Chile

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„Hier ist so vieles kaputt, es ist unglaublich, was dieses Beben aus Chile gemacht hat." Betroffen berichtet unser Chile-Koordinator Jose Horacio Wood seit Tagen am Telefon, wie es um sein Land steht. Jedes Telefonat offenbart neue Schäden und spiegelt die wachsende Verzweiflung.

Kinder im Zentrum der Hilfe
Nach dem Erdbeben kümmern wir uns zusammen mit unserer Partnerorganisation ANIDE in erster Linie um traumatisierte Kinder und Jugendliche. Die Mädchen und Jungen haben viele schreckliche Erlebnisse zu verarbeiten. Sie leiden zusätzlich unter dem Stress und der Angst der Erwachsenen vor Gewaltausbrüchen und Vandalismus auf den Straßen.

Schreckliches Ausmaß
Jose Horacio Wood ist unterwegs von Stadt zu Stadt und besucht die von uns unterstützten Projekte. In vielen Städten ist jedes zweite Haus zerstört, manche Dörfer gibt es nicht mehr. Es ist ein Wunder, dass angesichts des fünftstärksten Bebens, das jemals gemessen wurde, nicht noch mehr Menschen zu Schaden gekommen sind. Aber die vorläufige Bilanz ist auch so erschreckend genug: Über 500 Menschen hat das Beben und der nachfolgende Tsunami in den Tod gerissen, zehntausende Häuser sind zerstört und die Infrastruktur ist in weiten Teilen des Landes lahmgelegt. Straßen, Brücken, Strom-, Wasser- und Telefonleitungen sind unterbrochen.

Menschen unter Schock
Die Menschen in Chile stehen unter Schock. Und sie haben Angst. Kurz nach dem Beben zogen Banden durch Städte plünderten Supermärkte und machten auch vor Privathäusern nicht halt. Wer das Beben überlebt hatte, musste um sein Hab und Gut fürchten und konnte nirgends etwas Essbares finden. Aus der Leitung floss kein Wasser, der Strom blieb weg und die längste Zeit des Tages durfte niemand auf die Straße. Um die Gewalt einzudämmen, galt eine rigorose Ausgangssperre zwischen 18 Uhr und 12 Uhr des folgenden Tages. Immerhin wurden ab dem dritten Tag nach dem Beben Nahrungsmittel und Wasser vom Militär verteilt.

Nach dem Erdbeben in Chile: Kinder aus dem KNH-Partnerprojekt "Hermanos en Cristo" im sogenannten Barrio Norte von Concepcion, deren Haus zusammengestuerzt ist, in einem Notquartier. Foto: Jürgen Schübelin.Kinder aus unserem Partnerprojekt "Hermanos en Cristo", deren Haus zusammengestürzt ist, in einem Notquartier. Foto: Jürgen Schübelin. Kinder besonders betroffen
Gefangen auf engem Raum und umgeben von extrem gestressten Eltern ist die Zeit nach dem Beben für die Kinder besonders belastend. Sie können nicht verarbeiten, was um sie herum passiert, ihre Eltern sind überfordert. Hier tut es gut, dass einige unserer Partnerorganisationen wieder angefangen haben zu arbeiten. In mehreren vom Beben betroffenen Städten läuft über unsere Partnerorganisationen seit dem 8. März ein Notprogramm, um die Kindern für ein paar Stunden am Nachmittag zu betreuen. Hier können sie mit anderen Kindern spielen, werden von psychologisch geschulten Betreuern umsorgt und können ein wenig das Chaos um sie herum vergessen.

Nach dem Erdbeben in Chile: Kinder aus der kleinen Zeltlager-Stadt vor dem Notkrankenhaus von Lota, der Escuela Thompson, beim Spielen. Foto: Jürgen SchübelinKinder aus der kleinen Zeltlager-Stadt vor dem Notkrankenhaus von Lota. Foto: Jürgen Schübelin. Viele Projekte betroffen
Manche Gebäude sind nur leicht beschädigt, andere aber komplett zerstört. Als Jose Horacio Wood in der Küstenstadt Lo Rojas ankam, war er erleichtert, dass die Projektmitarbeiter und die Kinder überlebt hatten, doch das Gebäude mit Kindertagesstätte und Schulkinderbetreuung, das Zuhause des Projekts „El Pescador", gibt es nicht mehr. Ein Drama für die bitterarme Gegend hier, schließlich hilft die Einrichtung seit vielen Jahren, dass die Jugendlichen einen Schulabschluss erreichen. Genauso schlimm sieht es in unserem Projekt „Loida" in der benachbarten Stadt Coronel aus. Auch hier sind alle Gebäude der Tagesstätte zerstört, viele Mitarbeiter obdachlos. Wo sollen jetzt die 125 Kinder, vom Baby bis zum Berufsschüler, hin? Wie geht es weiter? Jose Horacio konnte erst einmal keine Antworten geben. Aber dass es weiter gehen wird, konnte er versichern.

Nach dem Erdbeben in Chile: Pastor Hugo Nuñez aus dem Kindernothilfe-Projekt Escuela Especial in Talca vor den Ruinen seines Hauses - unter den Trümmern befindet sich der zerstörte Schulbus für die Beförderung der Kinder mit Behinderungen aus diesem Projekt. Foto: Jürgen Schübelin.Pastor Hugo Nuñez aus unserem Projekt "Escuela Especial" vor den Ruinen seines Hauses - unter den Trümmern befindet sich der zerstörte Schulbus für die Beförderung der Kinder mit Behinderungen. Foto: Jürgen Schübelin.

Vorläufige Bilanz
Wir arbeiten seit 1969 in Chile und fördern dort zusammen mit unseren Partnern über 3.000 Kinder. Wir unterstützen Tagesstätten, Förder- und Rehabilitationsprogramme für Kinder mit Behinderungen sowie gemeinwesenorientierte Arbeit mit Familien in Armenvierteln. Die vorläufige Bilanz: von 24 Projekten sind drei total zerstört (neben den beiden oben erwähnten, das Projekt „La Esperanza" in Talcahuano), 12 weitere wurden leicht bis stark in Mitleidenschaft gezogen. In einer ersten Schätzung beziffert Jose Horacio Wood die benötigten Mittel für Neubau und Reparaturen in all unseren Chile-Projekten auf etwa 500.000 Euro!

Bitte helfen Sie den Kindern und Familien mit Ihrer Spende (Proj. 44448/AF/55).

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Stichwort: Z57376, Erdbeben Chile

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