Aktuelle Nachrichten aus der Kindernothilfe-Lobbyarbeit
Neuer Bericht der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) zu Kinderarbeit
Am 4. Mai 2006 veröffentlichte die Internationale Arbeitsorganisation (IAO) einen neuen Bericht zu Kinderarbeit: „Das Ende der Kinderarbeit - zum Greifen nah". Barbara Dünnweller, Kinderrechts-Expertin der Kindernothilfe, hat die wichtigsten Punkte und die Kritik des Deutschen Forums Kinderarbeit am Bericht zusammengefasst.

Weltweit arbeiten rund 218 Millionen Kinder. 70 Prozent davon schuften wie diese Kinder aus Ecuador in der Landwirtschaft. Foto: Martin Buchholz
Der Bericht vermittelt zwei Hauptbotschaften:
- Weltweit gibt es einen Rückgang der Kinderarbeit.
- Eine weitgehende Beseitigung der schlimmsten Formen der Kinderarbeit in den nächsten zehn Jahren ist möglich.
Die veröffentlichten Zahlen (auf der Grundlage neuer Schätzungen aus dem Jahr 2004):
- Weltweit gab es 2004 rund 218 Millionen Kinderarbeiter
- in der Altersgruppe fünf bis 14 Jahre (2002: 245,5 Mio)
- In Asien 122 Millionen (2002: 127,3 Mio)
- in Afrika südlich der Sahara 50 Millionen (2002: 48 Mio)
- in Lateinamerika fünf Millionen (2002: 17,4 Mio)
- in den übrigen Weltregionen 13 Millionen (2002: 18,4 Mio).
Einige Erkenntnisse aus dem Bericht:
- Kinderarbeit geht zurück, und zwar um so schneller, je schädlicher die Arbeit und je verletztlicher die betroffenen Kinder sind.
- Jungen sind nach wie vor gefährlicher Arbeit stärker ausgesetzt als Mädchen.
- Die größten Fortschritte sind in Lateinamerika und der Karibik zu verzeichnen.
- Die geringsten Fortschritte sind in Afrika südlich der Sahara festzustellen.
- Sieben von zehn Kindern arbeiten in der Landwirtschaft.
- Ein Großteil der weltweiten Kinderarbeit, vor allem in den schlimmsten Formen, spielt sich in der informellen Wirtschaft ab.
Positives:
- Starke Bezüge zu Kinder-/Menschenrechten. Unter anderem widmet sich ein Kapitel der Mitwirkung von Kindern und Jugendlichen. Es wird festgestellt, dass zunehmend Konsens besteht, dass Kinder als aktive Partner in der weltweiten Bewegung gegen Kinderarbeit betrachtet werden.
- Der Ansatz eines „child-labour-mainstreaming" wird angesprochen.
- Eine Qualifizierung der Strategien zur Armutsbekämpfung wird gefordert.
- Eine Stärkung der Zusammenarbeit mit NGOs wird gefordert.
- Defizite werden benannt, u.a., dass der Bereich der Landwirtschaft und die Kinderarbeit in Haushalten vernachlässigt wurden. Und das, obwohl 70 Prozent der Kinder in der Landwirtschaft arbeiten.
Negatives/ Problematisches:
- Die Datenlage gibt die schon fast euphorische Schlussfolgerung (siehe Titel) nicht her. Nur für 17 Länder liegen Daten für zwei unterschiedliche Jahre vor.
- Es fehlen international vergleichbare Statistiken.
- Behauptungen über empirische Entwicklungen werden nicht belegt. In einem Fall wird auf eine Studie über Indien aus dem Jahre 1991 verwiesen.
- Der Bericht geht nur sehr oberflächlich auf die Arbeitssituation von Kindern und Jugendlichen in der informellen Wirtschaft ein, obschon die meisten Kinder dort arbeiten.
Download: Positionspapier des NGO Forums gegen Kinderarbeit
Kontakt:
Barbara Dünnweller, Kinderrechts-Expertin
Tel.: 0203.7789-180
E-Mail: barbara.dünnweller@knh.de