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Stichwort: Z57420 Casa de la cultura Peru
Unter den Ländern Südamerikas sticht Peru auf traurige Weise hervor: Peru zählt zu den ärmsten Ländern der Welt, über die Hälfte der Bevölkerung lebt hier unterhalb der Armutsgrenze. Diese Not wird in Ballungszentren wie Lima, der Hauptstadt Perus, auf besonders drastische Weise sichtbar: Stadtteile wie „Pampas de San Juan" und „Pamplona" im Distrikt „San Juan de Miraflores" weisen eine sehr hohe Konzentration extremer Armut auf.
50% der Bevölkerung in „San Juan de Miraflores" sind Kinder und Jugendliche im Schulalter - von denen 30% gar nicht oder nur unregelmäßig zur Schule gehen. Die Gründe, weshalb die Kinder nicht zur Schule gehen, sind vielfältig. Oftmals müssen sie arbeiten, um das Familieneinkommen aufzubessern, wodurch für einen Schulbesuch keine Zeit bleibt. Oft genug wissen sie und ihre Familien aber auch gar nicht um die Wichtigkeit einer guten Schulbildung. Viele Kinder gehen schon in frühen Jahren arbeiten und versäumen es dadurch, einen Schulabschluss zu erreichen. Die selben Kinder erhalten aber später, wenn sie älter sind, eben deshalb kaum eine Chance auf einen Arbeitsplatz - die Spirale der Armut dreht sich weiter. Die allgegenwärtige Arbeitslosigkeit und der Frust über fehlende Zukunftsperspektiven haben in diesen Gegenden Limas zu einem starken Anstieg der Gewalt geführt: Die Jugendlichen formieren sich immer öfter in Banden, aber auch innerfamiliäre Gewalt ist an der Tagesordnung.
Casa de la cultura. Foto: Michaela Dacken
Das Projekt „Casa de la Cultura" (Projekt 88009)
Mitten in diese Problem-Stadtteile hinein hat die Kindernothilfe gemeinsam mit ihrem Projektpartner, der peruanischen NGO Aynimundo und den Bewohnern des Stadtteils, ein Gemeindezentrum eröffnet. „Casa de la Cultura" - Haus der Kultur, nennt sich das neu entstandene Zentrum selbstbewusst.
Die Angebote der „Casa de la Cultura" kommen den Kindern und Jugendlichen auf zweierlei Weise zugute: Einerseits wird verhindert, dass die Kinder ihre Freizeit auf der Straße verbringen und sich am Ende gar einer der zahlreichen gewalttätigen Jugendbanden anschließen. Zum anderen vermittelt das Projekt ihnen spielerisch Werte, stärkt ihr Selbstbewusstsein und animiert sie zu eigenständigem, kritischem Denken. Indem die Kinder und Jugendlichen ihre Rechte kennen lernen, aber auch ihre Verantwortung als Mitglieder einer Gemeinschaft, sollen sie befähigt werden, sich selbst für eine Verbesserung ihrer Zukunft einzusetzen.
Endlich können die Kinder spielen. Foto: Michaela Dacken
Freizeit kreativ gestalten
In diesem Zusammenhang bietet die „Casa de la Cultura" den Kindern und Jugendlichen eine Bandbreite an Möglichkeiten, ihre Freizeit kreativ zu gestalten. In zahlreichen Workshops können sie basteln, tanzen, Sport treiben oder Theater spielen. Auch Freizeitangebote wie Filmabende und Ausflüge werden mit den Jugendlichen organisiert. Dadurch wird den Jugendlichen ein Raum eröffnet, in dem sie außerhalb ihres gewohnten sozialen Umfelds über ihre Situation reflektieren können. Alljährlich wird im Rahmen des Projektes auch ein Jugendfestival veranstaltet, zudem geben die Jugendlichen eine Zeitschrift heraus, die ihnen als Sprachrohr dient.Ein Forum der Kinder und Jugendlichen wird auch weitere Schulen einbeziehen, um Erfahrungen auszutauschen und die Ergebnisse der Öffentlichkeit vorzustellen.
Aktiv werden: Der Weg ins Berufsleben
Kinder und Jugendliche erhalten bei Bedarf regelmäßig Hausaufgaben-Betreuung, um ihre schulischen Leistungen zu verbessern und sich somit wichtige Kenntnisse für das Berufsleben anzueignen. Für junge Erwachsene zwischen 17 und 20 Jahren besteht überdies die Möglichkeit, an Lerngruppen teilzunehmen, in denen sie auf Aufnahmeprüfungen an der Universität vorbereitet werden. Um ihnen den Weg in das Berufsleben zu ebnen, können jedes Jahr einige der Jugendlichen ein Stipendium für einen Ausbildungslehrgang im Bereich EDV, Grafikdesign oder Schneiderei erhalten.
