Kindernothilfe e. V.

Kinderrechte

„Der Kinderrechteansatz in der Verbandsarbeit": 
6. KinderRechteTag am 10.12.2009 in Duisburg

Dr. Reinald Eichholz, Mitglied der Koordinierungsgruppe

Die KinderRechteTage haben eine beträchtliche Tradition, nicht nur, soweit sie grundlegende (Rechts)Fragen zur Kinderrechtskonvention thematisieren, sondern auch in der politischen Wahrnehmung. Nachdem der spätere Bundespräsident Johannes Rau die Schirmherrschaft über den 1. KinderRechteTag in Köln übernommen hatte, haben die jeweiligen Ministerpräsidenten den KinderRechteTagen bei ihrer Wanderung durch die Bundesländer durch ihre Schirmherrschaft immer wieder zu politischer Aufmerksamkeit verholfen. In diesem Jahr war der KinderRechteTag zudem mit einem besonderen Ereignis verbunden, dem 50-jährigen Jubiläum der Kindernothilfe in Duisburg. So war das Grußwort der Staatssekretärin im Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen, Dr. Marion Gierden-Jülich, eine inhaltliche Einstimmung und ein Geburtstagsglückwunsch zugleich.

Sechster Deutschen KinderrechteTag in DuisburgzoomVortrag von Dr. Hanns Schumacher, deutscher Borschafter in Thailand.
Fotos: Petra Liedtke/Kindernothilfe
Bevor sich die etwa 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, darunter 12 Jugendliche des Windrather Talkollegs in Velbert, im Konferenz- und Tagungszentrum „Der kleine Prinz" in Duisburg dem engeren Tagungsthema zuwandten, sprach Dr. Hanns Schumacher - Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Thailand und ehemaliger Vertreter der Region Europa bei der Sondervollversammlung der Vereinten Nationen im Rahmen des Weltkindergipfels 2002 - als gebürtiger Duisburger „ganz privat" über den „Kinderrechteansatz in der internationalen Politik". Kaum zu glauben, wie lebendig man über all die komplizierten Vorgänge von Diplomatie und Bürokratie auf der Bühne der Weltpolitik sprechen kann!

Anzuerkennen, dass Kinder „Rechte" haben hinsichtlich Gesundheit, Erziehung, Bildung - gar nicht zu sprechen von körperlicher Unversehrtheit - und dass dafür Mittel und Einrichtungen bereitgestellt werden müssen, fällt auch heute vielen schwer zu akzeptieren. Die Rede fand begeisterte Aufnahme, auch wenn durchaus ernüchternd wirken konnte, dass man im Großen wie im Kleinen immer wieder vor Unkenntnis, Gedankenlosigkeit und Desinteresse stehen kann.

Sechster Deutschen KinderrechteTag in DuisburgzoomPodiumsdiskussion mit Kindernothilfe-Vertreterinnen und -Vertretern Erfahrungsaustausch in verschiedenen Foren
Die weitere Arbeit diente dem Erfahrungsaustausch, mit welchen Herausforderungen und Schwierigkeiten man zu rechen hat, wenn es um die Umsetzung des Kinderrechteansatzes ‚nach innen' in dem Bestreben geht, durch eigene Praxis glaubwürdig zu sein. In einer aufschlussreichen Talkrunde stellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kindernothilfe ihr schon weit gediehenes Konzept vor. In den Gesprächsgruppen kamen weitere Erfahrungen hinzu, so dass am Ende eine Reihe sehr konkreter Empfehlungen formuliert werden konnte:

Sechster Deutschen KinderrechteTag in Duisburgzoom100 interessierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren nach Duisburg gekommen. Als durchgängige Schwierigkeit trat zutage, dass die Kinderrechte viel zu sehr als „Paragraphenwerk" gesehen werden, dem alle (Vor)-urteile entgegenschlagen, die auch sonst mit §§ verbunden sind. Es käme darauf an, die (wechselseitige) Achtung vor der Individualität des anderen in der ganz konkreten Begegnung als das eigentliche „substanzielle Recht" zu praktizieren - und die Paragraphen als Notbehelf zu sehen, wo der „innere Gesetzgeber" versagt.

In diesem Sinne sollten die Kinderrechte viel bekannter werden, vor allem in den Schulen. Die Kinderrechtsexperten der Verbände sollten in die Schulen kommen, nicht nur für die Schüler, sondern auch für die Lehrer, sagten die Jugendlichen erfrischend direkt: „Die haben sonst auch keine Ahnung..."

Hinweis:
Die Dokumentation zum 6. Deutschen KinderrechteTag, in der auch die im Rahmen der Veranstaltung formulierten Empfehlungen veröffentlicht werden, wird voraussichtlich im Frühjahr 2010 bei der National Coalition/AGJ erscheinen.

 


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