Indien: Kinder mit Behinderungen

Ausgegrenzt - Kinder mit Behinderungen in Indien

Eine Belastung, ein Störfaktor in der Familie zu sein - dieses Gefühl haben viele Kinder mit Behinderung in Indien. Sie werden versteckt, erfahren keine Förderung und keinen Zuspruch. Die Kindernothilfe unterstützt ein Projekt in Trivandrum, dass die Mädchen und Jungen in ihrer Selbständigkeit fördert. Helfen Sie mit einer Spende oder einer Patenschaft! 

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Störfaktor
Raju leidet seit seiner Geburt unter zerebraler Lähmung. Seine Beine sind durch eine Spastik steif, er kann nicht laufen. Nur mit Hilfe von Beinschienen kann er sich einigermaßen aufrecht halten. Seine Arme gehorchen ihm auch nicht. Die einfachsten alltäglichen Dinge, wie ein Hemd anziehen, kann er nicht alleine bewerkstelligen. Sein Vater ist Tagelöhner und oft von zu Hause weg. Wenn er da ist, will er Raju nicht sehen. „Nimm ihn aus meinen Augen!" schreit er dann seine Frau an. Also versteckt sie den Sechsjährigen. Da Raju noch fünf Geschwister hat, ist er oft sich allein überlassen. Zur Schule geht er nicht. Es gibt in der Nähe keine Schule, die ihn aufnehmen würde.

Ein Leben voller Hindernisse
Vielen Kindern mit Behinderung geht es ähnlich wie Raju. Sie werden als Belastung für die Familien gesehen, weil sie sich nicht allein versorgen können. Vor allem die Väter können mit ihnen nichts anfangen. Die Kinder sind in ihren Augen schwach und eine Strafe. Dadurch, dass sie oft stark in ihrer Bewegung eingeschränkt sind, können die Kinder das Haus nicht verlassen. Am sozialen Leben nehmen sie kaum Teil. Ihre Lage wird häufig durch die Armut der Familie verschlimmert. Ist ein Kind behindert, können die Mütter meist nicht arbeiten. Das zweite Einkommen fehlt, also auch Geld für gesundes Essen. Die Kinder sind dann oft mangelernährt, was ihren Grundzustand noch verschlimmert. 

Kinder mit Behinderungen dürfen endlich zur Schule gehen. Foto: KindernothilfepartnerzoomKinder mit Behinderungen dürfen endlich zur Schule gehen. Foto: Kindernothilfepartner Eingliederung: Mangelhaft
Auch wenn es von Seiten der indischen Regierung Bestrebungen gibt, behinderte Kinder in Regelschulen einzugliedern, ist das in der Realität schwer umsetzbar. Es gibt an den Regelschulen keine besonders ausgebildeten Lehrer, die Gebäude sind nicht behindertengerecht und der Unterricht wird nicht inklusiv gestaltet. Wozu die Kinder geistig wirklich in der Lage sind, bleibt verborgen.

Ein Leben miteinander
Kindernothilfe fördert in Trivandrum ein Rehabilitationszentrum ihres Partners CCCYC für Kinder mit Behinderung. „Es ist wichtig, die Behinderung der Kinder frühzeitig zu erkennen", sagt Verena Degens, Kindernothilfe Projektkoordinatorin für Indien. „Wenn früh mit einer Behandlung begonnen wird, können Folgeprobleme vermieden werden."

Das Laufen lernen am Barren verhilft den Kindern zu einem Stückchen Freiheit. Foto: Christoph EngelzoomDas Laufen lernen am Barren verhilft den Kindern zu einem Stückchen Freiheit. Foto: Christoph Engel Rundum versorgt
Das Zentrum bietet eine ambulante Versorgung. Die Kinder lernen in der Physiotherapie trotz einer Lähmung oder Spastik, zu laufen und sich normal zu bewegen. Die Therapeuten üben mit den Kindern, alltägliche Dinge alleine zu schaffen, etwa sich ein Hemd zuknöpfen. Eine Sprachtherapie hilft, sprachliche Einschränkungen abzuschwächen. Auf Bildung wird großer Wert gelegt. Die Sozialarbeiter des Projektes sorgen dafür, dass die Jungen und Mädchen eine Regelschule besuchen können, in der der Unterricht auch auf sie abgestimmt ist. So wird ihnen nicht nur ein guter Schulabschluss ermöglicht, sondern sie wachsen als Mitglied der Gesellschaft auf. Kinder mit Lernschwierigkeiten werden im Projekt unterrichtet.

Großer Schritt
Ein Sozialarbeiter kam in Rajus Dorf und erreichte, dass seine Mutter ihn ins Zentrum brachte. Das Projekt kam für eine Operation an seinen Beinen auf, durch die seine Motorik verbessert wurde. Nun erhält er eine Physiotherapie und macht große Fortschritte. Mittlerweile kann Raju einige Treppen steigen und sogar alleine zur Toilette gehen. Nun ist er nicht mehr in allem auf seine Mutter angewiesen. Wichtig ist, auch die Väter mit einzubeziehen. „Sobald die Väter sehen, dass ihre Kinder wirklich was können, unterstützen sie unsere Arbeit", erklärt Verena Degens. „Im besten Fall machen sie sogar Übungen mit den Kindern zu Hause." Rajus Vater sieht seinen Sohn mit anderen Augen: „Raju ist schon richtig selbständig. Ich hätte nie gedacht, dass er das kann!"

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