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Peru: Hilfsprogramm für arbeitende Kinder in Cajamarca

Unterstützung für Eltern und Kinder

Peru hat in den vergangenen Jahren eine gravierende Wirtschaftskrise mit geschätzten 50 Prozent Arbeitslosen durchlebt. Von den rund 23 Millionen Peruanern sind mehr als 14 Millionen arm, 7 Millionen extrem arm. Dazu kommen die Korruption und Menschenrechtsverletzungen. Die Kindernothilfe fördert in Cajamarca im Norden des Landes ein Hilfsprogramm für Kinderarbeiter (Projekt 88003/AA12).

JinciapIn Cajamarca müssen sich Kinder als Schuhputzer durchschlagen. Foto: Jürgen Schübelin Zur Situation vor Ort
Cajamarca ist die Provinzhauptstadt mit 100.000 Einwohnern in den nordperuanischen Anden. Baños del Inca liegt westlich von Cajamarca, etwa 2.300 Meter hoch. Die Städte sind mit ihrer kolonialen Vergangenheit von touristischem Interesse, dennoch leben die Menschen hier in Armut.

Das öffentliche Gesundheitswesen ist für die armen Familien unerschwinglich. Über die Hälfte der Bewohner aus den armen randstädtischen Siedlungen ist von Parasiten befallen und 40 Prozent unterernährt. Ärzte und Medikamente sind teuer, so dass sich die meisten im Krankheitsfall mit traditionellen Hausmittelchen helfen.

Die Kinder der extrem armen Familien können die Schule kaum besuchen. Das Geld für Schulgebühren und Bücher fehlt, jedes zusätzliche Einkommen wird zur Deckung der Grundbedürfnisse. 35 Prozent brechen ihre Schulausbildung vorzeitig ab. Sie landen auf der Straße, wo sie als Lastenträger, Straßenverkäufer, Autowäscher, Schuhputzer für ein minimales Einkommen arbeiten. Erwachsene beuten sie aus, andere Kinder bestehlen oder misshandeln sie. Auch Übergriffe der Polizei kommen vor, ganz zu schweigen von den Risiken durch den Straßenverkehr, die körperliche Überbelastung und Gesundheitsschäden aufgrund des Umgangs mit schädlichen Stoffen.

JinciapFoto: Jürgen Schübelin Das Projekt
1983 wurde in Cajamarca der Verein IINCAP “Jorge Basadre” gegründet – ein Zusammenschluss von gut ausgebildeten Sozialarbeitern, Landwirtschaftsexperten und Krankenschwestern. Sie führen in der Region Förderprogramme für Kinder und Jugendliche sowie für Erwachsene aus armen Bevölkerungsschichten durch. Zielgruppe ist die arme Bevölkerung in den randstädtischen und ländlichen Siedlungen. Die Wahrnehmung der Menschen soll in der Öffentlichkeit verbessert werden, um deren Selbstwertgefühl zu stärken. Das Hilfsprogramm soll die Selbsthilfe der Beteiligten mobilisieren, indem man sie dazu anleitet, sich zu organisieren, Netzwerke zu bilden, um sich gegenseitig zu helfen und auf ihre Rechte aufmerksam zu machen. Auch die Förderung ökologischer Anbaumethoden in der Landwirtschaft, Umweltschutz und Kenntnisse über Ernährung und Hygiene sind wichtige Elemente des Arbeitskonzepts.

Im Zeitraum von Januar 2004 bis Dezember 2007 soll die Situation von 300 arbeitenden Mädchen und Jungen im Alter von fünf bis 17 Jahren aus extrem armen Familien sowie von 100 bedürftigen Familien in Cajamarca und Baños del Inca verbessert werden. Einbezogen sind 50 Lehrer von Grundschulen, für die Schulungsmaßnahmen vorgesehen sind.

