Die Minenkinder von Potosí

Die Minenkinder von Potosí

Bitte helfen Sie den Minenkinder in Bolivien mit Ihrer Spende. Foto: Kindernothilfe Den Kindern Alternativen bieten. Foto: Kindernothilfe-Partner

Im zweiten Halbjahr 2009 boomte weltweit der Bergbau. Wegen der hohen Nachfrage nahmen viele vormals arbeitslose Minenarbeiter wieder ihre Arbeit auf. Zahlreiche Stollen wurden wieder geöffnet. Die Arbeitszeiten und die körperlichen Anstrengungen der Minenarbeiter stehen meist in keinem Verhältnis zu ihrem Einkommen - ganz zu schweigen von den Risiken, denen sie angesichts der Arbeitsbedingungen ausgesetzt sind.

Um das Überleben der in extremer Armut lebenden Bergarbeiterfamilien zu sichern, sind zunehmend die Frauen und Kinder zur Mitarbeit gezwungen. So werden für die Tätigkeit als Wachleute bzw. Nachtwächter vor allem Frauen eingesetzt. Sie sind für die Maschinen und Werkzeuge verantwortlich, die die Bergleute bei ihnen deponieren - und es wird viel gestohlen. Daher spannen die Wächterinnen vielfach auch ihre Kinder ein und lassen sie die Utensilien der Mine bewachen. Teilweise arbeiten die Frauen und Kinder auch als palliri. So nennt man die Leute, die Gesteinsbrocken aus den Minen mit einfachstem Werkzeug zertrümmern, um Mineralien daraus zu gewinnen. Dies ist körperlich extrem anstrengend und hat gesundheitliche Schäden zur Folge. Doch fehlende Alternativen zwingen die Familien, diese Jobs anzunehmen. Allein in Potosí arbeiten rund 700 Kinder im Umfeld der Minen des Cerro Rico. Einige verrichten sogar bis zu zehn Stunden täglich in arsen- und schwefelhaltiger Atemluft ihr Tagwerk in ungesicherten Schächten. Die Familien werden meist in armseligen Unterkünften aus Lehmziegelmauern und Wellblechdach in unmittelbarer Nähe zur Mine untergebracht. Darunter leiden vor allem ihre Kinder: Sie wachsen in winzigen Räumen auf, direkt neben den Maschinen der Minenarbeiter, neben Werkzeugen und Sprengstoffen, was häufig zu Unfällen führt.

Kinder auf dem Weg zur Arbeit. KindernothilfepartnerzoomKinder auf dem Weg zur Arbeit. Kindernothilfepartner Das Projekt „Wayna Pacha" (Projekt-Nr. 90040)
Die Kindernothilfe unterstützt das Projekt durch ihren Partner CEPROMIN (Centro de Promoción Minera). CEPROMIN ist eine Nicht-Regierungsorganisation, die 1979 zur Förderung und Unterstützung der Bevölkerung in den bolivianischen Minenregionen gegründet wurde. Die Aufgabenbereiche von CEPROMIN sind sehr vielfältig: Neben der Aus- und Fortbildung von Minenarbeitern und Frauenförderungsprogammen engagiert sich die Organisation sehr für effektive und lebensnahe Bildungsprojekte für in Minen arbeitende Kinder und Jugendliche. Kinderarbeit in den Minen von Potosí, BolivienzoomEin Junge bei der Arbeit. Foto: Kindernothilfe-Partner

CEPROMIN fördert durch das Projekt 50 Familien, darunter 150 Kinder und Jugendliche aus den Bergarbeitersiedlungen von Potosí „El Calvario" und „San Cristobal". Die einzelnen Aktivitäten des Projekts finden in pädagogischen Zentren statt. Durch die enge Zusammenarbeit mit Eltern und anderen Institutionen am „Cerro Rico" versuchen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Lebensdingungen der Kinder zu verbessern: durch Ernährung, Gesundheitsfürsorge, Bildungs- und Berufsbildungsangebote. Sie wollen verhindern, dass Kinder in Minen schuften müssen. Darüber hinaus versuchen sie, die Arbeitsbedingungen der Kinder und Jugendlichen, die noch in den Minen arbeiten, zu verbessern.  Potosí zoomDie Kinder erhalten eine ganzheitliche Förderung. Foto: Carola Teitge

Bildung und ganzheitliche Förderung
Die Schulkinder und Jugendlichen werden durch Hausaufgabenhilfe und gezielte Nachhilfe in ihren schulischen Leistungen unterstützt und gefördert. Das Projektpersonal versucht außerdem, durch regelmäßige Schulbesuche und Gespräche mit den Lehrerinnen und Lehrern die schulische Entwicklung zu begleiten und auf Probleme schnell zu reagieren. Eine große Anzahl von Freizeit- und Kulturangeboten soll den Kindern und Jugendlichen eine abwechslungsreiche Alternative zum Minenalltag bieten. Sie können an Ausflügen oder an verschiedenen Musik-, Theater- und Malkursen teilnehmen und Sport treiben. Die Einbindung der Eltern in den Erziehungsprozess ihrer Kinder ist den Projektmitarbeiterinnen und -mitarbeitern sehr wichtig. Die Eltern beteiligen sich an den Freizeitaktivitäten, die vom Projekt für ihre Töchter und Söhne angeboten werden. In regelmäßigen Elternabenden geht es um die Themen Gewalt in der Familie, Alkoholismus, Kinderarbeit, Kinderrechte und vieles mehr. Außerdem bietet das Projekt Alphabetisierungskurse für Mütter und Minenarbeiter an.

