mehr allein
Auch nach Ende der Ausbildung werden die ehemaligen Schüler betreut. Bereits im letzten Ausbildungsjahr gründen sie Gruppen, die nach dem Abschluss an der Schule fortbestehen. Durch die Gemeinschaft können sie Geld zurücklegen und bei Bedarf Kredite aufnehmen. Die Projektmitarbeiter stehen immer mit Rat und Tat zur Seite und begleiten sie intensiv auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit. Stark in der Gemeinschaft. Foto: : Alexandra HönerzoomStark in der Gemeinschaft. Foto: Alexandra Höner

Gestärkt ins Leben
In den Farmschulen ist die medizinische Versorgung und die psychologische Betreuung der Schüler ein wichtiger Aspekt. Viele von ihnen sind von HIV/Aids betroffen und werden behandelt. Den vielfach traumatisierten Jugendlichen stehen Therapeuten zur Seite, die ihnen helfen, den Tod von Familienmitgliedern oder die Angst vor der eigenen Krankheit zu bewältigen. Rebeccas Großmutter nimmt nun auch an Seminaren teil. Dort lernt sie viel über HIV/Aids-Prävention und wie sie ihre Enkelkinder aufklären und schützen kann. Aber auch die Themen Kinderbetreuung und Kinderrechte werden behandelt. „Ich habe erkannt, dass meine Enkel meine Hilfe brauchen", sagt die Großmutter. „Ich möchte, dass sie ein gutes Leben haben."

Bitte helfen Sie mit Ihrer Spende 15 Dorfgemeinschaften zu ernähren. Ermöglichen Sie den Jugendlichen und ihren Familien in Masaka ein selbstbestimmtes und gesundes Leben. 

* Name geändert


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