Kindernothilfe e. V.

Peru: Ein besseres Leben für 550 Kinder

Schule statt Arbeit: ein besseres Leben für Nelida

Nelida, Mädchen aus dem ProjektzoomNelida in ihrer Schule. Foto: Kindernothilfe-Partner Vor zwei Jahren baten wir die Leser des Kindernothilfe-Magazins in der Beilage „Konkret helfen" um Spenden für arbeitende Kinder in Peru. Heute zeigt sich: Die Hilfe zahlt sich aus. Dank der Unterstützung hat sich die Situation von 550 Kindern in Cajamarca verbessert.

Am Abend fällt Nelida erschöpft ins Bett. Oft träumt sie von einem besseren Leben." So endete eine Geschichte in der Beilage des Kindernothilfe-Magazins Nr. 2 im Jahr 2006. Nelida, damals acht Jahre alt, musste jeden Tag in der peruanischen Stadt Cajamarca Bananen und Orangen verkaufen. Nur so konnte ihre Familie überleben. Wir baten die Leser des Kindernothilfe-Magazins um Spenden für ein Projekt für arbeitende Kinder in der Region Cajamarca. Die Partnerorganisation IINCAP unterstützt arbeitende Mädchen und Jungen, darunter auch Nelida. Das Ziel: die Arbeitsbedingungen so zu verbessern, dass die Kinder zur Schule gehen können und dennoch Geld für die Familie verdienen. Mehr als 81 500 Euro spendeten Kindernothilfe-Förderer als Reaktion auf den Artikel, 13 Leser übernahmen eine Patenschaft für ein Kind.  Auch die Kindernothilfe Österreich rief ihre Förderer zu Spenden für Nelida und ihre Freunde auf - dabei kamen 24 000 Euro zusammen.

Nelida ist eine gute Schülerin geworden
Dank der großen Hilfsbereitschaft hat sich einiges getan in Cajamarca - und in Nelidas Leben. Die Elfjährige geht jeden Tag zur Schule. „Ich muss nur noch an Wochenenden und Feiertagen auf den Markt", erzählt sie. Stolz berichtet Marcela Rabanal, eine Mitarbeiterin von IINCAP, von Nelidas Fortschritten: „Sie ist eine sehr gute Schülerin, in Mathe und Sprachen bekommt sie bei uns Nachhilfe und bringt nur Einsen mit." In ihrer Schule leitet Nelida ein Komitee, dass sich für die Rechte der Kinder einsetzt. Ein ganzes Netz solcher Gruppen hat IINCAP in der Region Cajamarca ins Leben gerufen. Sie vertreten die Interessen arbeitender Kinder, machen auf ihre Situation öffentlich aufmerksam.

Endlich ein eigenes Zimmer
Ein Grund für Nelidas positive Entwicklung: Ihre Mutter hat einen kleinen Kredit von IINCAP bekommen. Damit konnte sie sich zunächst einen und später einen zweiten Marktstand zulegen. Sie ist unabhängig von Händlern, die sie zuvor als Verkäuferin ausgebeutet haben. An den zwei Ständen, verkaufen die Mutter und außerhalb der Schulzeit auch die Kinder Fisch und Obst. Mit dem gestiegenen Einkommen haben sie ihre Hütte renoviert, nun hat Nelida ein eigenes Zimmer und endlich Licht zum Lernen.

PIC_52410_270x179_1280x853_0x0zoom550 Jungen und Mädchen profitieren von der Arbeit in Cajamarca. Foto: Schübelin/KNH Ein Stück Kindheit für arbeitende Mädchen und Jungen
Nelidas Geschichte ist zum Glück kein Einzelfall. Die Kindernothilfe-Partnerorganisation IINCAP fördert in der Region Cajamarca zwei Projekte für rund 550 Kinder und Jugendliche. Die Sechs- bis 19-Jährigen müssen arbeiten , weil ihre Familien in großer Armut leben. IINCAP bietet ihnen eine Anlaufstelle. Hier bekommen sie Unterstützung bei den Hausaufgaben, Sozialarbeiter tanzen, singen, malen, basteln mit den Kindern. Eine Auszeit vom Arbeitsalltag, ein Stück Kindheit finden sie hier. In Seminaren und Workshops erfahren Kinder und Eltern Grundlegendes über Ernährung, Hygiene und den Umgang miteinander.