-zoomDie Jugendlichen erhalten HIlfe bei der Suche nach einer Ausbildung. Foto: Kindernothilfe Berufliche Förderung
Die Jugendlichen bekommen in den Zentren Hilfe bei der Suche nach einer Ausbildung oder bei der Wiederaufnahme bzw. dem Abschluss ihrer Schulbildung. Die Einrichtung einer „Jobbörse" soll ihnen den Sprung in die Berufstätigkeit erleichtern und ihnen Alternativen zu dem gesundheitsschädlichen Minengeschäft bieten. Im Rahmen des Kurses „Grundelemente für den Start eines eigenen kleinen Geschäfts" ist eine Schneiderinnengruppe entstanden, die eine Nähstube betreibt. Diese ist im Projekt untergebracht. Die Kinder und Jugendlichen lernen auch, wie man ein Gewächshaus betreibt. Sie pflanzen dort Gemüse und verschiedene Hülsenfrüchte an, die sie regelmäßig ernten. Die Produkte werden in der Küche verarbeitet. Es ist ein Erfolgserlebnis für die Kinder, leckere und gesunde Mahlzeiten aus ihren eigenen Produkten zu erhalten.
Darüber hinaus werden sowohl für die Eltern als auch für die Jugendlichen Einkommen schaffende Maßnahmen in Gewinn versprechenden Tätigkeitsfeldern angeboten, so dass sie ihre Einkommensmöglichkeiten erweitern bzw. verändern können. Durch ein Kleinkredit-Programm soll den Familien der Start in die unternehmerische Eigenständigkeit erleichtert werden.

Bilder dürfen wir erst nach Rückspache mit SD verwendenzoomDie Kinder erhalten gesunde Mahlzeiten. Foto: Peter Müller

Gesundheit und Ernährung
In den pädagogischen Zentren erhalten 150 Kinder und Jugendliche täglich eine warme Mahlzeit. Auf diese Weise soll die Mangelernährung vieler Mädchen und Jungen reduziert werden. Hier helfen auch die Mütter mit, die sich zu Gruppen organisiert haben und für die Zubereitung des Essens zuständig sind. In Workshops zum Thema Ernährung lernen sie, ausgewogene Mahlzeiten zuzubereiten. Besonderen Wert wird auf den Gebrauch einheimischer Produkte, wie z.B. der Getreideart „Quinua" gelegt. Zudem werden die Familien in allen Siedlungen medizinisch versorgt. 150 Kinder und Jugendliche werden regelmäßig allgemein- und zahnärztlich untersucht. In Kooperation mit anderen Institutionen bieten die Projektmitarbeiterinnen und -mitarbeiter regelmäßig Veranstaltungen zu Themen wie Familienplanung, Ernährung, Hygiene, Suchterkrankungen, traditionelle Medizin oder über die gesundheitlichen Risiken der Minenarbeit und mögliche Präventionsmaßnahmen an. 60 Kinder und Jugendliche haben an einem Erste-Hilfe-Kurs teilgenommen, und wissen nun, wie z.B. kleine Kratzer und Schnittwunden versorgt werden, oder was bei Magenschmerzen unternommen werden kann.

Arbeit mit den Familien
Alkoholprobleme sowie instabile und von Gewalt geprägte Familienverhältnisse sind unter den Bergarbeiterfamilien weit verbreitet. Aus diesem Grund legt das Projekt großen Wert darauf, Präventions- und Aufklärungsarbeit in diesem Bereich zu leisten. Von Missbrauch und häuslicher Gewalt betroffene Kinder, Jugendliche und Frauen erhalten Unterstützung durch konkrete Hilfsmaßnahmen und professionelle Beratung - ein Angebot in Kooperation mit sozialen Organisationen der Region.

Stärkung der Rechte von Kindern und Jugendlichen
Workshops und Veranstaltungen zu verschiedenen Themenbereichen wie Kinderrechte, Partizipation oder Selbstwertgefühl, stärken und befähigen die Kinder und Jugendlichen vor allem in ihrem näheren Umfeld, aber auch auf Landesebene für ihre Rechte und Interessen einzutreten. Dadurch werden ihr Selbstbewusstsein und ihre kommunikativen Fähigkeiten gefördert.

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