Obwohl sich die politische Krise in Honduras einem Ende nähern könnte, ändert sich die prekäre Menschenrechtssituation nur wenig. Neben zahlreichen gewaltsamen Übergriffen auf Kinder und Jugendliche, Exekutionen von Straßenkindern und Mitgliedern von Jugendbanden, sieht die Kindernothilfe die Zwangsferien für alle Schüler als gravierende Kinderrechtsverletzung. Die durch den Staatsstreich an die Macht gekommene Regierung hatte das Schuljahr um fast zwei Monate verkürzt. Ausgangssperren und Protestaktionen hatten bereits zuvor für tagelange Unterrichtsausfälle gesorgt.

Foto: Kindernothilfe
Für die Mädchen und Jungen in dem zweitärmsten Land Mittelamerikas bedeutet dies: Von den vorgesehenen 200 jährlichen Unterrichtsstunden fanden in 2009 nicht einmal die Hälfte statt. Deswegen richtet die Kindernothilfe jetzt, verteilt auf das ganze Land, in zwölf Projekten Sommerschul-Programme ein: Unterricht, Mahlzeiten und Freizeitangebote gehören dazu.
Aktuellen UNICEF-Zahlen zufolge haben rund 1.8 Millionen Mädchen und Jungen in Honduras das diesjährige Schuljahr komplett verloren. Doch der ausgefallene Unterricht bedeutet für die Kinder und Jugendlichen mehr als die verpassten Lerninhalte: Angesichts der verschlossenen Schultüren sind hunderttausende Kinder tagsüber alleine zu Hause oder verbringen ihre Zeit auf der Straße. Und das in einem der gewalttätigsten Länder der Welt. Bereits während der zurückliegenden vier Monate seit dem Staatsstreich bildeten die von Kindernothilfe unterstützten Projekte vielfach die einzig mögliche Anlaufstelle für Kinder und Jugendlichen aus der gesamten Nachbarschaft. Denn viele Eltern wissen nicht, wohin mit den Kindern. Die Zwangsferien bedeuten auch ein Ende der Schulspeisung. Vor allem für unter- und mangelernährte Kindern vergrößern sich die gesundheitlichen Risiken und Defizite.

Straßenkinder in Honduras. Foto: Kindernothilfe
Das Nothilfe-Sommerschul-Programm der Kindernothilfe will den Mädchen und Jungen eine Chance geben, versäumte Unterrichtsinhalte nachzuholen und damit für das nächste Schuljahr besser gerüstet zu sein. Pädagogische Betreuung und Fürsorge in den beteiligen zwölf Einrichtungen sollen den Kindern trotz der - auch nach Unterzeichnung des Zelaya-Micheletti- Abkommens - angespannten politischen Situation Sicherheit geben und helfen, Angstzustände zu überwinden. Neben den geplanten 45 Tagen Unterricht in den zwölf Einrichtungen gibt es täglich Mahlzeiten, Gesundheitskampagnen - sowie zahlreiche Kultur- und Sportaktivitäten, gemeinsam mit den jeweiligen Stadtteil- und Nachbarschaftsorgani-sationen. Durch diese Initiative, für die Kindernothilfe 45.500 Euro bereitstellt, werden 1800 Kinder direkt - und 3000 Mädchen und Jungen indirekt, durch die Nachbarschaftskompo-nenten erreicht.
Die Verantwortlichen der zwölf Einrichtungen und das Team des honduranischen KNH-Büros in Tegucigalpa wollen mit ihrem gemeinsamen Sommerschul-Projekt bewusst auch ein politisches Zeichen setzen. Die Konflikte um die Macht im Staat dürften nicht auf dem Rücken der Kinder ausgetragen werden.
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