Kindernothilfe e. V.

Chile

Kindertagesstätte Agüita de la Perdiz

Stabilität im Armenviertel für Kinder und deren Familien - Die Kindertagesstätte in dem Stadtteil Agüita de la Perdiz, in Concepción in Chile, ist ein Ort der Hoffnung für Kinder und Familien. Hier wird in einem schwierigen Umfeld versucht, den Kindern Hilfe zur Selbsthilfe anzubieten und Alternativen zur Kriminalität und zum Leben auf der Straße aufzuzeigen.

Die Autorin des Textes Amelie Sachnik arbeitete von Februar bis November 2009 im Rahmen eines Freiwilligenprogramms in der Tagesstätte (Projekt 92040).

Amelie Sachnik arbeitete von Februar bis November 2009 als Freiwillige in dem ProjektzoomFoto: Kindernothilfe-Partner Situation vor Ort
Die Familien im Stadtteil Agüita de la Perdiz leben auf selbstgerodeten Hügeln direkt am Wald. Die Hütten sind selbsterbaut und bestehen meistens aus Holz, womit auch geheizt wird. Neben der Kälte und Feuchtigkeit in den Häusern, die viele Krankheiten verursachen, ist die Arbeitslosigkeit eines der größten Probleme. Die meisten Eltern suchen Arbeit oder sind auf Tageslohnbasis als Bauarbeiter oder Verkäuferin tätig. Die geringen Einkommen führen oft dazu, dass versucht wird, im Drogenhandel Geld zu verdienen. Zwei Großfamilien des Stadtteils dominieren dieses Geschäft.

Kinder besonders betroffen
Die Situation für die Kinder und Jugendlichen des Stadtviertels ist sehr schwierig. Die staatliche Schule, die kostenlos ist, unterrichtet in den meisten Fächern nur ein Drittel des vorgesehenen Unterrichtsinhaltes, wodurch große Nachteile für die zukünftige Berufslaufbahn entstehen. In vielen Familien kommt es zu häuslicher Gewalt, sodass die Kinder nur ungern nach der Schule nach Hause gehen. Spielraum gibt es im zugebauten Stadtviertel nicht. Den Kindern bleibt nur der Platz auf der Straße, wo sie zwischen Straßenhunden, Drogenabhängigen und Drogendealern spielen müssen. Die einzige Alternative hierzu bietet die Kindertagesstätte der Kindernothilfe.

Kinder basteln in der KindertagesstättezoombFoto: Amelie Sachnik Das Projekt
Die Kindertagesstätte des Stadtteils Agüita de la Perdiz bietet Platz für Kinder und Jugendlichen. Es gibt einen Raum für die Babys und Kleinkinder, einen weiteren für die Kindergartenkinder und ein Programm für die Schulkinder. Die Kleineren verbringen den ganzen Tag in der Kindertagesstätte und bekommen neben einer an den Menschenrechten orientierten Spielraum, auch Frühstück, Mittagessen und Obst angeboten. Sie erlernen spielerisch, respektvoll miteinander umzugehen. Für die Schulkinder, die Teile des Tages in der Kindertagesstätte verbringen, gibt es eine Hausaufgabenbetreuung, um die schulischen Defizite auszugleichen. Außerdem wird ein Freizeitangebot angeboten, dass den Kindern Halt gibt. Durch Aktivitäten im Sport-, Kunst-, und Musikbereich werden verschiedenen Talente der Jugendlichen angesprochen. Hier wird gelernt, sich in Gruppen zurechtzufinden und Freundschaften zu schließen, um sich gestärkt und selbstbewusst den familiären und sozialen Schwierigkeiten zu stellen.

PIC_74848_756x949_756x949_12x75zoomFoto: Amelie Sachnik Kindertagesstätte gibt Hoffnung, Schutz und Stabilität
Die Kindertagesstätte ist in einem neuen Gebäude untergebracht. Es ist das stabilste Gebäude des ganzen Stadtviertels und diese Stabilität ist auch im übertragenem Sinne zu verstehen: Für die Kinder und ihre Familien ist die Kindertagesstätte der Ort, wo sie mit ihren Sorgen und Problemen hinkommen können und Hilfe zur Selbsthilfe erhalten. Besonders für die Kinder ist es ein geschützter Raum zum Reden und zum Kind sein. Aber auch deren Eltern, vor allem alleinerziehende Mütter, suchen oft den Rat bei den Erzieherinnen. Sie fühlen sich angenommen und vertrauen den aufgezeigten Hilfsmöglichkeiten.

Die Erzieherinnen wohnen fast alle im Stadtviertel der Kindertagesstätte und sind hier auch aufgewachsen. Dadurch kennen sie die Nöte der Familien. Sie wurden durch die Kindernothilfe über Aspekte der Menschenrechte geschult und versuchen als Multiplikatoren dieser im Stadtteil tätig zu sein, um Verbesserungen, vor allem für Kinder, zu erreichen. Für die Kinder und Jugendlichen ist die Kindertagesstätte ihre große Chance auf eine Zukunft ohne Drogen und Gewalt. Sie erlernen Alternativen zur Straße kennen, um für ein später geregeltes Berufsleben vorbereitet zu sein und dieses bewältigen zu können.

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