
Foto: Lennart Wallrich
Mehr als 200.000 Jugendliche in Deutschland, den Niederlanden und der Slowakei informierten sich über HIV/Aids in Entwicklungsländern: Das ist die stolze Bilanz der zweijährigen Aufklärungskampagne
Act Positive. Sie besuchten 300 Workshops, 100 Theateraufführungen, starteten hunderte von kreativen Aktionen und sammelten 104.000 Unterschriften, die sie dem EU-Parlament in Brüssel überreichten. Wir stellen einige Stationen aus der deutschen Arbeit vor.
| Träger der Kampagne: | Kindernothilfe, Woord en Daad, Stichting Tear Fund und Zoa-Vluchtelingenzorg (Niederlande), A.C.E.T. (Slowakei), Youth for Christ (Südafrika) |
| Finanzierung: | Die Europäische Union mit Unterstützung der Träger |
| Laufzeit: | November 2008 - November 2010 |
| Veranstaltungen in Deutschland: | 92 Workshops mit 2.225 Teilnehmern, 41 Theateraufführungen in 31 Schulen mit 9.211 jugendlichen Zuschauern |

Foto: Ralf Krämer
Musik, Tanz, Pantomime - Theatertournee durch 10 Städte
Zum Auftakt der Kampagne touren sechs Studenten des südafrikanischen Kindernothilfe-Partners Youth for Christ (YfC) durch Schulen in ganz Deutschland. Zu Hause arbeiten sie in den Townshipschulen in KwaZulu Natal, klären mit einer Mischung aus Information und Entertainment auf über HIV/Aids. Ihr Stück „What's killing us now?" führen sie zum Beispiel auch im Freiherr-vom-Stein-Gymnasium in Oldenburg auf. Mit Musik, Tanz, Pantomime und eindringlichen Dialogen erzählen die jungen Leute von der Geschichte und den Problemen ihrer Heimat. „Südafrika ist wie eine Zeitbombe", berichten sie. „Die Apartheid war ein Feind, den jeder gesehen hat. HIV/Aids ist ein unsichtbarer stiller Feind. Es droht mehr Menschen zu töten, als im Kampf gegen die Apartheid getötet wurden. Wir kämpften gegen die Apartheid und besiegten sie. Was tötet uns jetzt? HIV/AIDS. Der neue Kampf hat begonnen..." Ihre Botschaft: HIV/Aids ist zur existentiellen Bedrohung aller Südafrikaner geworden, und nur durch gemeinsames Handeln kann die Ausbreitung bekämpft werden. „Die Studenten aus KwaZulu Natal brauchten nur wenige Minuten, dann hatten sie ihr Publikum fest im Griff", schreiben die Lübecker Nachrichten. „Kaum einer der Oberstufenschüler konnte sich der Eindringlichkeit und der Spielfreude der Truppe entziehen." Insgesamt tritt die Truppe bis Ende 2010 41-mal in Deutschland auf.

Foto: Ralf Krämer
Reden, fordern, beschließen - Act-Positive-Jugendkonferenzen
Die erste Konferenz findet 2008 in Duisburg statt: 160 Jugendliche aus Deutschland, den Niederlanden, der Slowakei und Südafrika beteiligen sich an 16 Workshops zum Thema HIV/Aids. Am Ende beschließen sie eine Petition: Sie fordern die EU auf, Kinderrechte für von HIV und AIDS betroffene Kinder umzusetzen und sich dafür einsetzen, dass Jugendliche umfassend über HIV und AIDS informiert werden. Sie verlangen Bildung für alle, denn Bildung kann die Ansteckungsrate senken und Vorurteile, Diskriminierung und Stigmatisierung verhindern. Sie wollen, dass die EU sich auf die Prävention von HIV-Infektionen unter Kindern und jungen Menschen konzentriert und auf die Kinderrechtskonvention abgestimmte HIV/Aids-Politik und -Programme zu fördern. In den folgenden zwei Jahren werden die jungen Leute in ihren Ländern Unterschriften für diese Petition sammeln. Die beiden weiteren Konferenzen finden in der Slowakei (2009) und in den Niederlanden (2010) statt.

Foto: Lennart Wallrich
Informieren, diskutieren, agieren: 92 Workshops
Bis Dezember 2010 organisiert Lennart Wallrich, Kindernothilfe-Koordinator der Act-Positive-Kampagne, in ganz Deutschland 92 Workshops zum Thema „HIV/Aids in Entwicklungsländern" mit insgesamt 2.225 Teilnehmern: „Ich war überrascht, wie gut vorbereitet sie auf das Thema waren und wie intensiv sie mitgearbeitet haben." Viele Teilnehmer brennen anschließend voller Tatendrang: Sie gründen Schülergruppen, die eigene Aktionen in ihrer Stadt planen und durchführen. Besonders aktiv ist das Private Gymnasium Marienstatt in Rheinland-Pfalz.

