Brasilien: Nachts regiert die Angst - Kinder in den Favelas

Nachts regiert die Angst - Kinder in den Favelas Brasiliens

„Noch vor ein paar Jahren hörten wir hier fast jede Nacht Schüsse. Unsere einzige Hoffnung war, dass es niemanden erwischt hat, den wir kennen", erzählen Amanda und ihre Freundinnen Caroline und Joana (Namen geändert) aus dem großen Favela-Bezirk Grande Bom Jardim an der Peripherie der Küstenstadt Fortaleza. „Noch heute fühlt sich hier niemand sicher, jeder hat Angst vor jedem und nachts traut sich kein Mensch aus dem Haus."

Besuch einer Favela. Foto: Jacob StudnarzoomHelfen Sie mit Ihrer Spende!

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Handeln dringend erforderlich

Tatsächlich herrscht in vielen Armenvierteln brasilianischer Großstädte permanent der Ausnahmezustand: Über 50.000 Menschen, oft Jugendliche, sterben jährlich eines gewaltsamen Todes. Eine Situation, die Kindernothilfe zum Handeln zwingt, denn sie ist untrennbar mit der Perspektiv- und Hoffnungslosigkeit der Kinder und Jugendlichen in den Favela-Bezirken verbunden.

Armut hat verheerende Folgen
Viele sehen in der Zugehörigkeit zu einer bewaffneten Straßenbande die einzige Möglichkeit, um zu überleben. Diese Gegenden sind unvorstellbar arm: oft gibt es kein fließendes Wasser, keine Kanalisation, keine Müllentsorgung, keine Elektrizität, keine Gesundheitsposten und keine Polizeistationen. Die Schulen, die hier existieren, leiden unter chronischem Lehrermangel, da viele Lehrer nicht bereit sind, in einer Favela zu unterrichten. Und: Noch immer hungern in Brasiliens Favelas Kinder! Denn oft reicht das Einkommen als Straßenverkäufer, Haushaltshilfen und Recyclingarbeiter nicht aus, um für das Auskommen der Familie zu sorgen.

Zusammenarbeit mit erfahrener Partnerorganisation (Projekt 94904/AA/12)
Schwierige Bedingungen, die einen sehr erfahrenen Partner nötig machen: Diaconia, 1967 in Rio de Janeiro gegründet, setzt seit über 10 Jahren auf die Beteiligung der Betroffenen und insbesondere auch der Kinder. Grundgedanke dabei ist, dass den Menschen geholfen wird, sich zu organisieren, dass sie erkennen, wie unter ihren Bedingungen Selbsthilfe möglich wird und gegenüber Verwaltung und Politik mit einer gemeinsamen Stimme auftreten.

Thema: Besuch der FavelazoomDas Leben in den Favelas ist gefährlich. Fotos: Jakob Studnar "Freunde schießen nicht aufeinander"
Das Ergebnis in bereits von Diaconia betreuten Favelas ist frappierend: ein dramatischer Rückgang von Gewalt- und Drogenproblemen, eine deutliche Verbesserung der Ernährungs- und Gesundheitssituation und eine erhebliche Steigerung des Bildungsniveaus der Favela-Kinder. Insgesamt ein deutlicher Wandel der Atmosphäre: Diaconia gibt den Menschen ihre Würde zurück, sie empfinden sich nicht mehr als aussichtslose Einzelkämpfer, sondern als Teil einer Gemeinschaft, die aufeinander achtet. In einer solchen Umgebung haben Banden, aber auch innerfamiliäre Gewalttäter weniger Chancen. Wichtig wird auch das gemeinsame Erleben sein: Selbst organisierte sportliche und kulturelle Aktivitäten, an denen alle Kinder aus der Favela teilnehmen können, stärken den Zusammenhalt der Menschen und verändern das soziale Klima in den Armenvierteln von Grande Bom Jardim. „Freunde schießen nicht aufeinander", sagt Amanda.

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