Wie wichtig den Jugendlichen ihre Zukunft ist, zeigt ihr Engagement und ihre Motivation, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen: So riefen Schülerinnen und Schüler eine Berufsinformations-Börse ins Leben. An diesem Tag informierten verschiedene Institutionen über die Möglichkeiten einer Berufsausbildung in ihrem Betrieb, mehrere Einzelpersonen stellten anschaulich ihre Berufe vor und ermöglichten so den Kindern und Jugendlichen eine berufliche Vororientierung
Selbstbewusste Jugendliche für eine selbstbewusste Gesellschaft
Für die etwas älteren Jugendlichen werden im Gemeindezentrum Workshops zu Themen wie Integration, Identität, Gefahr durch Drogen und Banden angeboten. Darüber hinaus werden aber auch ihre sozialen Fähigkeiten gezielt gestärkt: Die Jugendlichen üben, sich in die Gruppe einzubringen, Entscheidungen zu treffen, Konflikte zu lösen und im Team zu arbeiten. Dies ist ein besonders wichtiger Teil der Arbeit, da die Jugendlichen aufgrund schlechter Erfahrungen in ihrem Umfeld oft misstrauisch anderen gegenüber sind und sich zurück ziehen, um nicht verletzt zu werden. Diese Selbstverteidigungsstrategien führen jedoch dazu, dass ihre sozialen Fähigkeiten und ihr Selbstbewusstsein weiter geschwächt und die zu überwindenden Hürden noch höher werden.
Kindgerechtes Lernen. Foto: Michaela Dacken
Geschultes Lehrpersonal für eine kindgerechte Erziehung
Für die Lehrerinnen und Lehrer der Schulen werden Fortbildungen angeboten, in denen ihnen neue Lehrmethoden vorgestellt werden. Dabei sollen Kinder verstärkt als Individuen mit eigener Meinung und einem Recht auf Teilhabe und Mitsprache verstanden werden. Im Gegensatz zu dem sonst sehr hierarchischen Frontalunterricht an peruanischen Schulen, wird hier auf die Vermittlung von gegenseitigem Respekt gesetzt.
Kinder mit Behinderung stärken
In einem Land, in dem die Überlebenschancen selbst für gesunde Kinder schlecht stehen, ist die Situation für Kinder, die unter einer körperlichen oder geistigen Behinderung leiden, immer besonders prekär: Kinder mit einer Behinderung werden von der peruanischen Gesellschaft oft diskriminiert und von ihren Familien zu Hause versteckt, da man sich ihrer schämt. Nur 13% der Kinder mit Behinderungen gehen zur Schule. Viele Schulen lehnen den integrierten Unterricht ab - aus Angst und Vorurteilen größtenteils, aber oft auch, weil das Lehrpersonal schlichtweg nicht ausreichend geschult ist. Nur 4% der Kinder mit einer Behinderung in San Juan de Miraflores erhalten Reha-Maßnahmen. Kaum jemand mit einer Behinderung erhält einen Ausbildungsplatz - von den heißbegehrten Arbeitsplätzen einmal ganz zu schweigen.
Um eine nachhaltige Veränderung der Situation behinderter Kinder in der peruanischen Gesellschaft zu bewirken, werden in die Aufklärungsarbeit sowohl das direkte Umfeld der behinderten Kinder (Familie, Gemeinde, Schule) als auch andere Teile der Bevölkerung eingebunden. Sie alle sollen für die Situation von Menschen mit Behinderungen sensibilisiert und vorherrschende Vorurteile nach und nach abgebaut werden.

Schule für Kinder mit Behinderungen. Foto: Michaela Dacken
Zudem setzt sich das Projekt dafür ein, dass Kinder und Jugendliche mit leichten und mittelschweren Behinderungen in Regelschulen integriert werden und professionelle Unterstützung erhalten. Kinder mit einer sehr starken Behinderung, die den Besuch einer Regelschule nicht möglich macht, sollen speziell gefördert werden. Frühförderung und die intensive Arbeit mit den Familien soll dazu beitragen, dass Kinder mit Behinderungen die größtmögliche Unterstützung erhalten. In einem weiteren Schritt soll durch Förderung die Integration von Jugendlichen mit Behinderung in den Arbeitsmarkt ermöglicht werden. Denn die Erfahrung, einen Job annehmen zu können, stärkt das Selbstbewusstsein der jungen Frauen und Männer.
Einbeziehung von Eltern und anderen Gemeindegliedern
Entsprechend des ganzheitlichen Konzepts der Kindernothilfe werden sowohl Eltern als auch andere Gemeindemitglieder in die Kinder- und Jugendarbeit einbezogen: einmal im Monat finden Treffen für Mütter und Väter statt, in denen sie die Gelegenheit erhalten, ihre Erfahrungen auszutauschen. Hier werden Themen wie Kinderrechte erarbeitet, aber auch gemeinsam überlegt, wie die Eltern-Kind-Kommunikation verbessert werden kann. Die Eltern werden zuhause besucht und die Familie zur häuslichen Situation befragt. Gegebenenfalls werden Familien auch psychologisch betreut. Bei allen Projekten wird darauf hingearbeitet, dass sie langfristig von der Gemeinde selbst übernommen und weitergeführt werden.
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