Man weiß, dass es keinen Sinn macht, die arbeitenden Kinder von der Straße zu holen, weil ihr Einkommen zu Hause schmerzlich fehlen würde. Die Chance, die Eltern in die Arbeit mit einzubeziehen, wäre vertan. Deshalb versucht das Projekt, die Arbeitsbedingungen der Kinder zu verbessern, damit sie später mit einem zeitlichen Aufwand von wenigen täglich dasselbe Einkommen erwirtschaften können und so die Zeit haben, nebenher die Schule zu besuchen und anschließend eine Berufsausbildung zu absolvieren.

ZKNH 3/2005Junge aus dem Hilfsprogramm. Foto: Jürgen Schübelin Eltern, Kinder und Jugendliche werden zu Workshops eingeladen, bei denen sie ihre Situation, die Rechte der Kinder, ihre Wertvorstellungen, das Familienleben und ihre Zukunftserwartungen analysieren. Daneben belegen die Kinder Kurse in den Bereichen Folkloretänze, Musik, Theater, Kunst und Gestaltung. Auch sportliche Aktivitäten kommen nicht zu kurz.

Das Projekt versucht daneben, den älteren Jugendlichen Praktika zu vermitteln, damit sie ihre beruflichen Neigungen kennen lernen. Zugleich sollen sie nach Möglichkeit Berufsausbildungsinstitute besuchen. Der Verein IINCAP wird durch Arbeitsmarktanalysen dafür sorgen, dass die Jugendlichen in Branchen ausgebildet werden, in denen später ein Arbeitsplatz finden können oder in denen sich eine Selbständigkeit rentieren kann.

Informationskampagnen und Broschüren sollen lokale Presse sowie Fernsehen und Rundfunk auf das Hilfsprojekt hinweisen. Die Kinder bekommen Plastikausweise, die den Konsumenten verdeutlichen, dass sie an diesem Projekt teilnehmen und es deshalb ein wichtiger Beitrag ist, bei ihnen zu kaufen oder ihre Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen. So setzen sie sich von den Kleinkriminellen und Drogenabhängigen ab, die in den Straßen von Cajamarca ähnlichen Arbeiten nachgehen. Zusammen mit der Polizei soll es gelingen, ihnen bestimmte Schutzräume auf der Straße zuzuweisen, wo sie mit offizieller Genehmigung ihrer Arbeit nachgehen dürfen.

JinciapFoto: Jürgen Schübelin Das Projekt lädt die Kinder und Jugendlichen zu Schulungen ein, in denen sie lernen, für ihr Mini-Unternehmen eine wirtschaftliche Planung zu erstellen: Einkaufspreise, Produktionskosten, Absatzstrategien, Preiskalkulation gehören dazu. Daneben gibt es einen Rotationsfonds, aus dem die Kinder einen zinsfreien Kleinkredit in Höhe von jeweils 50 US-$ erhalten, um ihre Arbeitsausstattung zu optimieren oder Waren auf Vorrat zu kaufen. Auch angemessene Kleidung gehören zu den Dingen, die sie sich von diesem Geld zulegen, um erfolgreicher zu sein.  Auch den Eltern wird ein Fonds zur Verfügung gestellt, aus dem sie Kredite für den Aufbau eines Kleinstunternehmens erhalten, um ihre Lebensumstände nachhaltig zu verbessern. Die Kreditvergabe wird von einem Ausschuss bewilligt, in dem der Projektkoordinator sowie je drei Elternteile, drei Jugendliche und andere Projektmitarbeiter gleiches Stimmrecht haben.

50 Familien erhalten Anleitung und Unterstützung, sich einen eigenen kleinen Gemüsegarten anzulegen, wo sie für den Eigenbedarf produzieren. Besonderer Wert legt man auf den kostengünstigen und ökologischen Anbau oder natürliche Düngemethoden. Die Teilnehmer des Projektes erhalten eine Ausbildung in Erster Hilfe. Zwei kleine Gesundheitsstationen mit Medikamenten und Erste-Hilfe-Materialien werden in Cajamarca bzw. Baños del Inca eingerichtet, um Notfälle versorgen zu können.

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