Kindernothilfe e. V.

Äthiopien: Erfolgreich gegen genitale Verstümmelung

Äthiopien: Erfolgreich gegen genitale Verstümmelung von Mädchen

PIC_5000_270x178_1173x771_72x40zoomEine Beschndeirin zeigt eine Rasierklinge. Foto: Engel In Äthiopien kämpft die Kindernothilfe mit ihrem lokalen Partner, der „Kale Heywet Church", gegen das grausame Ritual der genitalen Verstümmelung junger Mädchen. Jahrhundertelang galten unbeschnittene Mädchen als unrein, fanden keinen Ehemann. Zwei externe Gutachter haben ganz aktuell einen Bericht über die Fortschritte verfasst. Ihre Ergebnisse zeugen vom Erfolg der Arbeit - der nur dank Ihrer Spenden möglich wurde (Projekt 6060/AQ/51).

„Im Projektgebiet hat ein großer Wandel stattgefunden. Sehr viele Menschen lehnen genitale Verstümmelungen nun ab, viele Eltern wollen ihre Töchter nicht mehr durch diese grausame Tradition verletzen lassen", so ein Fazit der Experten. Der größte Erfolg: 2005 waren mehr als 60 Prozent der Mädchen im Projektgebiet Opfer des blutigen Rituals, bei dem Teile der äußeren Genitalien entfernt oder zugenäht werden. Die Folgen: „Erhebliche gesundheitliche Einschränkungen, Traumata, die Opfer hatten ein eingeschränktes Sozialleben und waren weniger leistungsfähig", schreiben die Experten. Heute sind in der Projektregion nur noch 14 Prozent der Sechst- bis Achtklässlerinnen beschnitten.

PIC_13904_270x202_1280x960_0x0zoomMädchen aus der Projektregion. Foto: Klar Kampagne erreicht mehr als eine Million Menschen
Die Aufklärungskampagne des Kindernothilfe-Partners hat mehr als eine Million Menschen erreicht, darunter 410.291 junge Mädchen. 670 ehemalige Beschneiderinnen haben ihr blutiges Handwerk aufgegeben und haben sich mit Hilfe von Kleinkrediten eine andere berufliche Existenz aufgebaut. In fast 500 Anti-Beschneidungsclubs sind mehr als 30.000 Mädchen zusammengeschlossen, um sich gegenseitig gegen das Ritual der Genitalverstümmelung zu wappnen und andere Menschen über die schweren gesundheitlichen und seelischen Schäden aufzuklären. Das tun auch 520 so genannte Change Agents. Sie stammen aus den jeweiligen Dörfern und engagieren sich auf Versammlungen, in Schulen und bei Hausbesuchen gegen genitale Verstümmelung. Die seit Jahrhunderten praktizierten Zeremonien waren ein fester Bestandteil des Dorflebens. Die Initiationsriten wurden öffentlich gefeiert. Dank der breit angelegten Kampagne sind diese Feiern im Projektgebiet fast ganz aus dem öffentlichen Leben verschwunden.

Jungen ändern Einstellung über künftige Ehefrau
In die Studie miteinbezogen wurden auch Jungen. Ihre Einstellung gegenüber genitaler Verstümmelung hat sich ebenfalls stark gewandelt: Hatten 2005 noch 63 Prozent angegeben, nur Mädchen heiraten zu wollen, die beschnitten wurden, waren es 2008 nur noch die Hälfte, bei den älteren Jungen sogar nur 14 Prozent. Der Fokus soll künftig noch stärker auf die Arbeit mit den Jungen gelegt werden, um ihre Einstellung gegenüber der genitalen Verstümmelung weiter zu verändern.

Kooperation mit Polizei und Justiz verbessert
Polizei und Staatsanwaltschaften wissen nun ebenfalls mehr über genitale Verstümmelung. Sie gilt in Äthiopien als Straftat, wird aber bislang nur selten juristisch verfolgt. Auch das ändert sich nun im Projektgebiet. Eines der Probleme, die die Untersuchung zu Tage fördert: Die gewählten Dorfpolizisten zeigen Verstöße gegen das Verstümmelungsverbot oft nicht an, weil sie ungern Nachbarn oder Freunde verraten und die Tat als geringfügig betrachten. Deshalb sollen nun auch sie stärker in die Aufklärungskampagnen miteinbezogen werden.

Pläne: Arbeit weiter ausdehnen
Außerdem wird die Arbeit in angrenzenden Regionen weitergehen, um genitale Verstümmelung auch dort effektiv zu bekämpfen. Die Gutachter bescheinigen den Verantwortlichen außerdem ein sehr gutes Finanzmanagement, die Mittel würden sehr effizient eingesetzt. 

Wir bedanken uns bei allen Spendern, die unsere Arbeit in Äthiopien unterstützen!


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