Kindernothilfe-Bolivien feiert zehnjähriges Jubiläum

Kindernothilfe-Bolivien feiert zehnjähriges Jubiläum

Duisburg/Cochambama. (30.07.2010) Mit einer eindrucksvollen Ausstellung, die alle 31 von Kindernothilfe in Bolivien unterstützten Projekte gemeinsam gestalteten, sowie einem Festakt mit viel Prominenz feierte KNH-Bolivia in Cochabamba den zehnten Jahrestag der Gründung des ersten Kindernothilfe-Büros in Lateinamerika im Juli 2000.

10-jähriges Jubiläum Kindernothilfe-Bolivia, KNH-Bolivia: Der Direktor der staatlichen bolivianischen Jugend- und Sozialbehörde, SEDEGES, Dr. Luis Estrada, beglückwünscht Alberto Mosquera zum engagierten Einsatz für die Kinderrechte in Bolivien.zoomDer Direktor der staatlichen bolivianischen Jugend- und Sozialbehörde, SEDEGES, Dr. Luis Estrada, beglückwünscht Alberto Mosquera zum engagierten Einsatz für die Kinderrechte in Bolivien.
Fotos: Jürgen Schübelin
„Wir sind beeindruckt und außerordentlich dankbar dafür", so der für die Auslands- und Programmarbeit verantwortliche Vorstand der Kindernothilfe, Dietmar Roller, in seiner Festansprache, „welchen Beitrag dieses engagierte Team zur Verteidigung und Verbesserung der Kinderrechte in Bolivien und zur Reduzierung und Überwindung von Armut und extremer Armut in diesem Land geleistet hat!"

Vor zehn Jahren hatte der Vorstand der Kindernothilfe entschieden, die - zunächst als Experiment und Piloterfahrung geplante - Gründung einer nach bolivianischem Recht konstitutierte KNH-Schwesterorganisation mit Sitz in Cochabamba anzustoßen. Mit der Leitung des ersten KNH-Büros in Lateinamerika hatte sie den ecuadorianischen Betriebswirt Alberto Mosquera beauftragt.

10-jähriges Jubiläum Kindernothilfe-Bolivia, KNH-Bolivia zoomDie Jugendlichen aus dem KNH-Bolivia-Stipendienprogramm Ayni bereiteten zum Jubiläum eine symbolische Impfkampagnge gegen Gewalt gegen Kinder vor. Auch Kindernothilfe-Vorstand Dietmar Roller entging der Wunderspritze nicht. Für den Psychologen Dr. Jorge Domic, Präsident der Fundación La Paz, einem der wichtigsten Kindernothilfe-Partner in Bolivien, sind folgende „konzeptionellen Wegmarken dieses zurückliegenden Jahrzehnts entscheidend: das gemeinsame Ringen um den Kinderrechtsansatz und die Kindernothilfe-Option, in Bolivien ländliche Gemeinwesenentwicklungsprozesse mit Kindern und Jugendliche im Mittelpunkt voranzutreiben". Kindernothilfe-Bolivia, so Domic in seinem Beitrag vor den 250 Gästen des Jubiläumsfestaktes, „hat damit auch für andere Organisationen Maßstäbe gesetzt und den Weg für einen Paradigmenwechsel freigemacht, indem Kinder und Jugendliche nicht mehr als Empfänger von Hilfeleistungen, sondern als Träger von Rechten und Partner bei der Verwirklichung gemeinsamer Ziele gesehen werden."

Sowohl Jorge Domic als auch Alberto Mosquera erinnerten daran, dass es KNH-Bolivia gemeinsam mit anderen Entwicklungsorganisationen gelungen war, einen wichtigen Beitrag zu der am 25. Januar 2009 per Referendum angenommenen neuen bolivianischen Verfassung zu leisten, indem die Delegierten überzeugt werden konnten, den Kinderrechten in Bolivien Verfassungsrang einzuräumen.

10-jähriges Jubiläum Kindernothilfe-Bolivia, KNH-Bolivia: Mit einem eindrucksvollen, didaktisch interessant gestalteten Stand informierte das Team des KNH-Bolivien-Büros in Cochabamba (hier 6 der 10 Mitarbeiter) über die Arbeit und Bilanz dieser 10 Jahre.zoomMit einem eindrucksvollen, didaktisch interessant gestalteten Stand informierte das Team des KNH-Bolivien-Büros in Cochabamba (hier 6 der 10 Mitarbeiter) über die Arbeit und Bilanz der vergangenen zehn Jahre. KNH-Bolivia begleitet und berät heute 30 verschiedene Projekte in Bolivien mit einem Fördervolumen von rund 1,4 Millionen Euro und rund 5.000 Kindern. Nur noch 64 Prozent all dieser Budget-Mittel stammen aus Duisburg. Die übrigen 36 Prozent kommen aus Fördergeldern des bolivianischen Staates, Drittmitteln - beispielsweise aus Kleinprojekte-Fonds verschiedener Botschaften, lokalen Spenden und Eigeneinnahmen der Projekte. Eine der Besonderheiten der Kindernothilfe-Arbeit in Bolivien - und das machte die große Ausstellung der 30 Projekte in Cochabamba eindrucksvoll deutlich - besteht in einem von Jahr zu Jahr wachsendem Kleinkreditprogramm, das von Frauen und Jugendliche aus fast allen geförderten Einrichtungen getragen wird und bereits über 2.500 Familien beim Aufbau von einkommensschaffenden Maßnahmen und kleinen Wirtschaftsinitiativen unterstützen konnte.

Alberto Mamani (13), Straßenkinderprojekt Sarantañani in La Paz, steuerte mit dem einen eindrucksvollen Vortrag über seine Lebensgeschichte einen der Höhepunkte des Festaktes zum 10-jährigen KNH-Bolivia-Jubiläum bei.zoomAlberto Mamani (13), Straßenkinderprojekt Sarantañani in La Paz, steuerte mit dem einen eindrucksvollen Vortrag über seine Lebensgeschichte einen der Höhepunkte des Festaktes bei. Eine besondere Note erhielt die Festveranstaltung im großen Saal des „Hotel Diplomat", zu der auch hochrangige Vertreter der Regionalregierung von Cochabamba, der Stadtverwaltung und der Kinder- und Jugendrechts-Institutionen gekommen waren, durch die Tatsache, dass fast die Hälfte aller Anwesenden Kinder und Jugendliche aus sämtlichen von der Kindernothilfe in Bolivien unterstützten Projekten waren, die sich mit einer Reihe von eigenen Redebeiträgen an dem Programm beteiligte. So beeindruckte der 13-jährige Luis Alberto Mamani aus dem Straßenkinderprojekt Sarantañani in La Paz die Anwesenden mit einem anrührenden Bericht über seine dramatische Kindheit und das gefährliche Leben auf den Straßen und Plätzen in der Hauptstadt - sowie dem mühsamen Neubeginn unter dem Dach dieses von Kindernothilfe unterstützten Straßenkinder-Schutz- und Integrationsprojektes: „Hätten mich die Sarantañani-Sozialarbeiter nicht von der Straße weggeholt", so der Dreizehnjährige, „wäre ich heute nicht mehr am Leben."

Jürgen Schübelin (zzt. Port-au-Prince, Haiti)

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