(Duisburg, 16. Oktober 2008) Im Jahr 2000 haben sich die Regierungschefs der Welt verpflichtet, die Armut deutlich zu reduzieren und hierfür acht messbare entwicklungspolitische Ziele bis 2015 umzusetzen. Heute, im Herbst 2008, hinkt die Welt den selbst gesteckten Zielen vor allem bei der Verringerung der Kinder- und Müttersterblichkeit hinterher. Außerdem steigt die Zahl der Hungernden. Damit sind gerade jene Entwicklungsziele gefährdet, die unmittelbare Auswirkungen auf das Leben von Kindern haben.
Worum geht es?
Wer weniger als einen Dollar am Tag zur Verfügung hat, leidet laut UN-Definition unter extremer Armut. Die Zahl der Menschen, die in extremer Armut leben müssen, wie auch die Anzahl derer, die Hunger leiden, soll halbiert werden.
Stand der Umsetzung
Infolge der weltweit rapide gestiegenen Preise für Grundnahrungsmittel ist zu befürchten, dass die Zahl der Hungernden in den Entwicklungsländern eher zu- als abnimmt. Bereits seit Mitte der 1990er Jahre war ihre Zahl von knapp 800 auf 923 Millionen gestiegen. Infolge der globalen Ernährungskrise wird mit einem weiteren Anstieg um mindestens 75 Millionen Menschen gerechnet. Besonders betroffen sind die Menschen in den Krisenregionen Afrikas. Die Ursachen der aktuellen Ernährungskrise sind vielfältig: Eine wachsende Nachfrage nach Fleischprodukten infolge veränderter Konsumgewohnheiten sowie das Wirtschaftswachstum in verschiedenen Regionen, Bevölkerungswachstum, zunehmende Verstädterung sowie die wachsende Nachfrage nach Biotreibstoffen tragen dazu bei, dass Grundnahrungsmittel massiv teuerer - und damit unbezahlbar für die Armen - geworden sind.
Der Anteil der unterernährten Kinder (unter fünf Jahren) ist von 33 Prozent (1990) auf 26Prozent (2006) gesunken. Trotzdem sind 2006 noch mehr als 140 Millionen Kinder in den Entwicklungsländern untergewichtig. 50 Prozent von ihnen leben in Südasien. Die geringsten Fortschritte bei der Reduzierung der Mangelernährung von Kindern lassen sich in Sub-Sahara Afrika verzeichnen.

MDG 4: Kindersterblichkeit um zwei Drittel senkenWorum geht es?
Täglich sterben Kinder, obwohl die Welt es verhindern könnte. Die Ursachen hierfür sind z.B. Hunger, schlechte hygienischen Bedingungen und vermeidbare oder heilbare Krankheiten. Das soll sich ändern.
Stand der Umsetzung
Alle drei Sekunden stirbt ein Kind. Das Ziel, bis 2015 die Kindersterblichkeit um zwei Drittel zu verringern, ist in weite Ferne gerückt. Zwar sank die Zahl der Unter-Fünfjährigen, die jährlich sterben 2006 erstmals unter die 10 Millionen Marke. Dennoch ist das Risiko eines Kindes, in seinen ersten fünf Lebensjahren zu sterben, in einem Entwicklungsland 13 Mal höher als in einem Industrieland. Die Hälfte der Todesfälle ereignen sich in Sub-Sahara Afrika. Die meisten Kinder sterben an leicht zu vermeidenden oder zu behandelnden Krankheiten wie Lungenentzündung, Durchfall, Malaria oder Masern.

MDG 5: Reduktion der Müttersterblichkeit um drei ViertelWorum geht es?
In vielen Entwicklungsländern haben werdende Mütter oft nur unzureichenden oder gar keinen Zugang zu medizinischer Versorgung. Dazu kommt, dass Mädchen und junge Frauen oft schon sehr früh heiraten und auch früh schwanger werden. Schwangerschaften und Entbindungen werden so lebensgefährlich und viele Kinder müssen ohne Mutter aufwachsen.
Stand der Umsetzung
2005 starben mehr als 500.000 Frauen während Schwangerschaften, Geburten oder im Kindbett. 99 Prozent dieser Frauen stammen aus Entwicklungsländern; 86 Prozent aus Sub-Sahara Afrika und Südasien. Damit sank die Müttersterblichkeit global jährlich um weniger als 1 Prozent. Um das MDG 5 - Senkung der Müttersterblichkeit um drei Viertel zwischen 1990 und 2015 - zu erreichen, wäre eine jährliche Rate von 5,5 Prozent erforderlich. Ist ausgebildetes Pflegepersonal bei der Geburt anwesend, werden Frauen während der Schwangerschaft medizinisch betreut und gibt es Möglichkeiten zur Familienplanung, so lässt sich die Müttersterblichkeit maßgeblich reduzieren.

MDG 8: EntwicklungspartnerschaftWorum geht es?
Die Industriestaaten haben zugesagt, ihre Ausgaben für Entwicklungszusammenarbeit auf 0,7% ihres BIP zu erhöhen. Gleichzeitig geht es um bessere Bedingungen für die Entwicklungsländer, z.B. durch Schulderlass für hoch, verschuldete, arme Länder und fairen Welthandel.
Stand der Umsetzung
Wenn es bei der Umsetzung der Millenniumsentwicklungsziele weitere Fortschritte geben soll, so darf die globale Entwicklungspartnerschaft, nicht nur ein Lippenbekenntnis bleiben. Die Entwicklungshilfe der Industrieländer müsste deutlich erhöht werden. Statt dessen sind die Leistungen der reichen Länder in den vergangenen zwei Jahren gesunken (von 107,1 Mrd. Dollar in 2005 auf 103,7 Mrd. Dollar in 2007).
Petra Stephan