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Aktuelle Nachrichten aus der Kindernothilfe-Lobbyarbeit

Kritik an der IAO:
Ein Ende der Kinderarbeit ist nicht in Sicht

(Duisburg/Heidelberg, 9. Juni) „Das Deutsche NRO-Forum Kinderarbeit teilt nicht die Einschätzung der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO), dass ein Ende der Kinderarbeit in Sicht sei", erklärt der Koordinator des Forums, Klaus Heidel von der Werkstatt Ökonomie, aus Anlass des diesjährigen Internationalen Tages gegen Kinderarbeit.  Kinderrechtsexpertin Barbara Dünnweller vertritt die Kindernothilfe im Forum gegen Kinderarbeit. Sie kritisiert, dass sich der Bericht zu wenig mit der Lage von Kindern beschäftigt, die in der Schattenwirtschaft arbeiten.

PotosiIn den Minien von Potosí, Bolivien, schuften Kinder unter unzumutbaren Bedingungen. Foto: Jürgen Schübelin Tag gegen Kinderarbeit: Motto führt in die Irre

Der Tag steht unter dem Motto: "Das Ende von Kinderarbeit: Gemeinsam können wir es schaffen." Dieses Motto greift eine Kernaussage des am 9. Juni 2006 von der Internationalen Arbeitskonferenz beratenen IAO-Berichtes über Kinderarbeit auf, der im Titel behauptet: "Das Ende der Kinderarbeit: Zum Greifen nah."
„Diese Behauptung wird im Bericht der Internationalen Arbeitsorganisation nicht glaubwürdig belegt", kritisiert Heidel. „Die spärliche Datenlage erlaubt keine Aussage darüber, ob das Ausmaß von Kinderarbeit von 2000 bis 2004 zu- oder abgenommen hat. Es ist nicht einmal möglich, abzuschätzen, wie viele Kinder 2004 gearbeitet haben. Zwar präsentiert die IAO entsprechende Zahlen, doch sie stammen überwiegend aus älteren Quellen".

Bericht der IAO: methodische Probleme, unzulängliche Datenlage
Angesichts methodischer Probleme und unzulänglicher Daten fordert das Deutsche NRO-Forum Kinderarbeit die IAO zu einem realistischen Umgang mit Zahlen auf. Diese Aufforderung begründet das Forum ausführlich in einem Positionspapier zum IAO-Bericht, das das Forum zum Tag gegen Kinderarbeit vorlegt.

IAO nähert sich dennoch Positionen der Nicht-Regierungsorganisationen an
Doch trotz dieser Kritik begrüßt das Forum, dass der IAO-Bericht über Kinderarbeit mehrere Forderungen des Forums aufgreift. „Dieser Bericht zeigt, dass sich die IAO den Positionen von Kinderrechtsorganisationen weiter angenähert hat", erklärt Barbara Küppers von terre des hommes. Arbeitende Jungen in Afghanistan. Foto: Jens Großmann „Deutlicher als früher geht die IAO von einem kinderrechtlichen Ansatz aus. So betont der neue Bericht der IAO die Notwendigkeit, dass Kinder und Jugendliche an Maß-nahmen zur Überwindung ihrer wirtschaftlichen Ausbeutung beteiligt werden müssen. Besonders erfreulich ist es, dass die IAO inzwischen eingesehen hat, dass sie mit den Organisationen arbeitender Kinder und Jugendlicher zusammen arbeiten muss. Eine solche Zu-sammenarbeit hat das Deutsche NRO-Forum Kinderarbeit schon lange gefordert. Jetzt hoffen wir, dass aus der theoretischen Einsicht praktische Konsequenzen gezogen werden", so Küppers, die zugleich fordert, dass die Internationale Arbeitsorganisation den Dialog auch mit solchen Kinderorganisationen aufnimmt, die sich kritisch zur bisherigen Politik der IAO verhalten.

IAO greift Forderungen des Forums Kinderarbeit auf
Auch weitere Forderungen des Forums wurden von der Internationalen Arbeitsorganisation in ihrem jüngsten Bericht über Kinderarbeit aufgegriffen. „Inzwischen betont die IAO die Notwendigkeit, dass Strategien zur Armutsbekämpfung auch auf die Herausforderungen durch die weit verbreitete Kinderarbeit und die sehr hohe Jugendarbeitslosigkeit Antworten finden müssen", so Barbara Dünnweller von der Kindernothilfe. „Wir unterstützen vor allem die Forderung, dass sich die Leitfäden der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds für die Erarbeitung und Umsetzung von Strategiepapieren zur Armutsbekämpfung mit Kinderarbeit und Jugendarbeitslosigkeit beschäftigen".

Natal, Kinder auf der MüllkippeKinder beim Müllsammeln in Brasilien. Foto: Christoph Engel IAO vernachlässigt Kinder in der Schattenwirtschaft
Allerdings kritisiert das Deutsche NRO-Forum Kinderarbeit laut Dünnweller, dass sich der IAO-Bericht nur unzulänglich mit der informellen Wirtschaft beschäftigt. „Kinder und Jugendliche wachsen in informellen Siedlungen, nämlich in Slums, auf, sie erhalten nur informelle Bildung, ihre Eltern arbeiten in der informellen Wirtschaft - und es ist vor allem die informelle Wirtschaft, wo Kinderarbeit zu finden ist. Da ist es schon erstaunlich, dass der IAO-Bericht nur oberflächlich fragt, wie die Rechte von Kindern durchgesetzt werden können, die sich in diesen völlig ungeschützten, oftmals unsichtbaren Arbeitsverhältnissen befinden".

Das Deutsche NRO-Forum Kinderarbeit
Das im Jahre 2000 gegründete Deutsche NRO-Forum Kinderarbeit wird getragen von Brot für die Welt, DGB-Bildungswerk, Kindernothilfe, ProNats, terre des hommes und Werkstatt Ökonomie. Seit Jahren setzt sich das Forum für eine Stärkung und weitere Qualifizierung der Aktivitäten der IAO zu Kinderarbeit ein. In diesem Sinne versteht das Forum das jetzt vorge-legte Positionspapier als Beitrag zur Intensivierung des Dialoges über einen kinderrechtlich qualifizierten Umgang mit Kinderarbeit. Das Positionspapier ist am 12. Juni 2006 erhältlich bei:

Werkstatt Ökonomie e.V.
Obere Seegasse 18
D - 69124 Heidelberg
Germany
Tel.: 062 21 - 433 36 13
Fax: 062 21 - 433 36 29
klaus.heidel@woek.de
http://www.forum-kinderarbeit.de/

Kontakt:

Barbara Dünnweller, Kindernothilfe e.V.
Tel.: 02 03 - 77 89 180
Mobil: 01 70 - 750 91 65
E-Mail: barbara.duennweller@knh.de

Klaus Heidel, Werkstatt Ökonomie e.V.
Tel.: 062 21 - 433 36 13
Mobil: 01 70 - 522 30 11
E-Mail: klaus.heidel@woek.de

 

 


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