Unter ausbeuterischen Bedingungen arbeiten in Honduras immer mehr Mädchen und junge Frauen aus armen Familien als Haushaltshilfen. Ihr Arbeitstag dauert durchschnittlich 13 bis 15 Stunden. Die „vier Wände" ihres Arbeitgebers dürfen die Mädchen nur selten verlassen, sie sind diesem völlig ausgeliefert. Viele werden misshandelt und sexuell missbraucht. Die Kindernothilfe und die "Sociedad Amigos de los Niños" bieten den Mädchen Zuflucht und Unterstützung (Projekt 82017/AA/12).

Endlich können die Mädchen den Unterricht besuchen. Foto: Michaela Dacken
Viele Mädchen werden ausgebeutet
Extrem unterbezahlt - im Durchschnitt bekommen sie kaum auf die Hälfte des ohnehin kargen staatlichen Mindestlohnes von 95 US-Dollar - schuften viele Mädchen als billige Arbeitskräfte in fremden Haushalten. Zum Beispiel Maria, die als Hausmädchen bei einer Familie in Tegucigalpa arbeitet: "Mein Arbeitstag beginnt bereits bei Sonnenaufgang. In Windeseile schrubbe ich die Fußböden, wasche Wäsche und spüle Geschirr. Ich muss mich um die Kinder kümmern, kochen und sämtliche Einkäufe erledigen. Wenn ich nicht schnell genug bin, bekomme ich Prügel. Die Arbeit ist hart." Andere arbeiten als fliegende Händlerinnen oder Marktfrauen.
Neben der körperlichen Überforderung während der Arbeit leiden die Mädchen unter schlechter Ernährung und mangelhafter medizinischer Versorgung. Sie haben keine Kranken- oder Sozialversicherung. Die meisten Mädchen sind vom Schulbesuch ausgeschlossen und daher meist Analphabetinnen. Eine Perspektive für eine bessere Zukunft haben die Mädchen nicht. Ihr Schicksal ist in Honduras nicht vielen bekannt, denn es handelt sich um eine versteckte Form der Kinderarbeit.

Neben Unterricht werden viele Freizeitaktivitäten angeboten. Foto: Michaela Dacken
Bildungszentrum "Reyes Irene Valenzuela" für arbeitende Mädchen
Gemeinsam mit der „Sociedad Amigos de los Niños" (SAN) unterstützt Kindernothilfe in der honduranischen Hauptstadt Tegucigalpa ein Bildungszentrum für Mädchen und junge Frauen. Hier finden derzeit 244 Mädchen im Alter von 12 bis 18 Jahren eine Anlaufstelle. Ziel des Projektarbeit ist es, die Arbeits- und Lebensbedingungen der jungen Frauen zu verbessern und ihnen alternative Perspektiven für ihre Zukunft zu eröffnen. Darüber hinaus werden die honduranische Bevölkerung, die Familien der Mädchen, Arbeitgeber und Behörden auf die schreckliche Situation der Mädchen aufmerksam gemacht. Wichtig ist es, ein Bewusstsein in der Öffentlichkeit für diese Form der ausbeuterischen Kinderarbeit zu schaffen.

Eine Ausbildung als Schneiderin schafft Perspektiven. Foto: Michaela Dacken
Bildung schafft Zukunftsperspektiven
Das Bildungszentrum ist jede Woche von Sonntag bis Donnerstag geöffnet. Sonntags finden besonders viele Aktivitäten statt, da die meisten Mädchen an diesem Tag frei haben. Schwerpunkte des Projektes sind eine gekürzte schulische Grundbildung und Programme zur Alphabetisierung. Maria hat von dem Zentrum zufällig erfahren. Seit zwei Monaten kommt sie regelmäßig. "Hier kann ich sogar berufsbildende Kurse belegen und lerne mit dem Computer umzugehen", berichtet sie begeistert. Die Mädchen können eine Ausbildung zur Schneiderin oder Kosmetikerin absolvieren und Handarbeits- und Computerkurse belegen. Unter der Woche ist die Einrichtung stundenweise geöffnet: An diesen Tagen stehen die medizinische Versorgung der Mädchen und die psychologische Hilfestellung für Opfer von Missbrauch im Vordergrund. Rechtsberatungen und die Unterstützung im Streitfall ergänzen die Projektarbeit.
Kampf gegen ausbeuterische Kinderarbeit
Um die Situation der arbeitenden Mädchen und jungen Frauen in Honduras zu verbessern, bieten die Projektarbeiter Seminare für Arbeitgeber an, bei denen die Psychologin und der Rechtsberater des Projekts über wünschenswerte Rahmenbedingungen der Arbeit informieren. Zudem werden in den oftmals ländlichen Herkunftsgebieten der Mädchen Seminare angeboten, um die dort ansässigen Familien und politischen Entscheidungsträger für das Problem der ausbeuterischen Kinderarbeit in Privathaushalten zu sensibilisieren. Ergänzt wird dies durch Medienarbeit, um das Thema Kinderarbeit ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken.
Bitte unterstützen Sie die Mädchen mit einer Spende!
Das bewirkt Ihre Spende:
Spenderservice