Kein Zweifel: Die globale Erwärmung schreitet voran und bedroht Ökosysteme wie Menschen. Die Folgen sind bereits heute deutlich zu spüren. Dabei sind diejenigen besonders hart betroffen, die am wenigsten Verantwortung tragen: Kinder in Entwicklungsländern. Ihnen drohen Hunger und Krankheiten, oft gefährden die Folgen des veränderten Klimas die Lebensgrundlagen ganzer Familien.

Überschwemmter Slum in Indonesien. Foto: Christian Jung
Schätzungen zu Folge werden gegenwärtig jedes Jahr 250 Millionen Menschen Opfer von Naturkatastrophen - Tendenz steigend. Die Zahl derer, die im Zeitraum von 1996 bis 2005 durch Dürren, Überschwemmungen, Erdbeben oder Tsunamis ums Leben kamen, ist um 84 Prozent höher als noch zehn Jahre zuvor. Bedingt durch den Klimawandel rechnen Experten bis zum Jahr 2016 mit einem weiteren Anstieg auf 350 Millionen Betroffene jährlich. Allein 175 Millionen davon werden Kinder sein. Der Großteil von ihnen lebt in Armut.
Wetterkapriolen treffen die Ärmsten
Der Klimawandel stellt ein globales Problem dar. Doch die Auswirkungen sind vor allem dort zu spüren, wo das Geld fehlt, um die Menschen vor den Folgen zu schützen. Das gilt insbesondere für Afrika und Asien: Dort lebten zwei Drittel der Menschen, die in den vergangenen Jahren vor allem durch extreme Wetterereignisse getötet wurden. Während zum Beispiel im Jahr 2006 nur China von mehr Naturkatastrophen getroffen wurde als die USA, war die Zahl der Opfer in Malawi, Burundi, Kenia und auf den Philippinen um ein Vielfaches höher als in Amerika.
Dauerhafte Gefahr für Millionen von Menschen
Die Natur schlägt nicht nur direkt zurück - auch schleichend bedroht der Klimawandel das Leben und die Existenzgrundlagen von Millionen von Menschen. Wüsten dehnen sich aus, Wärme liebenden Schädlingen vermehren sich rasant: Phänomene wie diese treffen vor allem die ländlichen Regionen in den Entwicklungsländern. Kindern mangelt es dort an Wasser und Nahrung, ihren Familien an ökonomischer Sicherheit. In Afrika sind jährlich 220 Millionen Menschen von Dürre bedroht, 170 Millionen Kinder leiden an Mangelernährung. Eine Studie aus Uganda belegt, dass wirtschaftliche Not das Problem früher Hochzeiten verschärft: In Dürreperioden verheiraten Familien ihre minderjährigen Töchter, um die Anzahl der zu ernährenden Familienmitglieder zu reduzieren und mit Hilfe des Brautpreises die übrigen Kinder durchzubringen. Viele junge Mädchen brechen nach der Hochzeit die Schule ab, oft stecken sie sich mit sexuell übertragbaren Krankheiten beim Ehemann an.
Malaria und andere Krankheiten breiten sich aus
Häufige Überflutungen führen dazu, dass sich Krankheiten wie Dengue- und Gelbfieber oder Malaria vermehr ausbreiten. Setzt der Trend sich fort, werden bis zum Jahr 2100 60 Prozent der Weltbevölkerung der Gefahr einer Malariainfektion ausgesetzt sein. Schon heute bedroht diese Krankheit weltweit Millionen schwangerer Frauen und gilt als eine der häufigsten Todesursachen bei Kindern.
Sauberes Grundwasser wird zur Mangelware
Ein Drittel der Menschheit lebt in und von Küstenregionen. Für viele der Mädchen und Jungen bedeutet das: Sie wachsen mit der ständigen Gefahr von Überschwemmungen auf. Steigende Meeresspiegel beeinträchtigen zudem die Trinkwasser- und Sanitärversorgung. Immer mehr Grundwasservorräte versalzen oder werden durch eingespülte Abwässern verschmutzt. Menschen werden mehr und mehr auf verseuchtes, gesundheitsschädigendes Wasser zurückgreifen müssen. Bereits heute sterben pro Jahr rund zwei Millionen Kinder unter fünf Jahren an den Folgen von Durchfallerkrankungen.
Petra Stephan