
von links nach rechts: Esther Hinistroza, Christel Riemann-Hanewinckel (MdB), Abigail Vilchez, Michael Schrick (SPD-Fraktion), Abraham Canchanya, María Ramirez und Frank Schwabe (MdB). foto: Schübelin
(Berlin/Duisburg, 26.05.2009) Bundestagsabgeordnete aus verschiedenen Fraktionen sicherten Jugendlichen aus dem peruanischen La Oroya ihre Solidarität und Unterstützung beim Kampf für eine lebenswerte Umwelt in ihrer Heimatstadt zu. Die Heimatstadt der drei Peruaner ist einer der zehn am stärksten mit Umweltgiften kontaminierte Ort der Welt. Die Jugendlichen sind auf Einladung der Kindernothilfe und des ev.-luth. Missionswerkes in Niedersachsen (ELM) zum 32. Evangelischen Kirchentag nach Deutschland gekommen.
Auf Initiative von Christel Riemann-Hanewinckel, Mitglied im Bundestagsausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und im Verwaltungsrat der Kindernothilfe, beschäftigten sich am Montag, 25. Mai, die Abgeordneten Ute Koczy, Sascha Raabe, Jürgen Kucharczyk und Frank Schwabe mit dem Bericht der drei Jugendlichen Abigail Vilchez (16), María Ramirez (17) und Abraham Canchanya (17. Die Jugendlichen sind Mitglieder im Ökologie-Netzwerk „Filomena Tomaira Pacsi". Sie erzählten von den dramatisch überhöhten Blei-, Cadmium- und Arsenwerte im Blut sämtlicher Bewohner La Oroyas und den
gesundheitlichen Folgen: massenhafte Krebserkrankungen, zahlreiche neurologische und physiologische Störungen, die bereits bei Kleinkindern nachgewiesen werden.
US-Konzern unterläuft Umweltauflagen
Zusammen mit der Leiterin der Kindernothilfe-Partnerorganisation „Filomena", Esther Hinostroza, schilderten die Jugendlichen den Bundestagsabgeordneten eindringlich, wie der US-Minen- und Hüttenkonzern „Doe Run" mit immer wieder neuen Ausflüchten, Erpressungen und Drohungen seit 1997 selbst die bescheidenen peruanischen Umweltmindeststandards unterläuft. Die Schornsteine des Konzerns stoßen täglich bis zu 800 Tonnen toxischer Gase aus und verwandeln die Hochanden-Landschaft um La Oroya mit ihren 30.000 Bewohnern in eine Giftküche. Verseucht werden durch die Blei- und Schwermetallverhüttung neben der Luft der Fluss Mantaro, landwirtschaftliche Anbaugebiete im weiten Umkreis sowie das Trinkwasser.
Bewundernswertes Engagement
„Wir können Euch nur unsere Bewunderung und unseren Respekt aussprechen und Euch ermutigen, weiter zu kämpfen und nicht zu resignieren. Wir sind sicher, dass Euer Engagement und das all der anderen Jugendlichen aus La Oroya nicht vergeblich ist. Am Ende werdet Ihr Euer Ziel erreichen", so Christel Riemann-Hanewinckel.
Abgeordnete schreiben Brief an peruanischen Präsidenten
Die Bundestagsabgeordneten entschieden spontan, einen Brief an den peruanischen Staatspräsidenten Alan Garcia sowie den Umweltminister des südamerikanischen Landes und die Verantwortlichen des Doe Run-Konzerns in San Louis im US-Bundesstaat Missouri zu schreiben. So wollen sie der der Forderung nach modernen Filter- und Abwasserreinigungstechnologien Nachdruck zu verleihen. Solche Anlagen könnten die toxischen Emissionen innerhalb von kurzer Zeit stoppen.
Vor ihrem Besuch im deutschen Bundestag hatten die drei peruanischen Jugendlichen und Esther Hinostroza bei drei Veranstaltungen auf dem 32. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Bremen über die Arbeit ihres seit 2002 von der Kindernothilfe unterstützten Ökologie-Jugendnetzwerkes berichtet (Projekt 88021). Am 26. und 27. Mai sind sie beim ev.-luth. Missionswerk in Hermannsburg zu Gast. Und am Donnerstag, 28. Mai, wird die Gruppe um 19 Uhr in der Duisburger Salvator-Kirche (Duisburg-Innenstadt) über La Oroya berichten, um dann am Freitag vor Pfingsten in Heilbronn bei Kampangne „Bergbau Peru - Reichtum geht, Armut bleibt" zu Gast zu sein.
"Tolle Reaktionen in Deutschland"
„Wir hätten nie zu hoffen gewagt", so Abigaíl Vilchez (16) zur Erfahrung dieser Rundreise, „dass uns hier in Deutschland so viele Menschen verstehen und unterstützen würden. Besonders toll war die spontane Reaktion der Jugendlichen auf dem Konfirmanten-Kirchentag in Bremen und das Interesse der Bundestagsabgeordneten in Berlin. Dieser Rückhalt hilft uns gewaltig, wenn wir wieder in La Oroya zurück sind."
Jahresbericht 2011 (4,7 MB)
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