Kindernothilfe e. V.

Aktuelle Nachrichten aus der Kindernothilfe-Lobbyarbeit

Aufbruchsstimmung nach Weltsozialforum
Kinderrechte stärker berücksichtigen!

Von Gunhild Aiyub
(Nairobi/ Duisburg, 26.01.2007) In der kenianischen Hauptstadt Nairobi ist am Donnerstag das 7. Weltsozialforum zu Ende gegangen. Unter dem Motto "Eine andere Welt ist möglich" diskutierten rund 50.000 Teilnehmer aus aller Welt über drängende Probleme der Menschheit. Auch Vertreter von Kindernothilfe-Partnern aus Kenia, Uganda, Sambia, Äthiopien und Indonesien sowie Barbara Dünnweller, Kinderrechts-Expertin bei der Kindernothilfe, nahmen am Forum teil. Breiten Raum nahmen die Diskussion rund um die Themen Kinderrechte/ Menschenrechte sowie Partizipation ein.

Das Weltsozialforum fand zum ersten Mal in Afrika statt. Sechs Tage lang drehten sich die Diskussionen überwiegend um die Themen Armut, Aids, Wasser, Land. „Wie Armutsbekämpfung bei Kindern ganz praktisch aussieht, haben Partnerorganisationen der Kindernothilfe eindrücklich präsentiert", berichtet Kindernothilfe-Delegierte Barbara Dünnweller. „Alle haben durch konkrete Beispiele aus ihrer Arbeit mit Straßenkindern gezeigt, wie sie Armut bekämpfen und wie sie den kinderrechtlichen Ansatz bezüglich Partizipation und Befähigung von Kindern umsetzen." Gemäß dem Motto "Nothing for children without children" stellte der kenianische Partner AMREF seine Arbeit mit einem Musical zum Thema Aids vor, das Jugendliche selbst getextet und komponiert hatten.

Straßenkinder
Kinder und Jugendliche aus Pumwani, einem Slum in Nairobi, zeigten anhand von Straßentheater und musikalischen Aufführungen, wie Vernachlässigung, Missbrauch, HIV/Aids und Armut ihr Leben geprägt haben. „Mit viel Engagement machten sie aber auch deutlich, was sich für sie durch die Unterstützung des St. John's Community Centre, einem Projekt der Kindernothilfe, geändert hat", so Barbara Dünnweller. „Sie gehen zur Schule, lernen praktische Fertigkeiten und haben eine Anlaufstelle, wo sie Probleme besprechen können. In Jugendclubs haben sie viel über ihre Rechte erfahren, sind selbstbewusster geworden und haben auch kreative Potentiale entdeckt, wie das Straßentheater eindrücklich zeigte."

Selbstorganisation schafft Verantwortung und stärkt
"A child is not a piece of cloth", sagte Mary bei einem Workshop der Undugu Society Kenya, einem weiteren Kindernothilfe-Partner. "Das Problem sind die Erwachsenen. Respektiert unsere Rechte!" Mary ist eins von rund 100.000 Straßenkindern in Nairobi; viele von ihnen sind von HIV/Aids betroffen. Seit letztem Jahr hat Undugu ein bereits in Westafrika erfolgreich praktiziertes Modell eingeführt, um die Arbeit mit Straßenkindern noch effektiver zu gestalten: Die Jungen und Mädchen schließen sich zu so genannten associations zusammen, wählen einen Sprecher/eine Sprecherin und versuchen, durch gegenseitige Unterstützung den Kreislauf der Armut zu durchbrechen. Sie übernehmen selbst Verantwortung, vermeiden die Abhängigkeit von anderen. Sie bekommen einen Undugu-Ausweis, der die Zugehörigkeit zu der Gruppe stärken soll. Sozialarbeiter begleiten und beraten die einzelnen Gruppen. Sie achten auch darauf, dass die Kinder regelmäßig zur Schule gehen. „In der Gruppe selber wird die Beteiligung und Mitsprache an allen Dingen, die die Kinder und Jugendlichen betreffen, groß geschrieben", betont Barbara Dünnweller. Mary ist Sprecherin einer solchen 'association'. Sie hat damit auch Verantwortung für die Gruppenmitglieder übernommen und ist stolz, dass sie mit dieser Aufgabe betraut wurde.

Herausforderung Schulgebühren
„In diesem Workshop lobten die Teilnehmer die kenianische Regierung für die mittlerweile kostenlose Grundschulbildung", berichtet Babara Dünnweller. „Anders sieht das bei Sekundarschulen aus. Dass diese immer noch Geld kosten, ist nach Meinung unserer Partner ein großes Entwicklungshemmnis. Es gibt noch zu wenig Lobbyarbeit hierfür. Die Partner sehen das als eine Herausforderung für die nächste Zeit."

 


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