Kindernothilfe e. V.

Birma: Hilfe für Zehntausende

Birma: Hilfe für Zehntausende

Wirbelsturm in BirmazoomJunge mit Hilfsgütern. Foto: Kindernothilfe-Partner

Der Wirbelsturm „Nargis" hat im Mai 2008 eine Schneise der Verwüstung durch Birma geschlagen. Das Militärregime behinderte die Soforthilfe und ließ seine Bürger allein. Dank ihrer lokalen Partner hat die Kindernothilfe trotz dieser Hindernisse mehr als 20 000 Menschen erreicht und unterstützt den Wiederaufbau. In vier Kinderzentren finden Mädchen und Jungen Normalität inmitten des Chaos. Dank der großen Spendenbereitschaft der Kindernothilfe-Spender können 1,5 Millionen Euro für die Arbeit eingesetzt werden.

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Mindestens 134.000 Menschen starben, mehr als zwei Millionen wurden obdachlos, ein Gebiet so groß wie Österreich blieb verwüstet zurück. Fakten, die vom Ausmaß der Katastrophe zeugen. "Bei einer Flutwelle sterben vor allem die Kinder. Sie haben zu wenig Kraft, um sich in dem reißenden Strom festzuhalten. Es gab Dörfer, in denen kein Kind überlebte", berichtet Detlef Hiller, Kindernothilfe-Koordinator. Er organisierte zwei Wochen in der Hauptstadt Rangun die Soforthilfe. Hiller, der schon seit 17 Jahren in der Humanitären Hilfe arbeitet, hat noch nichts Vergleichbares erlebt: „Es gab auch bei anderen Katastrophen Probleme mit Behörden und Militär, etwa in der indonesischen Bürgerkriegs-Provinz Aceh nach dem Tsunami 2004. Doch damals war alles geprägt von einer Grundhaltung des Miteinanders. Das war in Birma völlig anders." Die Betroffenen benötigten dringend Unterstützung, die Regierung war völlig überfordert mit der Versorgung. Deshalb stand außer Frage, dass die Kindernothilfe trotz der Schwierigkeiten im Land Soforthilfe leisten würde.

Kinderzentren in Birma zoomKinder in einem Kinderzentrum. Foto: Kindernothilfe Flexibel auf Bedürfnisse der Menschen reagieren
Einmal mehr bewährte es sich, auf erfahrene Organisationen mit einheimischen Mitarbeitern zu setzen - sie konnten am besten mit den Beschränkungen durch die birmesische Regierung umgehen. Die Kindernothilfe arbeitete auf zwei Ebenen: Mit kleinen Partnern, die lokale Mitarbeiter und Freiwillige vor Ort hatten. Außerdem mit größeren Organisationen wie dem Partner AMURT, mit denen das Duisburger Hilfswerk in anderen Ländern Asiens bereits kooperierte und die in Birma schon vorher Projektarbeit geleistet hatten. Im Vergleich zu großen internationalen Akteuren verfügt die Kindernothilfe über weniger Mittel - der Qualität der Arbeit im Krisenfall schadet das nicht. „Wir können sehr flexibel auf die Bedürfnisse der Menschen reagieren. Wir gehen dahin, wo die Großen nicht arbeiten. Dank des Know-hows der einheimischen Mitarbeiter bekommen wir genau mit, wenn die offizielle Hilfe an bestimmten Bevölkerungsgruppen vorbeigeht. Auch in Birma sind wir noch Monate nach der Katastrophe auf Dörfer gestoßen, in denen keinerlei Hilfe ankam", so Jörg Denker, Asien-Referatsleiter der Kindernothilfe.

Soforthilfe für Zehntausende
Die Kindernothilfe-Partner verteilten Aufbaunahrung für mangelernährte Kleinkinder und stillende Mütter, Wasserreinigungs-Tabletten, Reis, Öl und Zucker, Kerzen und Solarlampen. Tausende von Familien bekamen diese Hilfspakete. „Es wurden nicht wahllos Lebensmittel von Lastwagen in die Menge geworfen. Denn dabei gehen gerade die Schwächsten leer aus", begründet Hiller. Die Helfer gaben Gutscheine an die Familien aus. Diese konnten sie am nächsten Tag bei den Mitarbeitern einlösen. 500 Menschen erhielten Dünger, Saatgut und Material zum Wiederaufbau.

Kinderzentren in Birma zoomVorschulunterricht im Kinderzentrum. Foto: Amurt

Vier Kinderzentren eingerichtet
Wenige Wochen nach dem Sturm haben die Kindernothilfe-Partner begonnen, vier Kinderzentren einzurichten. Ein wichtiges Ziel: Schutz und Geborgenheit schaffen, einen Ort, an dem Mädchen und Jungen Kinder sein dürfen. Sie können nicht vergessen, was sie während der Katastrophe erlebt haben. In den Zentren helfen Mitarbeiter den Mädchen und Jungen, in den Alltag zurückzukehren. 18 Erzieherinnen wurden pädagogisch geschult und lernten unter anderem, auf Bedürfnisse traumatisierter Kinder einzugehen .
Mädchen und Jungen im Vor- und Grundschulalte lernen und spielen in den Zentren, die auch als Versammlungsort für die Dorfbewohner dienen. Jedes Zentrum besuchen täglich rund 50 Kinder. Einmal am Tag bekommen sie dort eine warme Mahlzeit. Zunächst war die Zentren für mehr Kinder ausgelegt, doch nachdem sich das Chaos der ersten Wochen lichtete, stellte sich heraus, dass in den entsprechenden Dörfern weniger Kinder lebten als zunächst angenommen. „Ein typisches Phänomen bei solchen Katastrophen; es ist stets schwierig, verlässliche Zahlen aus unzugänglichen Gebieten zu erhalten", erläutert Erhard Stückrath, Kindernothilfe-Koordinator für Humanitäre Hilfe.
Frauengruppen treffen sich dort. Schwangere und stillende Frauen bekommen Zusatznahrung, Mitarbeiter beraten sie in Hygiene- und Gesundheitsfragen. Noch bis März 2010 fördert die Kindernothilfe die Zentren, dann sollen die Dorfgemeinschaften sie in Eigenregie weiter als Vorschulen und Versammlungsorten nutzen.

Kinderzentren in Birma zoomEines der Kinderzentren. Foto: Amurt

450 sturmsichere Häuser
In vier Dörfern  - in Kwin Pon, Kun Taing a Lay, Kyoe Kyar und Aye Su - haben die Menschen mit Unterstützung der Kindernothilfe-Partner 300 Häuser errichtet. Gemeinsam mit den Bewohnern entstanden die Pläne. Die Häuser stehen auf Holzpfählen, die in den Boden einbetoniert sind. Einheimische Bauingenieure entwickelten mit AMURT ein Baukastensystem, aus dem lokale Bautrupps ein stabiles Grundgerüst aus Holzbalken zusammensetzen. Dank der Verstrebungen und massiven Balken sollen die Häuser Stürmen von bis zu 200 km/h Windgeschwindigkeit standhalten.„Natürlich könnten wir Betonhäuser bauen - aber die sind viel teuer, verursachen Neid zwischen denen, die ein solches Haus bekommen, und anderen, deren Hütte noch steht", so Jörg Denker. Weitere 150 Häuser sollen im Laufe des Jahres in einem weiter Dorf entstehen. Vier neue Schulen, die als Schutzraum bei Wirbelstürmen dienen können, werden in den kommenden Monaten gebaut.

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