Foto: Lennart Wallrich
Graffitis, Flashmobs, Unterschriften: Kreative Schüler-Aktionen
Schulen und Jugendgruppen in vielen Bundesländern sprudeln nur so vor kreativen Einfällen, wie sie Flyer verteilen und Aufmerksamkeit für die Kampagne und neue Unterschriften gewinnen können:

Foto: Lennart Wallrich

Foto: Lennart Wallrich
Besonders beliebt sind Graffiti-Aktionen mit dem Essener Künstler Aleks van Sputto. Er unterstützt Schüler- und Studentengruppen in NRW, in Innenstädten zum Beispiel den Schriftzug „Fight Aids" auf Leinwände zu sprühen. Schüler der Hellweg-Schule Bochum gehen beim Floßwettbewerb des Mülheimer Festivals "Voll die Ruhr" an den Start: Ihr Floß mit dem großen Graffitisegel ist ein echter Eyecatcher und erreicht den 5. Platz!

Foto: privat
Townships, Gastfreundschaft, Dankbarkeit - Act Positive goes Südafrika
Für fünf junge Leute aus besonders aktiven Schülergruppen fliegen als Belohnung nach Südafrika. Oliver Hamann aus Duisburg, Yvonne Zens aus Marienstatt, Julian Meischein aus Bochum, Pablo Christlein aus Selb, Wiebke Maeß aus Reinbek besuchen auf EU-Kosten HIV/Aids-Projekte von Youth for Christ und erleben die Studenten aus der Theatergruppe in ihrer Heimat in Aktion. Im Kindernothilfe-Blog (http://blog.kindernothilfe.org/de/) lassen sie andere an ihren Eindrücken und Gefühlen teilhaben.
„Es war ein komisches Gefühl, zum ersten Mal wahre Armut zu sehen. Luxus ist das Wort, über das ich heute am meisten nachgedacht habe, und wie gut wir es haben." (Julian) „Was mich beeindruckt hat, war der krasse Gegensatz von Arm und Reich, von Sicherheitszaun und Straßenleben, von Villa und Blechhütte, von piekfein und dreckig, vom Dreigängemenü und Klebstoffflasche." (Wiebke) „Bei der Teilnahme an einer Unterrichtsstunde konnte ich mich selbst von der Neugier und der gigantischen Lebensfreude der Kinder überzeugen. Die Wertschätzung eines bunten Papieres, das mit verschiedenen Mustern beklebt werden sollte, die Offenheit, mit der wir fremden Europäer begrüßt wurden, das Lachen der Kinder und die Bereitschaft mitzumachen, werden mir ewig in Erinnerung bleiben." (Oli) „Wir begleiten die YFC Street-Worker auf ihrer Tour. Von der schwangeren L., 19 Jahre alt, wird mir erzählt, dass sich die Straßenkinder nachts verstecken müssen, da die Polizei sonst ihre Kleider wegnehmen und sie schlagen würde. Als kleiner Erfolg des Tages tut K., der seit Monaten auf der Straße lebt, kund, dass er zu seiner Familie zurückkehrt. Wir hoffen, dass K. seinem Wort folgt." (Pablo) „Ich habe die Menschen in mein Herz geschlossen. Sie sind so unglaublich gastfreundlich und lebensfroh und das, obwohl ein Großteil der Bevölkerung in großer Armut lebt. Diese Reise mich gelehrt hat, dass man jeden Moment seines Lebens genießen soll, egal in welcher Lage man sich befindet." (Yvonne)

Foto: Lennart Wallrich
Demo, Parlament, Parteigespräche - Abschluss in Brüssel
In Austerlitz/Niederlande findet Mitte November die letzte Act Positive Jugendkonferenz statt. Mehr als 250 Jugendliche diskutieren über HIV/Aids. Am letzten Tag fahren alle gemeinsam nach Brüssel. In einer lauten, bunten und fröhlichen Demonstration ziehen die jungen Leute zum EU-Parlament und überreichen EU-Parlaments-Mitglied Peter van Dalen 104.000 Unterschriften.
Kleinere Delegationen der Teilnehmer treffen sich mit Abgeordneten der GRÜNEN, der CSU und der LINKEN, um in Einzelgesprächen die Forderungen der Kampagne zu unterstreichen. Welches Fazit zieht der Kamapgnen-Koordinator am Ende? „Die Kampagne war ein großer Erfolg!", so Wallrich. „Wir haben so viele Jugendliche erreicht, sie waren äußerst kreativ und haben neue Aktionsformen geschaffen, um Menschen aufmerksam zu machen. Eine ganze Reihe wollen weiter mit dem Thema HIV/Aids arbeiten und zum Beispiel beim Aktionsbündnis gegen Aids mitmachen. Die Presse hat in allen fast Städten, in denen wir waren, über uns berichtet, oft sogar mit großen Artikeln. Und haben eine ganze Reihe neue Ehrenamtliche gewonnen, die sich auch in Zukunft für die Kindernothilfe engagieren wollen."
Kontakt: Lennart Wallrich, lennart.wallrich@knh.de
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