Unterstützung für die Eltern
Oft stammen die Kinder aus schwierigen Verhältnissen, Gewalt und Alkoholmissbrauch prägen viele Familien. Deshalb ist es wichtig, auch die Eltern in das Projekt mit einzubeziehen, sie zu beraten und Probleme gemeinsam anzugehen. Kinder und Eltern erfahren zudem, wie sie ihre Geschäfte effizient führen, mehr Waren verkaufen, Preise kalkulieren. So bessert sich das Einkommen der Familien, die Kinder müssen weniger arbeiten und haben Zeit für die Schule.

Kinderarbeit gehört weiter zum Alltag
Die Mädchen und Jungen erfahren bei IINCAP: Ich muss mich nicht ausbeuten lassen, ich habe ein Recht darauf, zur Schule zu gehen, ein Recht darauf, angemessen entlohnt zu werden. So selbstverständlich das in Deutschland ist, so wenig normal ist diese Einsicht für viele arme Familien in Cajamarca. Kinderarbeit ist hier die Regel. Kinder stehen schon mit sieben Jahre an der Straße, verkaufen Popcorn, gebrannte Mandeln, Wackelpudding, Blumen oder Zeitungen. Oft verkaufen sie im Auftrag anderer Händler. Nur zehn bis zwanzig Prozent der Einnahmen bleibt den Mädchen und Jungen als Lohn für Stunden harter Arbeit. Viele schuften auch in privaten Haushalten, in Steinbrüchen, Werkstätten oder als Schuhputzer.

Kindernothilfe-Partner findet Gehör bei Politikern
Arbeitgeber und Behörden haben das Problem lange ignoriert. Doch auch hier tut sich dank IINCAP und der Unterstützung der Spender etwas. „2007 hat die Provinzregierung ein von uns gegründetes Komitee zur Abschaffung der schlimmsten Formen der Kinderarbeit anerkannt", berichtet Marcela Rabanal. IINCAP hat ein Netzwerk ins Leben gerufen. Darin treffen sich regelmäßig Vertreter der arbeitenden Kinder, diskutieren über ihre Probleme und wie sie zu lösen sind. Regelmäßig gibt es Veranstaltungen, um auf die Situation dieser Kinder aufmerksam zu machen.

PIC_14136_270x179_1280x853_0x0zoomMädchen aus Cajamarca. Foto: Schübelin/KNH Schulmaterial für 300 Kinder pro Jahr
IINCAP hat seit 2006 noch einiges mehr bewegt. Pro Jahr stattet die Organisation 300 Kinder mit Heften, Stiften und Büchern für die Schule aus, hat die Schulgebühren für diese und zehn weitere Mädchen und Jungen übernommen. Mit einem eigens angeschafften Ofen können 50 Kinder und Jugendliche ihr Einkommen aufbessern: Sie backen Brot, Kekse und Kuchen und verkaufen die Backwaren. 15 Jugendliche machen eine Ausbildung als Bäcker.

Wenige Reiche, immer mehr Arme
Die Menschen in Cajamarca kämpfen jedoch wie so viele in Lateinamerika mit steigenden Priesen für Lebensmittel und Energie. „Allein im April ist Fisch zehn Prozent teurer geworden, Gemüse sogar um ein Fünftel", berichtete Marcela Rabanal. Nicht nur das eigene Essen kostet mehr, die kleinen Geschäfte der Menschen laufen wegen der höheren Preis auch schlechter. Sie trifft die Krise doppelt. „In Peru öffnet sich die Schere zwischen Armen und Reichen. Von dem wirtschaftlichen Aufschwung des Landes bekommen die Ärmsten nichts ab", sagt die Projektleiterin. Für sie gibt es keine Jobs, Ausbildungsprogramme für Jugendliche aus armen Familien fehlen.

Erfolgsmodell wird ausgeweitet
IINCAP springt ein - auch mit den Kleinkrediten für arme Familien. Das erfolgreiche Modell soll ausgeweitet werden, damit noch mehr Kinder und Eltern sich selbständig machen können und besser verdienen. So wie Nelidas Familie. Ihre Geschichte zeigt: Mit ein wenig Unterstützung können Träume von einem besseren Leben wahr werden.

Wir bedanken uns bei allen Spendern, die dieses Projekt unterstützen!


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