Die Kindernothilfe hat bis Januar 2006 rund 17 Millionen Euro für die Opfer des Tsunamis gesammelt, aber erst 7,2 Millionen Euro an die Partner in Südostasienüberweisen. Warum ist noch nicht mehr Geld vor Ort angekommen?
Derzeit laufen Projekte, die wir über einen längeren Zeitraum mit insgesamt 12 Millionen Euro finanzieren. Und wir haben bereits die komplette Spendensumme verplant, die jeweiligen Hilfsmaßnahmen stehen schon fest und beginnen in den kommenden Monaten. Wir könnten sogar noch mehr Geld sinnvoll einsetzen. Wir überweisen aber die Gelder aus Deutschland grundsätzlich nicht auf einmal an unsere Partner. Stattdessen verlangen wir Zwischenberichte und Nachweise, dass das ausgezahlte Geld korrekt verwendet wurde. Erst wenn die nächste Phase einer Hilfsmaßnahme ansteht, geben wir die Gelder frei. Dieses Vorgehen dient der Transparenz und dem finanziellen Controlling. Wir wollen damit sichergehen, dass Spenden gut und zielgerichtet eingesetzt werden.
Stichwort „zielgerichtet“: Es gab nach der Katastrophe Kritik an Hilfsorganisation. Da wurden zum Beispiel mehr Boote angeschafft, als ein Dorf benötigte. Wie stellt die Kindernothilfe sicher, dass so etwas bei ihren Projekten nicht geschieht?
Für die Kindernothilfe haben sich solche Probleme nie ergeben. Denn wir arbeiten vor Ort mit erfahrenen Partnern zusammen, die das jeweilige Land und die Kultur genau kennen. Die jeweiligen regionalen Organisationen sind außerdem in Netzwerke eingebunden und können Hilfe deshalb effizient planen und koordinieren. Unser Partner wussten sehr schnell, was die Menschen nach der Katastrophe benötigen und welche Hilfe wo sinnvoll ist. Darüber hinaus war uns wichtig, den Opfern des Tsunamis neuen Lebensmut zu geben und neue, langfristige Perspektiven zu schaffen. Wir haben darum nicht sofort alles Geld ausgegeben, sondern geschaut, was den Menschen auch in Zukunft hilft. Wir haben zum Beispiel beim Wiederaufbau von Dörfern darauf geachtet, dörfliche Strukturen zu schaffen und nicht einfach nur möglichst viel Wohnraum hochzuziehen. Wir haben immer Gemeinschaftshäuser und Schulen mit aufgebaut.
Spenderservice