Aktuelle Nachrichten aus der Kindernothilfe-Lobbyarbeit

Brief an Merkel: Kritik an Energieabkommen mit Brasilien

FeldarbeitzoomImmer weniger Anbaufläche steht für die Nahrungsmittel-Produktion zur Verfügung. Foto: Engel/ KNH (Duisburg/ Berlin, 14. Mai 2008) Die Kindernothilfe trägt die Kritik und Bedenken der kirchlichen Entwicklungswerke und entwicklungspolitischen Nichtregierungsorganisationen über das am 14. Mai von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Staatspräsident Lula da Silva unterzeichnete Energieabkommen zwischen Deutschland und Brasilien mit: "Wir sind sehr besorgt, dass sich durch die forcierte Produktion von Biosprit in Brasilien und den steigenden Export dieses Treibstoffs nach Deutschland die Hungerkrise in Lateinamerika weiter verschärft", so Dietmar Roller, Auslandsvorstand der Kindernothilfe: "Je rabiater industrielle Energiepflanzen-Monokulturen den Anbau von Nahrungsmitteln und die Viehhaltung verdrängen, umso mehr", so Roller, "wächst die Gefahr von Hungerkrisen und ökologischen Katastrophen."

Dreizehn deutsche Entwicklungswerke und Netzwerkorganisationen, darunter die Kindernothilfe, hatten vor der Abreise der Bundeskanzlerin nach Lateinamerika ihre kritischen Einschätzungen über die Konsequenzen des deutsch-brasilianischen Energieabkommens für die Ernährungssicherheit sowie die desaströse Menschenrechtssituation etwa auf den Zuckerrohrplantagen des größten lateinamerikanischen Landes in einem offenen Brief an Frau Merkel zum Ausdruck gebracht.

In dem am 14. Mai unterzeichneten Staatsvertrag garantiert Deutschland Brasilien, jährlich bestimmte Mengen an brasilianischem Bio-Ethanol zu kaufen. Das Problem: Der Anbau der Energiepflanzen für Bio-Sprit wird auf den fruchtbarsten Ackerflächen Brasiliens unter hohem Pestizideinsatz in Monokultur betrieben, während dafür die Anbauflächen für Reis, Bohnen und Mais - sowie die Flächen für Milch- und Rindfleischproduktion drastisch reduziert wurden.

Während der zurückliegenden Wochen hatte unter anderem auch die hohe Nachfrage nach Bio-Treibstoffen zur aktuellen Hungerkrise in extrem armen Ländern wie Haiti geführt. Preise für Grundnahrungsmittel stiegen rapide an, wurden für viele Menschen nahezu unerschwinglich. In zahlreichen Staaten, nicht nur Lateinamerikas, kam es deshalb zu Unruhen. Die Ausweitung der Anbauflächen für den Energierohstoff Zuckerohr beschleunigte, so eines der Argumente des offenen Briefes an die Bundeskanzlerin, in Brasilien bereits in den zurückliegenden Jahren die Regenwald-Vernichtung und die Zerstörung wertvoller Ökosysteme wie des Cerrado, der artenreichsten Savanne der Welt.


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